Karriere Up durch die Mitte

Der Mittelstand bietet inzwischen exzellente Karrierechancen für Uniabsolventen. Doch verläuft der Aufstieg hier nach anderen Regeln.

Yvonne Maierhofer hatte die freie Auswahl: Sie hätte beim Weltkonzern Siemens anfangen können. Die Deutsche Bank wollte sie als Trainee. Und auch beim Beratungsunternehmen Deloitte nahm sie im Auswahlverfahren alle Hürden. Doch die Wirtschaftsingenieurin, die an der TU Karlsruhe und im kalifornischen Berkeley studierte, lehnte alle drei Jobangebote ab. Stattdessen heuerte sie beim 140-Mann-Mittelständler CAS Software an. „Ich wollte schnell Verant-wortung übernehmen“, begründet die 31-Jährige ihre Wahl. Das gehe in einem kleinen Unternehmen besser als in einem Konzern, wo man nur ein Rädchen im Getriebe sei.

Karriere im Mittelstand? Die Mehrheit der Jungakademiker wünscht sich etwas anderes. Die Ranglisten der beliebtesten Arbeitgeber dominieren regelmäßig Konzerne wie BMW, Porsche, IBM und Lufthansa. Wichtig ist den Hochschulabsolventen vor allem ein gutes Gehalt, die Aussicht auf internationale Projekte und auf schnelle Führungsverantwortung. Mittelständische Unternehmen hingegen stehen bei vielen Berufseinsteigern im Ruf, provinzielle Entwicklerstuben zu sein. Ideal für bodenständige Schrauber und Tüftler, aber nichts für ambitionierte Nachwuchsmanager, die globale Herausforderungen suchen.

Das war einmal. Die auf Familienunternehmen spezialisierte Beraterin Anna Meyer kennt zahlreiche Mittelständler, die längst als Global Player agieren und mit „schnellen Entwicklungschancen“ glänzen.

Und sie stellen ein, mehr als die Konzerne. Zwischen 2003 und 2005 schuf der Mittelstand 400.000 Jobs, während die Großunternehmen und der öffentliche Dienst im gleichen Zeitraum rund 100.000 Stellen abbauten, ergab eine Erhebung des KfW-Mittelstandspanels im vergangenen Jahr. Auch im kommenden Jahr wird der Mittelstand Deutschlands Jobmotor bleiben. „In zunehmendem Maße sind hier Akademiker gefragt“, sagt Jörn-Axel Meyer, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für kleine und mittlere Unternehmen.

Allerdings: Karriere machen in dem Sinne, dass man stetig in der Hierarchie aufsteigt, lässt sich im Mittelstand nur begrenzt. Einfach weil es dort weniger Ebenen gibt. Dafür erhält der Nachwuchs schneller verantwortungsvolle Aufgaben und wird früh an strategischen Entscheidungen beteiligt. Manager, die sich durch Fachkompetenz, unternehmerisches Denken und einen integren Charakter auszeichnen, steht selbst in Familienunternehmen die Tür in die Geschäftsleitung offen.

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Yvonne Maierhofer etwa hat schon verschiedene Projekte im Marketing und Vertrieb betraut, obwohl sie gerade mal ein knappes Jahr bei CAS Software arbeitet. Derzeit führt sie eine Kundenzufriedenheitsumfrage durch, davor hat sie ein neues Controllingsystem aufgebaut. Ihr gefällt vor allem, dass die Ergebnisse ihrer Leistung sichtbar sind: „Sie nehmen sichtbaren Einfluss auf die Prozesse im Unternehmen.“

Karriereaussichten ergeben sich im Mittelstand zudem durch die geringere Spezialisierung. „Als Maschinenbauer ist man nicht nur mit der Entwicklung eines Details befasst, sondern guckt über den Tellerrand hinaus“, erklärt Klaus Becker, Personalberater für mittelständische Industrieunternehmen. Gerade habe er einen jungen Mann von einem großen Druckmaschinenhersteller abgeworben. „Der war in dem Konzern ausschließlich mit der Entwicklung eines kleinen Maschinenteils beschäftigt.“ Heute kümmert er sich bei einem Mittelständler um die Kundenanforderungen, die technische Umsetzung bis zum fertigen Produkt.

Dass derartige Karrieren nicht bloße Theorie sind, zeigt auch das Beispiel von Yurda Yilmaz. Die 31-Jährige arbeitet bei Kerkhoff Consulting, einem mittelständischen Berater auf dem Gebiet der internationalen Beschaffung. Vor sechs Jahren fing Yilmaz als Juniorberaterin an, heute ist sie Vertriebschefin und leitet ein Team von sechs Leuten. Möglich war diese schnelle Entwicklung, weil das Unternehmen in diesem Zeitraum stark gewachsen und die Anzahl der Beschäftigten von damals 30 auf heute 270 gestiegen ist. „Die Expansion mitzuerleben war für mich sehr wertvoll“, sagt sie. So habe sie etwa die komplette Vertriebsabteilung aufgebaut: „Das wäre in einem Konzern nicht möglich gewesen.“

Nach dem Studium hatte Yilmaz zunächst in einem Großunternehmen mit 12.000 Mitarbeitern gearbeitet. „Alles ging dort viel schleppender voran.“ Dauernd habe es Meetings gegeben – meist ohne erkennbare Auswirkungen. „Für einen Hochschulabsolventen mit Tatendrang ist das ernüchternd.“ Bei ihrem jetzigen Arbeitgeber dagegen habe sie gelernt, unternehmerisch zu denken. So kriege sie hautnah mit, was in der Geschäftsführung vor sich gehe.

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