LSE-Zusammenschluss: Deutsche Börse hält Fusion für politisches Signal

LSE-Zusammenschluss: Deutsche Börse hält Fusion für politisches Signal

, aktualisiert 16. Februar 2017, 10:51 Uhr
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Gegen den Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Börse wird derzeit wegen des Verdachts des Insiderhandels ermittelt.

Quelle:Handelsblatt Online

Carsten Kengeter, Chef der Deutschen Börse, glaubt die Fusion mit dem britischen Rivalen LSE bis Juni vollziehen zu können. Staatsanwaltschaftliche Entwicklungen gegen ihn selbst dürften beigelegt werden.

FrankfurtDeutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter glaubt trotz des Streits um den Holding-Sitz an die Zustimmung der Behörden zur geplanten Fusion mit der Londoner Börse LSE. Vor allem der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hatte Bedenken gegen die Fusion verstärkt. Kengeter warb am Donnerstag erneut für die Pläne und stellte sie als mögliches politisches Signal dar: „Die Fusion wäre ein Zeichen für ein geeintes Europa - für Brücken statt Mauern.“

Trotz andauernder Widerstände seid das Unternehmen auf der Zielgeraden. „Inzwischen sind wir in der entscheidenden Phase unseres geplanten Zusammenschlusses angelangt“, sagte Kengeter bei der Bilanzvorlage des Dax-Konzerns in Frankfurt. Es werde sichergestellt, „dass die kombinierte Gruppe sämtliche regulatorischen Anforderungen im Hinblick auf den Vollzug der Transaktion erfüllen wird“, bekräftigte der Manager laut Redetext. „Damit könnte der Zusammenschluss im zweiten Quartal vollzogen werden.“

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Die hessische Landesregierung pocht darauf, dass die fusionierte Börse ihren Sitz in Frankfurt haben soll und nicht wie geplant in London. „Wir haben gut zugehört, was die Verantwortlichen in Hessen gesagt haben“, sagte Kengeter. Die beim Wirtschaftsministerium angesiedelte Börsenaufsicht habe aber unabhängig vom Holding-Sitz den vollen Zugriff auf die Frankfurter Börse.

Ein Abzug der Börse aus Deutschland sei nicht möglich, trat Kengeter Ängsten entgegen. „Die Befürchtungen, der Finanzplatz Frankfurt könne durch den Zusammenschluss an Bedeutung verlieren, verkennen eins: Das größte Risiko für Frankfurt ist, nichts zu tun.“ Die deutsche Bankenmetropole sei im internationalen Vergleich der wichtigsten Finanzplätze in den vergangenen zehn Jahren stark abgerutscht. „Das können wir uns als Standort nicht leisten.“ Mit der Fusion mit der LSE könne die Deutsche Börse ihre Position verbessern.

Bis zum 3. April will die EU-Kommission ihre Prüfung des Fusionsvorhabens abschließen, danach muss auch noch die hessische Börsenaufsicht zustimmen. Für Kritik sorgt am Finanzplatz Frankfurt vor allem, dass die beiden Konzerne London als rechtlichen Sitz des Gemeinschaftsunternehmens vereinbart haben. Bei einem EU-Austritt der Briten (Brexit) wäre damit der Sitz außerhalb der Europäischen Union.

Der Vorstandschef kündigte an, die Deutsche Börse werde in diesem Jahr weitere 400 Stellen schaffen, davon mehr als 300 in Frankfurt. Von den 5200 Mitarbeitern arbeiteten zuletzt mehr als 2200 in Deutschland.

„Insiderhandel widerspricht allem, wofür ich stehe“

Vorwürfe gegen ihn persönlich wegen des Vorwurfs des Insiderhandels hält Kengeter für unbegründet. „Klar ist, dass der im Raum stehende Vorwurf im Interesse integrer Märkte aufzuklären ist“, sagte der Manager laut Redetext. „Die Deutsche Börse und ich persönlich, wir kooperieren vollumfänglich mit dem Staatsanwalt – und ich bin sicher, dass sich die Vorwürfe nach eingehender Prüfung als unbegründet erweisen werden.“

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Kengeter hatte am 14. Dezember 2015 im Rahmen eines Vergütungsprogramms Deutsche-Börse-Anteile im Wert von 4,5 Millionen Euro gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Zehn Wochen später, am 23. Februar 2016, machten Deutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) Fusionsgespräche öffentlich. Die Aktienkurse beider Unternehmen stiegen in der Folge deutlich.

„Die Verdächtigung des Insiderhandels hat mich persönlich sehr getroffen. Insiderhandel widerspricht allem, wofür ich stehe“, sagte Kengeter. „Ich habe den Aktienkauf mit meinem eigenen Geld nicht zu einem selbstgewählten Zeitpunkt getätigt, sondern in einem mir vorgegebenen Zeitrahmen zwischen dem 1. und dem 21. Dezember 2015, den der Aufsichtsrat für die Teilnahme an dem Vergütungsprogramm festgelegt hatte. Danach wurde der Kauf sofort publik gemacht. Die gekauften Anteile haben zudem eine Haltefrist bis Ende 2019.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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