Luftfahrtlobby: Verbändesalat über den Wolken

Luftfahrtlobby: Verbändesalat über den Wolken

, aktualisiert 02. Mai 2016, 19:50 Uhr
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Trotz aller Gegensätze gibt es nun einen gemeinsamen Verband von Billig- und etablierten Airlines.

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Die europäische Luftfahrtindustrie sortiert ihre Lobbyarbeit neu. Mit der Umstrukturierung geht auch eine Neuausrichtung der Kommunikation einher. Der brandneue Verband A4E wird zunehmend mächtiger.

FrankfurtMachen viele Stimmen stark? Die europäische Luftfahrt-Industrie verfuhr bislang jedenfalls nach diesem Motto. Die etablierten Netzairlines wie Lufthansa, Air France-KLM oder IAG haben einen eigenen Verband, die Billig-Anbieter wie Ryanair, Easyjet oder Norwegian ebenfalls. Und die Hersteller wiederum sind mit ihrem ASD präsent.

Doch seit einiger Zeit ist ein Stimmungsumschwung erkennbar. Lieber mit einer Stimme sprechen – das scheint die neue Leitlinie zumindest bei den Airlines zu sein. Am deutlichsten ist das an dem zu Jahresbeginn neu gegründeten Verband Airlines for Europe oder kurz A4E zu erkennen. Er ist innerhalb weniger Monate zur mächtigsten Stimme der europäischen Fluggesellschaften geworden – spricht für 500 Millionen beförderte Passagiere, mehr als die Hälfte aller Flugreisen in Europa, 2300 Flugzeuge und umgerechnet 93 Milliarden Euro Jahresumsatz.

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In der vergangenen Woche stieß die spanische Billig-Airline Volotea zu A4A. Damit sind fast alle Billig-Anbieter in Europa Mitglied des neuen Verbandes, der zugleich für die etablierten Fluggesellschaften Lufthansa, Air France-KLM und IAG (British Airways und Iberia) spricht. Außerdem ist mit Jet2.com auch eine Ferienfluggesellschaft unter den Mitgliedern.

Mit der Neusortierung auf Verbandsebene geht auch eine Neuausrichtung der Kommunikation einher. Bislang war es Usus, dass sich die Verbände zu allen möglichen aktuellen Themen äußern. Die neue Interessensvertretung A4E dagegen hat sich einige wenige zentrale Themen zum Fokus gemacht, die alle Airline-Manager „um ihren Schlaf bringen“, wie es Thomas Reynaert, der Managing Director von A4E, formuliert.

Es sind die Themen, bei denen der größte gemeinsame Nenner besteht: Flughafengebühren, Luftsicherheitsgebühren und die Ineffizienzen in der Luftfahrt, verursacht etwa durch Streiks. Sie sollen wieder und wieder und damit mit mehr Nachhaltigkeit adressiert werden. Um das zu erreichen, nutzt der Verband viel stärker als die etablierten Interessensvertretungen die Stimmen der CEOs der Mitglieder. Reynaert bezeichnet A4E denn auch als CEO-getrieben. Einen klassischen Verbands-Präsidenten gibt es hier nicht.

Spannend wird nun zu beobachten sein, was aus den bisherigen Verbänden wird. So fokussiert und mächtig A4E auch ist, es gibt doch noch einige Themen, die der neue Verband – noch – nicht adressiert. Dazu zählen etwa die Passagierrechte oder auch die ganze Debatte um Umweltverschmutzung durch den Luftverkehr. Grundsätzlich gibt es also Potential für weitere Verbände. Doch werden sie auch weiterhin die dafür notwendige Unterstützung der Mitglieder bekommen, die dann zwei Verbände finanzieren müssen?

Gerade vor diesem Hintergrund ist der jüngste Beitritt von Volotea spannend. Denn der bisherige Low-Cost-Verband ELFAA hat damit nur noch ein Mitglied, das nicht der A4E beigetreten ist: die ungarische Wizz Air. Schon wird in der Branche spekuliert, dass auch Wizz bald wechselt. Was dann aus ELFAA werden wird, ist offen. In der Branche wird eine Auflösung nicht ausgeschlossen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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