Ludwig Beck: Münchener Nobelkaufhaus vermisst die Russen

Ludwig Beck: Münchener Nobelkaufhaus vermisst die Russen

, aktualisiert 23. März 2016, 12:50 Uhr
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Das Unternehmen zeigt, dass man mit Kaufhäusern in Deutschland Geld verdienen kann.

von Joachim HoferQuelle:Handelsblatt Online

Der Münchener Einkaufstempel Ludwig Beck schlägt sich besser als die großen Kaufhausketten. Das Unternehmen leidet zwar darunter, dass weniger Russen nach Bayern reisen. Der Gewinn schießt trotzdem durch die Decke.

MünchenIm dritten Stock, gleich gegenüber der Rolltreppe, da hängt die Ahnengalerie der Ludwig Beck AG. Ein gutes Dutzend Chefs in 155 Jahren, das zeugt von Beständigkeit. Nicht alle Unternehmensführer aber haben es lange an der Spitze des Münchener Kaufhauses ausgehalten. Anfang der 1990er-Jahre etwa wollten die Bayern ganz Deutschland mit Filialen erobern, eröffneten sogar einen Ableger an der Fifth Avenue in New York – und waren danach fast pleite. Der Ausflug war ein Desaster, die Verantwortlichen verloren ihre Jobs.

Danach hat sich die börsennotierte Aktiengesellschaft fast komplett auf das Münchener Stammhaus konzentriert – und ist gut damit gefahren. Mit einer Marge vor Zinsen und Steuern von fast 14 Prozent im vergangenen Jahr steht Ludwig Beck ausgezeichnet da. Wettbewerber Karstadt schreibt schon seit Jahren Verluste, und der Handelskonzern Metro war vergangenes Jahr himmelfroh, als er seine Tochter Kaufhof endlich loswurde.

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Ludwig Beck zeigt, dass sich mit einem Kaufhaus in Deutschland gutes Geld verdienen lässt. Das Erfolgsrezept allerdings lässt sich schlecht kopieren. Denn ein großer Pluspunkt des Geschäfts ist die günstige Lage am Münchener Marienplatz, direkt gegenüber dem Rathaus und mit unterirdischem Zugang zu U- und S-Bahn. So strömen jeden Tag Tausende Touristen ins Haus.

Darüber hinaus hat das Management in den vergangenen Jahren alle unteren Preislagen rausgeworfen. Und: Die Ware wird regelrecht inszeniert. Dabei beschränkt sich Ludwig Beck am Rathauseck auf einige ausgewählte Sortimente: CDs und Platten, Wäsche, Strümpfe und Socken sowie Düfte und hochwertige Kleidung.

Mit den schwarzen Zahlen der vergangenen Jahre ist bei Ludwig Beck 2015 der Wagemut zurückgekehrt: Im Frühjahr hat das Unternehmen den Filialisten Wormland übernommen, einen bundesweit tätigen Männerausstatter.
Die Akquisition hat das Zahlenwerk gehörig durcheinander gewirbelt, wie der am Dienstag vorgelegte Geschäftsbericht zeigt. So ist der Umsatz des Konzerns um mehr als 50 Millionen Euro auf knapp 159 Millionen Euro in die Höhe geschossen. Ohne die Neuerwerbung hätte Ludwig Beck lediglich ein mageres Plus von gut einem Prozent ausweisen können.

Doch Vorstand Dieter Münch nennt einen guten Grund, warum es nicht kräftiger aufwärts ging: „Wir hatten erneut 40 Prozent weniger Umsatz mit russischen Kunden“, sagte der Manager in München. Hätten die Russen gleich viel wie im Vorjahr ausgegeben, wären die Einnahmen stärker gestiegen, versicherte Münch. Schon 2014 verzeichnete das Nobelkaufhaus weniger Gäste aus dem Osten. Die verzichten vor allem wegen der Abwertung des russischen Rubel auf Reisen ins Ausland. Dass etwas mehr Besucher aus der Schweiz kamen und auch die zahlungskräftige Klientel aus den Golfstaaten munter bei Ludwig Beck einkaufte – den Schwund aus Osteuropa konnte das nicht ausgleichen. Insgesamt sind rund ein Drittel aller Besucher Touristen.


„Das ist ein Rohdiamant, der geschliffen werden muss“

Der Gewinn hat sich im vergangenen Jahr trotzdem auf gut 15 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Auch das liegt an der Akquisition von Wormland. Die Kette mit ihren 15 Filialen schreibt zwar rote Zahlen. Doch Bewertungseffekte sorgen dafür, dass der Gewinn von Ludwig Beck erst einmal gestiegen ist. In diesem und im kommenden Jahr hingegen würden die Verluste den Überschuss drücken, so Münch. Erst 2018 werde die Herrenmodekette die Gewinnschwelle erreichen.

Dass es Ludwig Beck so gut geht, macht vor allem dem Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl Freude. Zwar zählt die AG 2200 Investoren. Der ehemalige Eigentümer der Fluggesellschaften dba und LTU hält jedoch fast drei Viertel der Anteile und kassiert dieses Jahr rund zwei Millionen Euro Dividende.

In den kommenden zwei Jahren gebe es noch viel umzubauen bei Wormland, erläuterte Münch. Am Personal werde zwar nicht gespart. Die gut 300 Mitarbeiter des Hannoveraner Filialisten müssten jedoch ein ähnliches Kostenbewusstsein wie die Ludwig-Beck-Beschäftigten entwickeln. Zudem gelte es, einige defizitäre Läden in die schwarzen Zahlen zu bringen.

Experten meinen freilich, dass Ludwig Beck sein Potenzial selbst im Stammhaus nicht ausgeschöpft habe. „Das ist ein Rohdiamant, der geschliffen werden muss“, erklärt Unternehmensberater Franz Schmid-Preissler. Einzelne Bereiche wie die Musik, die Strümpfe und die Wäsche seien zwar unverwechselbar. Auch mit einem eigenen Laden für Knöpfe und Reißverschlüsse seien die Münchener einzigartig. Das gelte aber nicht für die Textilien. Da biete Ludwig Beck viele Marken an, die auch im Rest der Münchener Innenstadt zu bekommen seien. Zudem fehle Ludwig Beck eine zugkräftige Eigenmarke, wie sie Konkurrenten wie Hirmer oder Lodenfrey pflegten. Die gibt es, doch sie ist eher versteckt.

Im laufenden Jahr soll der Umsatz auf bis zu 190 Millionen Euro klettern. Erstmals ist Wormland volle zwölf Monate mit dabei, das sorgt für einen weiteren kräftigen Satz. Vorstand Münch glaubt aber auch, dass er am Marienplatz noch einiges herausholen kann. Im Herbst hat der Unternehmenslenker die Kunden gefragt, was ihnen nicht gefällt. Ein Ergebnis lässt sich jetzt überall auf den fünf Etagen begutachten: An jeder Ecke hat Münch Sitzgelegenheiten geschaffen, insgesamt 50.000 Euro hat er sich das kosten lassen. „Die Plätze waren gleich gut belegt“, hat der Manager zufrieden registriert. Wie sich das Sitzverhalten auf die Kasseneinnahmen auswirkt, wird sich im nächsten Jahresabschluss zeigen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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