Living Planet Report 2016: Der Mensch braucht bald zwei Erden

Living Planet Report 2016: Der Mensch braucht bald zwei Erden

, aktualisiert 27. Oktober 2016, 11:49 Uhr
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Knapp 30 Prozent der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in Deutschland demnach unmittelbar im Bestand gefährdet.

Quelle:Handelsblatt Online

Abgeholzte Wälder, leergefischte Meere, ausgestorbene Arten: Weltweit zeigen sich die Folgen menschlichen Ressourcenbedarfs. Schon bald wird uns ein Planet nicht mehr reichen, mahnt der WWF im neuen Living Planet Report.

BerlinDie Menschheit lebt nach einem Bericht der Umweltstiftung WWF deutlich auf zu großem Fuß und gefährdet damit nicht nur die eigene Lebensgrundlage. Sie verbraucht pro Jahr nicht die Ressourcen einer Erde, sondern rechnerisch von 1,6 Erden, wie die Organisation in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Living Planet Report 2016 berichtet. In dem Report beschreiben der WWF, die Zoologische Gesellschaft London und das Global Footprint Network alle zwei Jahre, wie es aktuell um Lebensräume auf der Erde bestellt ist.

Auf Dauer hat der Raubbau bittere Folgen: Zum Beispiel gingen die Bestände bei mehr als untersuchten 14.000 Wirbeltierarten zwischen 1970 und 2012 im Schnitt um knapp 60 Prozent zurück.

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Am deutlichsten sind mit im Schnitt rund 80 Prozent die Einbußen bei Arten, die in Süßwasser leben: Bis 2020 drohe insgesamt ein weiterer Rückgang. Vor allem, weil die Lebensräume immer weiter schwinden oder sich verschlechtern, heißt es im Report.

Ein Grund ist der große Ressourcenbedarf. Obwohl sich zum Beispiel der Verlust an Waldflächen weltweit in den vergangenen 25 Jahren verlangsamt habe, sei seitdem dennoch eine Fläche von 239 Millionen Hektar an Naturwäldern vernichtet worden – ein Gebiet mehr als sechseinhalbmal so groß ist wie Deutschland. Aber auch Umweltverschmutzung und Klimawandel tragen ihren Teil bei.


30 Prozent der Arten in Deutschland sind gefährdet

Zu den besonders gefährdeten Ökosystemen gehören etwa Korallenriffe, die nicht nur als Lebensräume für Meerestiere unverzichtbar sind. Auch ihre wirtschaftliche Bedeutung ist kaum zu überschätzen, sei es als Touristenmagnete oder als Kinderstube für Fische und andere Meeresorganismen, von denen sich unzählige Menschen ernähren.

Doch auch hierzulande steht die Natur unter großem Druck. Laut Report hat die Artenvielfalt in Deutschland weiter abgenommen: Knapp 30 Prozent von 32.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind demnach unmittelbar im Bestand gefährdet. Hauptursache laut WWF: intensive Landwirtschaft.

Leben die Menschen weiter wie bisher, wären laut Bericht im Jahr 2030 zwei Erden nötig, um den jährlichen Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Grundlage dieser Berechnungen ist der sogenannte ökologische Fußabdruck: Er spiegelt wider, wie stark der Mensch das Ökosystem und letztlich die Erde beansprucht. Berechnet wird er in globalen Hektar (Gha) – je kleiner der Wert, desto besser.

„Die Menschheit treibt die Erde in einen lebensbedrohlichen Burn-Out“, erklärte Christoph Heinrich aus dem Vorstand des WWF Deutschland. Er forderte ein grundlegendes Umdenken: „Wir brauchen eine neue Definition von Wohlstand und Erfolg, die die Gesundheit von Individuen, der Gesellschaft und der Umwelt einbezieht.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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