Lufthansa und digitales Reisen: Mit der App in die Business-Lounge

Lufthansa und digitales Reisen: Mit der App in die Business-Lounge

, aktualisiert 13. März 2016, 14:14 Uhr
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„Millennials erwarten solche neuen Dienste einfach.“

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Die Lufthansa testet in München neue lokale Dienste. Fast jeder arbeitet in der Luftfahrt mittlerweile an solchen digitalen Services. Was auf der Touristik-Messe ITB vorgestellt wird.

BerlinWer als Lufthansa-Fluggast künftig in München startet oder landet, sollte nicht überrascht sein, wenn er auf seinem Smartphone plötzlich eine kleine Nachricht seiner Airline findet. Für 25 Euro wird ihm ein Zugang zu einer Business-Lounge angeboten, die um die Ecke liegt.

Es ist ein erster Versuch mit so genannten iBeacons, den Europas größte Fluggesellschaft nun gestartet hat. Diese in Gebäuden verteilten kleinen Sender werden von Smartphones in der Nähe erfasst, der Nutzer identifiziert, und es können ihm lokale Angebote und Tipps unterbreitet werden. „Das geschieht natürlich nur, wenn der Kunde nicht sowieso schon die Berechtigung für die Lounge hat und wenn dort noch genügend Platz zur Verfügung steht“, sagt Jens Bischof, der für den Vertrieb zuständige Manager von Lufthansa. Der Lounge-Zugang sei nur der Auftakt, es würden viele weitere Services dazukommen.

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Lufthansa setzt damit auf einen Trend, der nach Ansicht von Experten unaufhaltsam ist. „47 Prozent der über unsere Systeme gebuchten Reisen kommen mittlerweile von Millennials“, sagt Greg Webb, Vice Chairman von Sabre. Gemeint sind Menschen, die mit digitalen Endgeräten aufwachsen. „Diese Kunden erwarten solche neuen Dienste einfach“, sagt Webb. Sabre ist auf Technologie und Dienstleistungen für die Reisewelt konzentriert und zählt mit Amadeus und Travelport zu den weltweit führenden Anbietern.

Die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, scheinen fast unbegrenzt. Webb denkt dabei etwa an die neuen Brillen für virtuelle Realität: „Mit diesen kann man vor der Reise-Buchung das Land oder die Stadt digital erkunden und sich spannende Ziele raussuchen.“ Dass die Menschen deshalb weniger reisen, fürchtet er nicht: „Die Reiselust wird dadurch eher noch gesteigert“, glaubt der Manager.

Häufig sind es kleine Ideen, die aber im Alltag der Reisenden große Erleichterungen bringen. So können Lufthansa-Kunden ihr Gepäck seit kurzem „digital“ verfolgen – über die Lufthansa-App. Sie meldet etwa, ob der Koffer schon an Bord ist oder wann genau das Gepäckband diesen ausspucken wird. „Wir bieten das derzeit in Frankfurt, Stuttgart und Mailand an, bauen das aber sukzessive aus“, sagt Manager Bischof.

Der Koffer-Hersteller Rimowa hat zudem einen digitalen Anhänger in sein Gepäck integriert. Damit kann der Lufthansa-Passagier seinen Koffer per App schon zu Hause einchecken. Alle wichtigen Informationen sind auf dem Display am Koffer sichtbar, und er muss beim Abflug nur auf das „Drop-Off-Band“ gestellt werden.

Auch der Flughafenbetreiber Fraport ist kräftig dabei, mit digitaler Hilfe neue Dienste für die Passagiere zu entwickeln.


Flughafen mit Lieferdienst

Dazu zählt etwa die Navigation innerhalb des Terminals, also dort, wo Dienste wie Google Maps aufgeben. Gleichzeitig wird dabei zum Beispiel auf die Einkaufsmöglichkeiten aufmerksam gemacht – offensichtlich mit Erfolg. „Ein Fluggast aus dem Ausland hat neulich am Flughafen per App ein Kilo Kaviar gekauft, das dann vorkonfektioniert wurde, so dass er die Ware nur noch am Gate mitnehmen musste“, berichtet Stefan Schulte, Fraport-Vorstandschef.

Ab Mitte des Jahres startet Fraport zudem einen Lieferdienst nach Hause. Zusammen mit Lufthansa arbeitet der Flughafenbetreiber auch an neuen Einkaufsmöglichkeiten während des Fluges. Der Kunde kann über das Internet an Bord bestellen, die Waren kriegt er dann am Gate ausgehändigt. „Vielleicht muss eine Airline irgendwann keine Wägelchen mehr mit Waren mitnehmen, das spart dadurch Platz und Gewicht, also Treibstoff“, sagt Schulte.

Doch so gut die Ideen auch sind, die Digitalisierung ist nicht ohne Tücken. Um all die Ideen umzusetzen, sind jede Menge Daten über die Reisenden erforderlich. Abgesehen von der Frage, ob die Unternehmen diese von ihren Kunden bekommen und nutzen können, gibt es ein weiteres zentrales Problem: Wer hat die Daten, und wem gehören sie? Bei der Abwicklung einer Reise sind zahlreiche Unternehmen beteiligt: Reisemittler, Agenten, Airlines, Mietwagenanbieter, Hotels – sie alle suchen den direkten Kontakt mit den Kunden, wollen also seine Daten.

Das sorgt für Streit. Lufthansa etwa will deutlich mehr Flüge direkt über die eigene Webseite verkaufen und hat sich deshalb im vergangenen Sommer mit den so genannten Reservierungsspezialisten wie Amadeus angelegt, die das als Angriff auf ihr eigenes Geschäftsmodell sehen. Man sei in Gesprächen, diese seien durchaus konstruktiv, aber die Sache sei nicht einfach, räumt Lufthansa-Manager Bischof ein – und stellt gleichzeitig klar: „Wir machen das aber nicht, um einfach nur selbst mehr Tickets zu verkaufen. Wir wollen, dass unsere Angebote differenzierter dargestellt werden und wir personalisierte Dienste anbieten können.“

Sabre-Manager Webb glaubt allerdings nicht daran, dass es möglich ist, alle Daten für sich zu beanspruchen. „In der stark vernetzten Reisewelt ist es schlicht nicht möglich, eine Grenze um die Daten zu ziehen. Es ist ein Ökosystem, in dem man zusammenarbeiten muss.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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