Lufthansa-Tochter Airplus: Keine Warterei mehr auf die Rechnung

Lufthansa-Tochter Airplus: Keine Warterei mehr auf die Rechnung

, aktualisiert 01. März 2016, 13:55 Uhr
Bild vergrößern

Immer mehr Bars und Restaurants setzten auf Tablet-Bezahlsysteme.

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

„Die Rechnung bitte“ – dieser Satz könnte überflüssig werden. Die Lufthansa-Tochter Airplus will das Bezahlen unsichtbar machen. Die Rechnung kommt nach dem Bestellen direkt aufs Smartphone, mit dem auch bezahlt wird.

FrankfurtDie Debatte über die Abschaffung des Bargelds überrascht Patrick W. Diemer nicht. „Die Kunden wollen es möglichst bequem haben, im Restaurant, im Taxi, beim Einkaufen. Und dazu zählt nun mal auch das Bezahlen.“ Warten, bis der Kellner zum Kassieren kommt, das passt nach Ansicht des Chefs von Airplus nicht mehr in die digitale Welt. Deshalb soll das bald Vergangenheit sein – zumindest bei Geschäftsreisen.

Airplus, der Dienstleister für Firmenreisen gehört zur Lufthansa Gruppe, hat dazu eine Partnerschaft mit Orderbird geschlossen. Das Berliner Start-up ist auf iPad-Kassensysteme spezialisiert. Die in zahlreichen gastronomischen Betrieben eingesetzten Registrierkassen oder modernere Systeme werden dabei durch ein komplett vernetztes iPad ersetzt, auf dem alle Bestellungen und Abrechnungen gesteuert werden können. Eine direkte Verbindung zum Gast hat dieses System aber bislang noch nicht. Das übernimmt nun Airplus.

Anzeige

Betritt ein Gast zum Beispiel ein Restaurant, verbindet sich sein Smartphone umgehend per Wlan mit dem Kassensystem von Orderbird. Bestellt wird zwar weiterhin persönlich beim Kellner. Sobald der die Wünsche aber in das iPad eingegeben hat, erscheint die Bestellung auch auf dem Smartphone des Gastes. Letztgenannter kann die am Ende des Restaurantbesuchs einfach per Knopfdruck begleichen. Der Betrag wird von seiner Firmenkreditkarte abgebucht, die in einer entsprechenden App von Airplus auf dem Smartphone hinterlegt ist. „Wir testen das System derzeit in einem Pilotversuch“, sagt Diemer. So nutzen die ersten der rund 5000 Restaurants, Cafés, Bars und auch Eisdielen, die zu den Kunden von Orderbird gehören, die neuen Möglichkeiten. Die Resonanz sei bislang sehr gut, sagt Diemer.

„Wir wollen das Bezahlen unsichtbar machen“, beschreibt der Airplus-Chef seine Vision. Die Zusammenarbeit mit Orderbird soll dabei nur der Anfang sein. „Solche Lösungen sind natürlich auch für das Taxi, das Einkaufen und viele andere Bereiche denkbar“, so Diemer. Der Bedarf, da ist sich der Manager sicher, besteht: „Die Kunden müssen weder Bargeld noch Kreditkarte aus ihrem Portemonnaie ziehen. Das Smartphone hat eh jeder stets griffbereit.“

Die Experten der Beratungsgesellschaft Arthur D Little bestätigen diese Einschätzung. Zwar sei das mobile Bezahlen bislang vor allem durch Schwellenländer angetrieben worden – nicht zuletzt wegen der dort mangelhaften Finanzinfrastruktur. Doch nun stünde diese Technologie auch in den entwickelten Ländern vor dem Wendepunkt, heißt es in einer aktuellen Studie. „Hauptgründe sind die Reife der Technologie, der hohe Ausstattungsgrad mit Geräten sowie die Aufmerksamkeit für solche Services“, schreiben die Autoren.


43.000 Firmenkunden in 70 Ländern

Airplus will von diesem Kuchen eine ordentliche Portion abhaben. Um seine Vision zu realisieren, setzt Diemer auf eigene Expertise: „Wir haben ein eigenes Forschungs- und Entwicklungsteam“, sagt der Manager: „Anders als im klassischen Produktmanagement können die Kollegen hier innovative Ideen durchdenken, die auf den ersten Blick nicht direkt zu unserem Kerngeschäft als Finanzdienstleister passen.“ Dabei würden zwei Aspekte eine wichtige Rolle spielen: die Methodik des „Vision Prototyping“ – also der frühzeitige Bau und das Testen von Prototypen – und die aktive Zusammenarbeit mit Partnern.

Zum anderen kann sich Diemer auch weitere Partnerschaften mit Jungunternehmen vorstellen. „Wir müssen schauen, was sich genau für ein Geschäftsmodell aus der Zusammenarbeit mit Orderbird am Ende entwickelt. Aber wir sind grundsätzlich offen für weitere Kooperationen dieser Art.“ Gerade im Bereich Finanzen würden derzeit ja jede Menge neuer Ideen und Start-ups geboren. Für die sei Airplus ein idealer Partner, glaubt Diemer. „Wir haben 43.000 Firmenkunden in 70 Ländern. Das ist für Fintechs sehr attraktiv.“

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%