Lufthansa-Hauptversammlung: Der traurige Kranich

Lufthansa-Hauptversammlung: Der traurige Kranich

, aktualisiert 28. April 2016, 13:23 Uhr
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Die Lufthansa streitet weiterhin mit den eigenen Piloten. Das ärgert die Aktionäre.

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Der Druck auf Lufthansa-Chef Carsten Spohr wächst, sich endlich mit dem fliegenden Personal zu einigen. Der Streit mit den Piloten wird auch auf der Hauptversammlung der Fluggesellschaft kontrovers diskutiert.

FrankfurtAuch mehr als ein Jahr nach dem vom Copiloten absichtlich herbeigeführten Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ist das Unglück im Lufthansa-Konzern immer noch präsent. Auch bei der Hauptversammlung. Vor dem Congress Center in Hamburg wehen wie im Vorjahr dunkle Lufthansa-Flaggen, nicht die üblichen gelben. Und drinnen gibt es kaum einen Redner, der nicht mit dem schrecklichen Ereignis, das 150 Menschenleben kostete, in seine Ausführungen einsteigt.

„Wie kann man ein Jahr einordnen, das so unendlich traurig war?“, fragte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in die Runde der Aktionäre. Einmal mehr sei der Lufthansa schmerzlich vor Augen geführt worden, „wie hoch die Verantwortung ist, die wir tagtäglich für 300.000 Passagiere und Crews tragen“.

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Doch trotz der kaum vorstellbaren Katastrophe hatten die anreisenden Aktionäre auch zahlreiche Fragen zum täglichen Geschäft von Europas größter Fluggesellschaft mit nach Hamburg gebracht. Ein zentrales Thema: der mittlerweile seit vier Jahren tobende Tarifkonflikt mit dem fliegenden Personal über eine Reform der Altersversorgung. „Eine Lösung des Konflikts ist für Lufthansa sehr wichtig, Herr Spohr“, schrieb Dirk Unrau von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem Vorstandschef ins Stammbuch.

Der versprach, neue Tarifverträge mit Piloten und den Flugbegleitern noch in diesem Jahr erreichen zu wollen. unter Dach und Fach bringen. Aber er stellte sich auch klar hinter das Streikrecht. „Arbeitnehmerrechte und damit auch das Streikrecht sind Teil unseres demokratischen Systems. Darauf sind wir hier in Deutschland zu Recht sehr stolz“, sagte Spohr: „Und unsere Mitarbeiter sind und bleiben dabei Teil der Lösung und nicht Teil des Problems.“

Während die Gespräche mit dem Kabinenpersonal über eine Neuregelung der Altersversorgung derzeit wie geplant laufen, hatte es in der Auseinandersetzung mit den Piloten zuletzt wieder nach Eskalation aus-gesehen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte einen Vorschlag des Managements brüsk abgelehnt und mit Streiks gedroht. Doch aktuell spricht man wieder. „Es sind weitere Termine im Mai vereinbart“, sagte Spohr. „Bleiben Sie hart, Herr Spohr. Wer im knallharten globalen Wettbewerb der Luftfahrt auf dem Status quo beharrt, hat schon verloren“, forderte Ingo Speich, Portfoliomanager von Union Investment.

Das gilt für Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) umso mehr, als Lufthansa seiner Meinung nach bei zentralen Themen nicht wirklich vorangekommen ist. „Strukturell haben so viel noch nicht getan“, mahnte er mit Blick auf Sondereffekte wie der niedrige Treibstoffpreis, die das gute Ergebnis der „Hansa“ im letzten Jahr stark getrieben haben. Ohne diese Effekte waren die Stückkosten 2015 sogar gestiegen statt zu sinken. „Die Erlösqualität kann sich nächsten Jahr schon wieder gegen uns wenden“, so Neumann. „Wir erwarten im laufenden Jahr sinkende Stückkosten – ohne Währung- und Kerosineffekt“, versprach Spohr.


Gewerkschaft kritisiert Erhöhung der Vorstandsgehälter

Im Zusammenhang mit der Debatte über den Tarifkonflikt auch die Gehaltserhöhung zur Sprache, die der Aufsichtsrat dem Management Ende des vergangenen Jahrs genehmigt hat. So bekommt Spohr rund 300000 Euro mehr. Der Vorstandschef lag 2015 mit einem Gesamtvergütung von knapp 3,2 Millionen Euro im unteren Mittelfeld der Chefs von Dax-Konzernen. Doch einige Aktionärsverträge verlangten bei solchen Entscheidungen eine engere Anbindung an noch offenen Tarifverträge.

„Das haben wir getan“, konterte Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber. So habe man sich die Tariferhöhungen des Personal der letzten Jahre angeschaut. „Die beschlossene Erhöhung der Vorstandsvergütung entspricht dem“, sagte Mayrhuber. Seit 2011 habe es für das Top-Management keine Anhebung des Salärs gegeben.

Angesichts der Debatte sah sich Jens-Ulrich Stark von der Flugbegleitergewerkschaft UFO genötigt, seine Version der Situation darzustellen, mit deutlichen Worten. Er warf dem Management in den vergangenen Jahren massive Fehlentscheidungen und ineffiziente Strukturen in der Verwaltung vor. „Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass sie Sparmaßnahmen nur beim Personal suchen. Gleichzeitig haben Sie sich selbst in den letzten sieben Jahren Gehaltserhöhungen von 40 Prozent gegönnt.“

„Der Tarifkonflikt zermürbt Passagiere und Mitarbeiter“, mahnte Stark. Die Stimmung der Belegschaft sei katastrophal, die Krankmeldungen hätten zweistellige Quoten erreicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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