Lukratives Investment: Luxus lohnt sich wieder

Lukratives Investment: Luxus lohnt sich wieder

, aktualisiert 08. September 2015, 14:58 Uhr
Bild vergrößern

Eine Yacht im Hafen von Fort Lauderdale in Miami: Luxus-Aktien haben wieder ein Niveau erreicht, bei dem sich ein Kauf lohnen könnte.

von Matthias von ArnimQuelle:Handelsblatt Online

China ist mittlerweile ein wichtiger Markt für Luxusgüter. Die Abwertung des chinesischen Yuan war für Unternehmen wie LVMH, Richemont und Co. allerdings ein Schuss vor den Bug. Doch die niedrigen Kurse bieten Chancen.

Das Jahr hatte für die Hersteller von Luxusgütern eigentlich sehr gut begonnen. Die Halbjahres-Bilanz beispielsweise von LVMH, dem Größten unter den Großen, wenn es um edle Handtaschen, Schuhe, Schmuck und teure Mode geht, las sich wie eine Einladung, LVMH-Aktien zu kaufen: Der französische Konzern vermeldete Anfang August eine Umsatzsteigerung von fast 20 Prozent für die ersten sechs Monate des Jahres auf 16,7 Milliarden Euro. Die LVMH-Halbjahresbilanz wies unter dem Strich einen Reingewinn von 1,58 Milliarden Euro aus. Das sind immerhin fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch der direkte Konkurrent Kering, zu dem Marken wie Gucci und Brioni gehören, steigerte seinen Umsatz im ersten Halbjahr um rund 17 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Insbesondere die Luxusmarken Saint Laurent (+38%) und Bottega Veneta (+23%) beschertem dem Luxuskonzern-Konglomerat Kering hohe Umsatzgewinne. Auch Hugo Boss meldete Ende des zweiten Quartals einen Umsatzsprung um 16 Prozent auf 647,1 Millionen Euro. Netto blieben 70,7 Millionen Euro als Gewinn übrig und damit 13 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Anzeige

Der Konzern peilt im Gesamtjahr währungsbereinigt ein Umsatzplus im mittleren einstelligen Bereich an. Mittlerweile müsste es wohl eher heißen: Peilte. Denn für die Prognosen von Hugo Boss gilt ebenso wie für die oben genannten und fast alle anderen Luxushersteller: Die Manager haben ihre Halbjahresbilanzen Anfang August vorgelegt – nur wenige Tage, bevor die chinesische Zentralbank die eigene Währung, den Yuan, um fast zwei Prozent abwertete. Kurz darauf erfolgte eine weitere Abwertung. Seitdem ist die Welt der schönen und teuren Produkte eine andere.

Hintergrund: Die Abwertung des Yuan macht teure Import-Luxuswaren aus Europa für Chinesen nun noch teurer. Für Multimillionäre mag das vielleicht kein Problem sein. Doch Chinesen aus der aufstrebenden Mittelschicht wurden zuletzt auch dadurch getroffen, dass ihre Börseninvestments ins Trudeln gerieten. Viele private chinesische Investoren haben im August in Euro umgerechnet fünf- bis sechsstellige Summen verloren, die nicht selten sogar auf Kredit finanziert waren. Für die Luxus-Industrie fallen diese Anleger als Käufer erst einmal aus.

Das Problem für die Luxus-Marken: Asien und insbesondere China ist für sie mittlerweile der wachstumsstärkste Markt. Angaben der schweizerischen Uhrenindustrie zufolge geht rund ein Drittel der Uhrenexporte nach China. „Die Chinesen holen jahrzehntelangen Konsumverzicht in hohem Tempo nach“, erklärt Wolfgang Köbler von der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg.

Etliche Analysten fürchten nun, die jüngsten Entwicklungen an den Devisen- und Aktienmärkten könnten der Wachstumsgeschichte der Luxusbranche einen Dämpfer bescheren. „Die Prognosen von Zuwächsen von fünf bis acht Prozent fürs laufende Jahr werden von vielen Luxusgüter-Konzernen angesichts der jüngsten Entwicklungen kaum zu halten sein“, sagt Wolfgang Köbler. Die Märkte reagierten bereits entsprechend: Die Aktien europäischer Luxus-Konzerne sind nach Bekanntgabe der Yuan-Entscheidung der chinesischen Zentralbank in der vergangenen Woche zwischen sieben und zehn Prozent eingebrochen.


Das große Missverständnis um die Yuan-Abwertung

Würde die chinesische Zentralbank den Yuan in den kommenden Monaten weiter abwerten, könnte das die Luxusgüter-Branche tatsächlich empfindlich treffen. Die europäischen Hersteller würden wohl die Preise für ihre Produkte in China senken und Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Doch die lauten Stimmen, die nach der jüngsten Yuan-Abwertung einen langfristigen Abwertungswettlauf des Yuan mit dem Euro, dem Yen und dem US-Dollar heraufbeschworen haben, könnten sich irren.

„Die chinesische Regierung hat kein Interesse an einem Währungskrieg“, sagt Vermögensverwalter Thomas Wüst von der Valorvest in Stuttgart. Mit ihrer jüngsten Maßnahme sei die People's Bank of China nur einer Forderung des Internationalen Währungsfonds nachgekommen. „Um in den Währungskorb für Sonderziehungsrechte zu gelangen, hat der IWF China aufgefordert, seine Währungspolitik zu liberalisieren. Das ist nun geschehen. Mehr ist eigentlich gar nicht passiert“, so Wüst.

Hintergrund: Das Sonderziehungsrecht ist eine künstliche Währung, die international als Zahlungsmittel verwendet wird. Sie wird an den Devisenmärkten nicht gehandelt. Die Wechselkurse zu den einzelnen Währungen werden vom IWF festgesetzt. Voraussetzung dafür, dass ein Land auf IWF-Konten Sonderziehungsrechte buchen kann, ist seine frei handelbare Währung.

„China will den Yuan in Zukunft international als wichtige Handelswährung und Weltreservewährung etablieren. Deshalb ist für die Bank of China die Liberalisierung ihres Devisenhandels und die Aufnahme des Yuan in den Währungskorb für das Sonderziehungsrecht beim IWF so wichtig“, erklärt Wüst.

Dass mit diesem Schritt eine Abwertung des Yuan erfolgt ist, spiele der chinesischen Wirtschaft zwar kurzfristig in die Hände. „Die Regierung in Peking weiß jedoch um die Nachteile einer schwachen Währung. China importiert Rohstoffe und hochwertige Konsumgüter in erheblichem Umfang. Mit einem längerfristigen Verfall des Außenwertes des Yuan würde China Inflation importieren, was sich negativ auf die Binnennachfrage auswirken würde. Deshalb wird sie solch eine Entwicklung nicht zulassen“, so Wüst.


Niedrige Kurse bieten Chancen

Die aktuelle Kursbereinigung bei Luxusgüter-Aktien spiegelt vor allem die Angst vieler Anleger wider, dass der Yuan weiter abwerten und der chinesische Absatzmarkt für Luxusgüter weiter einbrechen könnte. Diese Angst ist zwar nachvollziehbar. Doch wie immer, wenn die Angst regiert, gibt es Übertreibungen nach unten. Die Kursrückgänge bieten Anlegern deshalb Chancen: Die zum Teil sehr sportlichen Bewertungen von Luxus-Titeln sind bei der einen oder anderen Aktie realistischeren Kursen gewichen, die wieder Luft nach oben haben. Gezieltes Stockpicking kann sich also lohnen.

Ein Beispiel für einen aussichtsreichen Luxuswert ist Kering. Nach einem Kursrückgang von rund sieben Prozent weist das Unternehmen noch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut zwölf für das Jahr 2015 aus. Zum Vergleich: Der Luxusgüter-Konzern Hermès International, dessen Produktportfolio weniger diversifiziert und damit sogar anfälliger für Marktschwankungen ist, wird aktuell trotz der jüngsten Kursturbulenzen immer noch mit einem KGV von 32 bewertet.

Im direkten Vergleich ist Kering günstig. Wem die Aktie noch nicht preiswert genug ist, kann auf ein Discountzertifikat von der Commerzbank ausweichen (WKN CR5VLA). Das Papier läuft noch bis 24. Dezember 2015. Notiert die Aktie am Bewertungstag, dem 17. Dezember, nicht unter 160 Euro, winkt unter dem Weihnachtsbaum eine Rendite von 2,3 Prozent. Das entspricht nach nur drei Monaten Restlaufzeit einer Jahresrendite von mehr als sieben Prozent.

Ein weiterer aussichtsreicher Wert ist der dänische Schmuckproduzent Pandora. Das Unternehmen bewegt sich nicht nur im Hochpreissegment, sondern verdient vor allem vom weltweiten Verkauf handgefertigter Schmuckstücke, die es überwiegend in Thailand produzieren lässt. Seit dem vergangenen Jahr arbeiten die Dänen mit dem US-Konzern Walt Disney zusammen. Die Kooperation trägt bereits Früchte. Zwischen 2012 und 2014 legte der Gewinn je Aktie im Durchschnitt jeweils um zwei Drittel zu. Im laufenden und kommenden Jahr wird Pandora diese Dynamik wohl halten können.

Obwohl der Börsenwert des Unternehmens in den zurückliegenden zwei Jahren bereits um 250 Prozent gestiegen ist, hat der Aktienkurs während der Turbulenzen der vergangenen Wochen relativ wenig nachgegeben – im Gegensatz zum allgemeinen Trend an den internationalen Börsen. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Pandora weniger als ein Prozent seiner Umsätze in China erzielt.

Die Pandora-Aktie ist mit einem KGV von 17 immer noch vergleichsweise günstig bewertet und mit einem Anteil von fast neun Prozent einer der drei Top-Werte im Danske Invest Denmark Focus (ISIN LU0012195615), der von Jesper Poll gemangt wird. Der auf dänische Werte spezialisierte Fonds hat in den vergangenen zwölf Monaten 38 Prozent an Wert gewonnen und glänzt mit einer Dreijahresperformance von kumuliert 150 Prozent. Das liegt nicht nur an Pandora. Die dänische Börse läuft gegen den internationalen Trend sehr gut. Doch die dänische Schmuck-Aktie hat ihren Teil zum Erfolg beigetragen.


Die Schnäppchen-Aktie

Gemessen am KGV von weniger als zwölf für das laufende Jahr ist der schweizerische Uhrenhersteller Swatch derzeit geradezu ein Schnäppchen. Der Konzern hat in diesem Jahr allerdings auch gleich zweimal mit Währungsproblemen zu kämpfen: Im Januar gab die Schweizerische Nationalbank die Bindung des Franken an den Euro auf. In der Folge stieg der Franken im Wert.

Die Währungsverschiebungen haben dem Konzern im ersten Halbjahr die Bilanz verhagelt: Der Betriebsgewinn (EBIT) verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 8,3 Prozent auf 761 Millionen Schweizer Franken, und die entsprechende Marge sank von 20,2 auf 18,2 Prozent. Die Abwertung des Yuan ist für die Schweizer nun der zweite Nackenschlag. Für das zweite Halbjahr hatte der Konzern in Asien mit einem „sehr positiven Wachstum“ gerechnet. Die Erwartung wird kaum zu halten sein. Die negativen Währungseffekte sollten in dem gesunkenen Kurs der Swatch-Aktie aber bereits eingepreist sein.

Insofern lohnt ein Blick auf die Perspektive: Swatch hat in der Vergangenheit bewiesen, dass man sich hervorragend auf sich verändernde Marktbedingungen einstellen kann. Die Schweizer haben zudem eine Reihe neuer Produkte im Köcher, darunter die neue James Bond Edition von Omega oder die Swatch Touch Zero One, die mit Verbindung zum Smartphone in Konkurrenz zur Apple Watch tritt. Etabliert sich das neue Trendprodukt bei der anvisierten jungen, sportlichen Zielgruppe, könnte das der Aktie neuen Schwung verleihen.

Mit einem Rabatt von rund 13 Prozent auf die Aktie offeriert Vontobel ein passendes Discountzertifikat (WKN VS2MDR), das bis zum 29. Dezember 2015 die Aussicht auf 9,8 Prozent Rendite per annum bietet. Bewertungstag ist der 18. Dezember, der Cap liegt bei 340 Franken. Die Aktie selbst notiert aktuell bei 378 Franken. Das bedeutet also noch etwas Luft nach unten, ohne dass die Rendite am Jahresende gefährdet wäre.

Der Standardwert unter den Luxus-Aktien aber ist und bleibt Louis Vuitton Moët Hennessy, kurz LVMH. Die Stärke des breit aufgestellten Luxusgüter-Konzerns ist es, dass Probleme in einem Segment leicht wieder von einem anderen, starken Segment wieder aufgefangen werden können. Mit einem prognostizierten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 19 für das Jahr 2015 liegt die Bewertung zu anderen Branchen zwar relativ hoch, doch im Vergleich zu anderen Luxusgüterherstellern ist das Bewertungsniveau aktuell eher moderat.

Für die passenden Discountzertifikate gilt hier wie für alle anderen vorgestellten Discounter: Die Papiere sind durch die gestiegene Volatilität der Aktien in den zurückliegenden Wochen preiswerter und dadurch deutlich attraktiver geworden. Beispiel: Ein Discountzertifikat von HSBC auf LVMH mit Laufzeit bis zum 30. Dezember 2015 (WKN TD3VF5). Der Cap liegt hier bei 140 Euro. Aktuell kostet das Zertifikat 136 Euro. Das bedeutet unter dem Strich die Aussicht auf 8,7 Prozent Rendite per annum.


Luxus-Fonds und -Zertifikate

Fonds oder Zertifikate, die sich auf die Luxusgüter-Branche spezialisiert haben, sind zwar in den vergangenen Wochen etwas unter Druck geraten. Langfristig entwickelten sich aber in der Vergangenheit Fonds wie der Julius Baer Luxury Brands (WKN A0NCNS), der Allianz Deluxe (WKN A0J24E) und der Pictet Premium Brands (WKN A0ET47) in der Regel besser als der breite Markt.

Preiswerter sind die entsprechenden Zertifikate: Dort werden die Basiswerte nach einem ähnlichen Muster zusammengesetzt wie bei den Fonds. Die Aktien von Hugo Boss, Christian Dior, Compagnie Financière Richemont, Ralph Lauren, LVMH, Tiffany, Pernod Ricard und Burberry finden sich in vielen Auswahlindizes oder Baskets wieder. Kleine Ausnahmen bestätigen die Regel. Ein Beispiel für Luxus-Zertifikate ist das Index-Zertifikat von der BNP Paribas auf den World Luxury Index (WKN BN1LUX), das nicht in erster Linie auf Namen, sondern auf Kennzahlen Wert legt.

In dem von der Deutschen Börsen entwickelten Index wird die Kursentwicklung der 20 größten und liquidesten Aktien der Luxusgüterindustrie abgebildet. Die Indexgewichtung richtet sich nach der Marktkapitalisierung, ist allerdings auf zehn Prozent pro Unternehmen beschränkt. Der Kurs des Zertifikats ist in den vergangenen zwölf Monaten um rund acht Prozent gestiegen.

Einen eigenen Weg geht auch das Zertifikat von der Commerzbank auf den Solactive Luxus & Lifestyle Performance-Index (WKN DR0NUM). Die Performance des Papiers ist mit einem Plus von gut acht Prozent ähnlich wie die Entwicklung des BNP-Luxus-Zertifikats.

Auf nur zehn Luxus-Werte im Basket beschränkt sich das Vontobel Luxury-Zertifikat (WKN VTA3LU). Der Vontobel Luxury Performance-Index, der als Basiswert dient, bildet die Kursentwicklung der zehn nach Marktkapitalisierung weltweit größten Unternehmen aus dem Bereich Luxusgüter ab. In den zurückliegenden zwölf Monaten hat das Zertifikat zwei Prozent an Wert zugelegt.

Auf ETF-Seite findet sich derzeit nur ein einziger börsengehandelter Branchenfonds, der sich mit dem Begriff „Luxus“ schmückt. Der Amundi S&P Global Luxury ETF (WKN A0REJ4) weist eine Zwölf-Monatsperformance von rund sieben Prozent und eine gute Entwicklung in den vergangenen Jahren aus.

Doch Puristen stoßen sich an der Zusammensetzung des Portfolios, die dem Namen des Fonds kaum gerecht wird: In dem Portfolio des ETF finden sich zwar auch Werte wie LVMH, Richemont oder Estee Lauder wieder. Doch Aktien wie Nike, Daimler, Diageo oder BMW haben in einem Luxusgüter-ETF tatsächlich nichts zu suchen. Mit anderen Worten: Wer sein Depot mit Luxusgüter-Werten anreichern möchte, muss das nicht unbedingt mit diesem ETF tun.

Fazit: Luxus im Depot lohnt sich langfristig. Die Performance von Luxus-Aktien, -Fonds und -zertifikaten war in den zurückliegenden Jahren hervorragend. Anleger, die in dieses Segment investieren wollen, sollten sich aktuell jedoch die Entwicklung am Devisenmarkt gut ansehen. Wertet der chinesische Yuan weiter ab, könnte es noch weitere Kurskorrekturen geben. Denn der Luxusgütermarkt hängt mittlerweile sehr am Asiengeschäft. Kehrt Ruhe an der Währungsfront ein, könnten Anleger dies als gute Gelegenheit zum Einstieg ansehen.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%