Startup Gründertagebuch: Etablierte Größe

In seinem Gründertagebuch beschreibt Geschäftsführer Ozan Taner Alltag und Aufstieg eines Startups, das in Deutschland brasilianischen Espresso verkauft.

Vor knapp zwei Jahren gründeten drei Berater die Moema Espresso Republic GmbH, um brasilianischen Gourmet-Espresso zu importieren. In Teil 6 des Gründertagebuchs beschreibt Geschäftsführer Taner die internationale Expansion des Unternehmens. Was bisher geschah, finden Sie zusammengefasst im Kasten auf Seite 162, die früheren Teile des Tagebuchs sind online unter www.wiwo.de/gruendertagebuch nachzulesen.


8. Dezember 2006

Alles für die Verpackung unseres zweiten Espresso-Blends läuft auf Hochtouren. Wir brauchen noch einen Strichcode, um künftig im Einzelhandel gelistet zu werden. Die Grundnummer dazu muss bei dem Unternehmen GS-1 beantragt werden. Die Lizenzgebühren belaufen sich auf 110 Euro pro Jahr. Das ist ganz schön happig, kann dafür aber online abgewickelt werden – auch das Generieren der Artikelnummern für die einzelnen Produkte. Ein Barcode kommt dennoch nicht heraus. Der wird offenbar von anderen Dienstleistern entworfen. Die Angebote gehen von 60 Euro bis 1000 Euro – bei gleicher Leistung!


9. Dezember 2006

Wir konnten eine asiatische Supermarktkette als Kunden gewinnen. Die führt unseren Gourmet-Espresso nun in Vietnam ein. Sie sind von uns so überzeugt, dass sie uns nach Kontakten zu Cachaça- und Fruchtsaftlieferanten in Brasilien fragen. Für Geschäfte gäbe es sogar eine Provision. Obwohl dies nicht unser Kerngeschäft ist, stimme ich zu. Wolfgang und ich kontaktieren unser Netz in Brasilien...


13. Dezember 2006

Meine Kollegin Birgitt, unsere Designerin Konstanze und ich feilen an der Positionierung des neuen Espressos. Wir müssen auf jeden Fall Kannibalisierungen vermeiden. Den Namen hatten wir per Kundenabstimmung festgelegt: Samba Flavour.


18. Dezember 2006

Weihnachten, überall Weihnachten! Ich scheine nicht der Einzige zu sein, der seine Geschenke immer in letzter Sekunde kauft. Auch unsere Kunden bestellen erst kurz vor dem Fest die großen Mengen. Das wird ein Höllenritt!

Bildergalerie: Accessoires bei Männern sind ein heikles Thema. Auch hier gilt: Dezent geht vor!

22. Dezember 2006

Letzter Arbeitstag vor Weihnachten. Heute müssen alle noch offenen Aufgaben abgearbeitet werden. In den nächsten zehn Tagen wird niemand im Office sein, alle Produkte im Web-Shop werden auf „mittelfristig verfügbar“ gestuft. Wolfgang und ich müssen zum Notar, um Dokumente zu unterschreiben, die Wolfgang für die Eröffnung unserer brasilianischen Filiale benötigt. Es sind Vollmachten für die Ernennung der Geschäftsführerin und des Prokuristen. Notarkosten: 25 Euro. Danach muss er noch zur brasilianischen Botschaft, um die Dokumente beglaubigen zu lassen. Weitere 54 Euro. Dann muss das Dokument in Brasilien übersetzt werden (noch mal 77 Euro). Wenn das mit jedem Dokument so ist, wird das eine teure Angelegenheit.


26. Dezember 2006

Urlaub? Denkste! In Brasilien muss die Produktion des nächsten Containers vorbereitet werden. Die Etiketten sind gedruckt, die Packungen bestellt, die Kartons produziert. Nebenbei muss ein Steuerlager in Deutschland beantragt werden. Das ist wichtig, um den Cash-Flow niedrig zu halten.


27. Dezember 2006

Die Weltkaffeepreise klettern auf ein Jahreshoch. Mist! Ausgerechnet jetzt, wo wir bestellen wollen. Zum Glück wird Kaffee in Dollar gehandelt und der Euro zieht gerade ebenfalls an. Der Lieferant verlangt trotzdem viel zu viel für den neuen Blend. Das können wir uns nicht leisten. Wir machen ihm ein Gegenangebot. Auf lange Verhandlungen wie bei unserer ersten Kreation können wir uns diesmal nicht einlassen.

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