Lloyd Blankfein: Goldman-Sachs-Chef rät, mehr zu chillen

Lloyd Blankfein: Goldman-Sachs-Chef rät, mehr zu chillen

, aktualisiert 16. August 2016, 13:19 Uhr
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Der langjährige Vorstandschef von Goldman Sachs rät seinen Praktikanten, auch mal fünf gerade sein zu lassen.

von Gertrud HusslaQuelle:Handelsblatt Online

Sie ist die Top-Adresse der Wall Street: Die Investmentbank Goldman Sachs. Dort wird mehr verdient und härter gearbeitet als anderswo. Doch jetzt schlägt Bankchef Lloyd Blankfein ganz neue Töne an.

New York/DüsseldorfDie jungen Leute wussten nicht, ob sie ihren Ohren trauen konnten. Auf einer Veranstaltung für Praktikanten der Top-Investmentbank Goldman Sachs riet Vorstandschef Lloyd Blankfein seinem jungen Publikum, doch mehr zu chillen. Es sei nicht gut, Arbeit zu obsessiv anzugehen. „Ihr bekommt kein besseres Ergebnis, wenn ihr den 95. Entwurf für eine Vorlage macht“, sagte er in einer Podiumsdiskussion. „Das Leben geht weiter, ein Kapitel folgt dem anderen, ob ihr nun selbst die Seiten umdreht oder nicht.“ Man könne das Beste geben, mehr nicht. „Manchmal ist es sogar gut, nicht alles zu schaffen, was man machen müsste. Dann kann man sich nicht so in die Dinge hineinsteigern.“

Der 61-jährige Chef und Präsident von Goldman Sachs hatte sich einst selbst vergeblich bei Goldman Sachs beworben. Später schaffte er es aber trotzdem in die Top-Adresse der Wall Street, als Goldman Sachs seinen Arbeitgeber aufkaufte. Danach stieg Blankfein bei der Investmentbank rasch steil auf. Er dürfte inzwischen Milliardär sein.

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Negative Schlagzeilen machte er im Gefolge der Finanzkrise 2009 mit dem Satz, er vollstrecke „Gottes Werk“. Diesen Satz hat er danach wieder zurückgenommen. Mit hohen zweistelligen Millionenbeträgen gehörten Blankfeins Bonuszahlungen bislang zu den höchsten Banker-Boni überhaupt.

Blankfein gab auf der internen Veranstaltung zu, dass er sich selbst wohl schwer getan hätte, in jungen Jahren mehr zu faulenzen. „Ich glaube nicht, dass ich selbst es geschafft hätte, mich als junger Mann an diesen Ratschlag zu halten“, sagte er

Aber er räumte ein, dass sogar er vor wichtigen Meetings um Selbstvertrauen ringen müsse. „Ich bin wie alle anderen. Ich atme tief durch, bevor ich mich in so eine Aufgabe stürze.“ Er müsse immer Dinge tun, die er vorher noch nie gemacht habe. „Aber wenn am überlebt, gewinnt man auch ein gewisses Selbstvertrauen. Wie oft schaue ich in den Abgrund und frage mich, ob dort ein Boden ist oder nicht? Wenn ich schon zehn Mal unten war und gesehen habe, es gibt einen Boden, dann glaube ich beim elften Mal dran.“

Und noch einen Rat gab er den Karrierestartern: Öfters mal ein Buch zu lesen, besonders über Geschichte. „Ich denke, das ist besser als Ökonomie. Da könnt ihr sehen, wie manche Leute sechsmal gescheitert sind und es nicht geschafft haben, bis sie schon ein ganzes Stück älter waren.“ Daraus könne man viel mehr lernen, als aus dem Studium der Märkte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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