LSE und Deutsche Börse: Bafin stellt sich gegen Standort London

LSE und Deutsche Börse: Bafin stellt sich gegen Standort London

, aktualisiert 28. Juni 2016, 13:11 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Die kritischen Stimmen gegen die Fusion von Frankfurter Börse und der London Stock Exchange mehren sich: Die britische Hauptstadt als geplanter neuer Standort dürfte passé sein. Investoren geht es aber auch ums Geld.

Die Finanzaufsicht BaFin ist gegen London als Sitz einer deutsch-britischen Börse. „Es ist schwer vorstellbar, dass der wichtigste Börsenplatz im Euro-Raum von einem Standort außerhalb der EU gesteuert wird”, sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Felix Hufeld, am Dienstag am Rande einer Konferenz in Frankfurt. „Da wird man sicher nachjustieren müssen.” Die Deutsche Börse und die Londoner LSE sollen nach den bisherigen Plänen nach ihrem Zusammenschluss den Sitz in London haben. Nach dem Brexit ist die Kritik an dieser Entscheidung in Deutschland gewachsen.

Die Fusion muss noch von den EU-Wettbewerbsbehörden und der Börsenaufsicht im hessischen Wirtschaftsministerium genehmigt werden. Die BaFin spielt dabei formal keine Rolle mehr. Sie werde aber als Experte durchaus zu Rate gezogen. „Es gibt eine Reihe von Themen, wo wir beteiligt sind”, sagte Hufeld.

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Nach dem britischen Referendum am vergangenen Donnerstag wurden Bedenken über das Gelingen der Fusion der beiden Börsen laut. Vor allem die Standortfrage bereitet Sorgen. Durch einen Brexit würde der geplante Rechtssitz der Superbörse in Zukunft außerhalb der Europäischen Union liegen – dem aber dürften die zuständigen Aufsichtsbehörden kaum zustimmen.

Zwar bekräftigten beide Börsen, dass sie weiter an ihren Plänen festhalten wollen. Doch der Brexit wirft dazu viele Fragen auf – nicht nur bei der Bafin. Auch bei die hessischen Börsenaufsicht äußert Bedenken. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sagte, das Votum der Briten werde bei den Prüfungen des Ministeriums eine Rolle spielen, vor allem bei Fragen der Börsenaufsicht. „Und natürlich werden wir auch abwarten, ob die Pläne in dieser Form bestehen bleiben.“

„Die Führung der Deutschen Börse sollte ihre bisherigen Fusionspläne nochmals kritisch hinterfragen und massiv anpassen oder ganz begraben“, sagte auch Klaus Nieding, Vizepräsident der Aktionärsvereinigung DSW am Montag. Neben einer Verschiebung des Firmensitzes müsse sich das Unternehmen auch über das Umtauschverhältnis noch mal Gedanken machen, sagte einer der 20 größten Aktionäre der Deutschen Börse der Nachrichtenagentur Reuters.


Börsen wollen Fusion trotz Brexit durchziehen

Die Unternehmen hatten im Februar festgelegt, dass Deutsche-Börse-Aktionäre gut 54 Prozent am fusionierten Unternehmen halten sollen und LSE-Eigner knapp 46 Prozent. Wegen des Absturzes der LSE-Aktie und des Pfunds müsse dieses Verhältnis nun zugunsten der Frankfurter angepasst werden, sagte der Investor. „Ansonsten ist der Deal nicht vorteilhaft für die Aktionäre der Deutschen Börse.“

Die LSE-Eigner sollen am 4. Juli auf einer außerordentlichen Hauptversammlung grünes Licht für die Börsen-Hochzeit geben. Die Deutsche-Börse-Aktionäre haben Zeit bis zum 12. Juli, um das Fusionsangebot anzunehmen. Der Top-20-Investor ist – wie viele andere Großaktionäre – sowohl an der LSE auch als auch an der Deutschen Börse beteiligt.

Auf der LSE-Hauptversammlung will er auf jeden Fall für die Fusion votieren. Ob er auch seine Deutsche-Börse-Aktien andient, hat er noch nicht entschieden. „Strategisch ist die Fusion aus unserer Sicht nach wie vor sinnvoll. Wir hoffen aber noch auf Nachbesserungen, damit wir ohne Bauchschmerzen zustimmen können.“ Deutschlands größter Börsenbetreiber wollte sich dazu nicht äußern.

Deutsche Börse und LSE wollen ihre Fusion trotz Brexit durchziehen. Ein Referendums-Komitee beider Konzerne soll sich in den kommenden Wochen mit Reaktionen auf den Austritt Großbritanniens befassen. Auch die Entscheidung für London als „alleinigem Sitz“ des fusionierten Konzerns werde dabei überprüft, hat Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Joachim Faber angekündigt. Eine Verlagerung der Holding-Gesellschaft nach Frankfurt oder die Schaffung von zwei Firmensitzen könnte Insidern zufolge aber erst nach dem Abschluss der Fusion in Angriff genommen werden.

Am Umtauschverhältnis und anderen Eckdaten des Zusammenschlusses will die Deutsche Börse nicht rütteln, wie Vorstandschef Carsten Kengeter am vergangenen Freitag betonte. „Diese Vertragsunterlagen lassen sich nicht verändern.“

Bei der Hauptversammlung der LSE kommende Woche erwarten Insider eine deutliche Zustimmung. Dass im Anschluss auch mindestens 75 Prozent der Deutsche-Börse-Aktionäre grünes Licht geben, sei wahrscheinlich, aber nicht sicher, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Kengeter lege sich ins Zeug und werbe bei vielen Großinvestoren persönlich für die Fusion.

Quelle:  Handelsblatt Online
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