Malaysia Airlines: Der schnelle Abflug des Retters

Malaysia Airlines: Der schnelle Abflug des Retters

, aktualisiert 19. April 2016, 17:50 Uhr
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Christoph Müller verlässt Malaysia Airlines schneller als erwartet.

von Mathias PeerQuelle:Handelsblatt Online

Christoph Müller sollte die Krisen-Fluggesellschaft Malaysia Airlines nach den Tragödien rund um MH370 und MH17 sanieren. Nun kündigt der deutsche Manager bereits nach einem Jahr im Amt seinen vorzeitigen Rückzug an.

BangkokDie angeschlagene Fluggesellschaft Malaysia Airlines muss auf ihrem Weg aus der Krise einen schweren Rückschlag verkraften. Der deutsche Konzernchef Christoph Müller kündigte am Dienstag überraschend seinen Rückzug von der Unternehmensspitze an. Er war erst im vergangenen Jahr nach Malaysia gekommen – mit dem Ziel, das nach den Katastrophen rund um die Flüge MH370 und MH17 von der Pleite bedrohte Unternehmen wieder profitabel zu machen.

Der 54-jährige Manager gab persönliche Gründe für das vorzeitige Ende seiner Rettungsmission an. „Leider machen es mir persönliche Umstände schwierig, die komplette Amtsdauer zu erfüllen“, teilte er mit. Einzelheiten nannte er nicht. Eine Anfrage des Handelsblatts ließ er zunächst unbeantwortet. Müllers Arbeit sollte laut Vertrag ursprünglich bis 2018 laufen. Nun will er den Chefposten bereits in sechs Monaten verlassen. „Ich bin stolz auf das, was wir als Team in so kurzer Zeit erreicht haben und dass die harte Arbeit unserer Mitarbeiter die ersten Anzeichen des Erfolgs liefert“, sagte Müller. Er sei zuversichtlich, dass sich das Unternehmen auf dem richtigen Weg befinde.

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Müller, der vor seinem Einsatz in Malaysia bereits die irische Fluglinie Aer Lingus sanierte, hatte Malaysia Airlines einen harten Sanierungskurs verordnet. Jeder dritte der rund 20 000 Angestellten verlor unter Müllers Führung ihren Job. Die unrentablen Verbindungen in europäische Metropolen wie Frankfurt, Paris und Amsterdam ließ er vom Flugplan streichen. Zudem plante er, sich von Tausenden Zulieferern zu trennen.

Malaysia Airlines hatte bereits vor dem Verschwinden von Flug MH370 und dem Abschuss von Flug MH17 über der Ukraine mit hohen Verlusten zu kämpfen. Die beiden Unglücke trieben die Gesellschaft schließlich an den Rand des Bankrotts. Malaysias nationale Fluggesellschaft wurde daraufhin verstaatlicht. Im Februar gelang es der Airline laut Müller erstmals seit Jahren wieder, ein Monat mit einem Plus abzuschließen.


„Wir sind sehr enttäuscht“

Der Eigentümer des Unternehmens zeigte sich enttäuscht über vorzeitigen Abschied des aus Wuppertal stammenden Sanierers. „Wir hätten es bevorzugt, wenn Müller so weiter gemacht hätte wie geplant“, teilte der Staatsfonds Khazanah mit. „Wir respektieren aber seine Entscheidung, sich vor dem Vertragsende wegen der Veränderung persönlicher Umstände zurückzuziehen.“ Ähnlich äußerte sich Müllers Vorstandskollege Tan Sri Md Nor Yusof: „Wir sind sehr enttäuscht, aber verstehen seine Gründe und respektieren die Notwendigkeit, dass er das tun muss.“

Den Plan, Malaysia Airlines bis zum Ende seiner Amtszeit in die Gewinnzone zu steuern, wird Müller nun nicht erfüllen können. Bereits im März hatte er im Handelsblatt-Interview von Schwierigkeiten berichtet. „Ich muss die Aufgabe mit sehr viel weniger Geld schaffen als ursprünglich vorgesehen“, sagte der in Köln ausgebildete Betriebswirt mit Blick auf die unerwartete Schwäche der malaysischen Landeswährung Ringgit.

Nach seinem nun für September vorgesehenen Abschied will Müller der neuen Unternehmensführung weiter zur Seite stehen: „Ich fühle mich weiterhin verpflichtet, alles zu tun, um die weitere Sanierung von Malaysia Airlines zu ermöglichen.“ Dazu gehört auch die Suche nach einem Nachfolger. Diese gehörte bereits seit Müllers Amtsantritt in Kuala Lumpur zu seinen Aufgaben: „Der zweite Paragraf in meinem Arbeitsvertrag lautet, dass ich in der gegebenen Zeit einen lokalen Nachfolger heranbilden muss“, sagte er dem Handelsblatt vor wenigen Wochen. „Da habe ich schon ein paar Leute im Auge.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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