Lufthansa mit Verlust: Spohr fliegt weiter im roten Bereich

Lufthansa mit Verlust: Spohr fliegt weiter im roten Bereich

, aktualisiert 03. Mai 2016, 07:55 Uhr
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Noch immer sind die Kosten im Kerngeschäft zu hoch.

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Die Lufthansa hat im ersten Quartal ihren Verlust zwar deutlich verringern können. Doch Analysten hatten von Konzernchef Spohr mehr erwartet. Die niedrigen Treibstoffpreise überdecken die viele Probleme bei der Airline.

FrankfurtDie Lufthansa hat zum Jahresstart wegen guter Geschäfte in der Passagiersparte und niedrigerer Treibstoffkosten den operativen Verlust deutlich eingedämmt. Der Betriebsverlust (bereinigtes Ebit) habe in den ersten drei Monaten 53 Millionen Euro betragen nach einem Fehlbetrag von 167 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie die Lufthansa am Dienstag mitteilte.

Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Minus von 37,6 Millionen Euro gerechnet.

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Das erste Quartal ist traditionell ein reiseschwaches Vierteljahr, in dem viele Fluggesellschaften rote Zahlen schreiben. Allerdings gibt es Ausnahmen. So konnte der Rivale IAG (British Airways und Iberia) am vergangenen Freitag mit schwarzen Zahlen glänzen. Er erzielte ein operatives Ergebnis von 155 Millionen Euro, nach 25 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

An der Prognose für das Gesamtjahr hält Konzernchef Carsten Spohr fest: Der Betriebsgewinn werde den Vorjahreswert von 1,8 Milliarden Euro „leicht“ übersteigen.

Die Lufthansa profitiert weiter von den niedrigen Treibstoffpreisen. Sie haben der nach Passagierzahl und Umsatz größten europäischen Fluggesellschaft im vergangenen Jahr rund eine Milliarde an Kosten erspart. Für das laufende Jahr rechnet das Lufthansa-Management mit Einsparungen durch günstiges Kerosin in ähnlicher Größenordnung.

Doch die Entlastung verdeckt Probleme, mit denen Lufthansa nach wie vor kämpft. In der Kernmarke, intern Lufthansa Klassik genannt, sind die Kosten immer noch zu hoch. Das hatten auch die Anteilseigner der „Hansa“ auf der Hauptversammlung in der vergangenen Woche moniert. „Strukturell haben Sie so viel noch nicht getan“, mahnte Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).


Piloten-Konflikt steht auf Messers Schneide

Eine der zentralen Baustellen sind dabei die seit vier Jahren offenen Tarifverträge mit dem fliegenden Personal über die künftige Altersversorgung. Lufthansa muss angesichts der Niedrigzinsen immer mehr Geld für die Pensionsansprüche zurücklegen und will das Zinsrisiko stärker auf die Mitarbeiter übertragen. Dagegen wehren sich diese jedoch. Im Hintergrund spielt dabei auch die künftige Bedeutung des Konzerntarifvertrages eine Rolle, der die bisher recht komfortablen Tarifbedingungen für Piloten und Crew regelt. Lufthansa möchte ihn beschränken oder reformieren, die Gewerkschaften verteidigen ihn.

Vor allem der Konflikt mit Piloten steht derzeit auf Messers Schneide. Zwar gibt es im laufenden Monat noch Gesprächstermine, doch die Verhandlungen sind schwierig. Beide Seiten fürchten einen Gesichtsverlust. Und der Druck auf Lufthansa-Chef Carsten Spohr ist groß: „Bleiben Sie hart, Herr Spohr. Wer im knallharten globalen Wettbewerb der Luftfahrt auf dem Status quo beharrt, hat schon verloren“, forderte Ingo Speich, Portfoliomanager von Union Investment, letzte Woche auf der Hauptversammlung.

Doch die Personalkosten sind nicht das einzige Sorgenkind des Konzerns. Auch die allgemeinen administrativen Kosten sind noch zu hoch. Lufthansa ist zu komplex, zu langsam geworden. Spohr will das mit einer neuen Struktur ändern, bei der die einzelnen Premium-Airlines wie AUA, Swiss und Lufthansa Klassik enger in zentralen Bereichen zusammenarbeiten. Dadurch will der Lufthansa-Chef künftig 500 Millionen Euro im Jahr einsparen.

Mit Material von Reuters.

Quelle:  Handelsblatt Online
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