Managerinnen im Vorstand: Personal - das vermeintliche Frauen-Ressort

Managerinnen im Vorstand: Personal - das vermeintliche Frauen-Ressort

, aktualisiert 16. September 2016, 12:07 Uhr
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Die Lage in den Top-Konzernen aus Dax und MDax enttäuscht.

Quelle:Handelsblatt Online

Frauen, die in den Vorstand eines Konzerns aufrücken, übernehmen besonders häufig das Personalressort - oder etwa doch nicht? Die Personalberatung Korn Ferry räumt in einer Studie mit diesem Mythos auf.

KölnBevor wir zu den den harten Fakten der Studie kommen: Besonders viele Gründe zum Jubeln gibt es heute nicht. Kein „Hurra“ also an dieser Stelle, denn nach wie vor gibt es in der Hälfte aller Dax-Konzerne keine Frauen im Vorstand. Noch schlechter sieht es im MDax aus: nur sechs Firmen haben weibliche Vorstandsmitglieder berufen, in den anderen 88 Prozent der Unternehmen sucht man sie vergebens.

Immerhin – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry – kann mit einem Mythos aufgeräumt werden: Die Mehrzahl der Vorstandsfrauen verantwortet nicht das vermeintlich einfache Ressort Personal (noch so ein Mythos), sondern leitet operative Geschäftsbereiche.

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„Das Ergebnis ist ernüchternd“, sagt Floriane Ramsauer, Partnerin bei Korn Ferry. „Die Mehrzahl der untersuchten Unternehmen scheint nach wie vor keine qualifizierten Frauen für ihre Vorstandsressorts zu finden. Erfreulich ist dagegen die klare Tendenz, dass immer mehr Frauen im Vorstand vor allem operative Verantwortung tragen. Diese Frauen beweisen, dass sie Geschäft können. Mehr Offenheit bei Besetzungen wäre darum wünschenswert.“

Insgesamt finden sich der Studie zufolge im Dax aktuell 20 weibliche Vorstände. Acht davon leiten operative Einheiten, wie Lisa Davis das USA-Geschäft bei Siemens, Erica Mann die Division Consumer Health bei Bayer oder Helga Jung das Spanien- und Lateinamerikageschäft bei der Allianz. Sieben Frauen dienen im Dax als Personalvorstand. Lufthansa-Managerin Simone Menne, aktuell Finanzvorstand, wechselt in Kürze das Unternehmen. Im Oktober wird damit Melanie Kreis von der Deutschen Post der einzige weibliche Finanzvorstand im Dax sein. Auch einen COO gibt es unter den weiblichen Vorständen nur einmal: Kim Hammonds bei der Deutschen Bank.

Bei zehn Dax-Unternehmen sitzt aktuell eine Frau im Vorstand. Bei der Allianz, der Deutschen Bank, Lufthansa, Munich Re und Siemens sind es bereits zwei. Daimler will 2017 mit der Berufung von Britta Seeger zum Vertriebsvorstand nachziehen.

Floriane Ramsauer sagt: „Aktuell sehen wir die Entwicklung, dass Dax-Unternehmen, die bereits einen weiblichen Vorstand haben, bestrebt sind, den Frauenanteil zu vergrößern – und damit für eine größere Diversität im obersten Führungsgremium sorgen. Andererseits hat die Hälfte sich noch gar nicht auf die Reise gemacht: Frauen, die dort den ersten Vorstandsposten bekleiden, werden echte Pionierarbeit leisten müssen.“


Mehr Mut bei Besetzungen von Frauen

Weitaus mehr ist im MDax notwendig. Immerhin: Dort findet sich mit Anke Schäferkordt der einzige weibliche Vorstandschef der 80 größten deutschen, an der Börse gelisteten Unternehmen. Allerdings gibt es nur sechs weitere Frauen, die es in dem 50 MDax-Unternehmen bisher in den Vorstand geschafft haben: Dagmar Knopek und Christiane Kunisch-Wolff bei der Aareal Bank, Ute Wolf als Finanzchefin von Evonik, Anke Giesen leitet Personal und Operations bei Fraport, Dagmar Steinert zeichnet für Finanzen, IT und Recht im Vorstand von Fuchs Petrolub verantwortlich und Claudia Hoyer ist COO bei TAG Immobilien.

„Es wäre vermessen gewesen zu erwarten, dass der MDax schon deutlich weiter ist beim Thema Frauen in Führungspositionen als der Dax. Dass es aber gerade einmal sechs Unternehmen gibt, die einer Frau Vorstandsverantwortung übertragen haben, hat mich doch sehr überrascht“, sagt Ramsauer. „Augenscheinlich fehlen entweder der politische Willen oder aber die geeigneten Kandidatinnen.“

Dass letztere häufig nicht im eigenen Unternehmen oder engeren Umkreis gefunden werden können, erscheine verständlich – hat doch der gezielte Aufbau von Frauen als Top-Führungskräften erst vor nicht allzu langer Zeit eingesetzt. „Wenn es aber noch keinen Pool an ausreichenden Kompetenzträgerinnen gibt, dann müssen Unternehmen weiter schauen – über die Region, über das Land hinaus und international suchen. Und zudem Potenzial und Agilität vor Erfahrung stellen. Sonst sind auch in den kommenden Jahren keine echten Veränderungen zu erwarten. Mehr Mut bei Besetzungen wäre darum wünschenswert!“

Dass es international auch anders geht, zeigt eine aktuelle Studie des Korn Ferry Institutes in den USA, in der die Positionierung von Frauen im Top-Management von 1.000 der größten US-amerikanischen Firmen untersucht worden ist. Knapp ein Viertel dieser Frauen ist auch in der „C-Suite“ zu finden. „Die deutschen Unternehmen dürfen nicht den Anschluss an die internationalen Entwicklungen verlieren", sagt Ramsauer. „Globale Unternehmen verstehen zunehmend, welch positiven Einfluss die richtigen Frauen auf das Geschäft ausüben – und das, obwohl oder gerade weil sie meist anders führen als Männer. Mit Blick auf globale Suchfelder gibt es großartige Kandidatinnen. Und den weiblichen Führungsnachwuchs sollten Unternehmen frühzeitig auch selbst aufbauen. Hierfür gibt es bei einigen deutschen Unternehmen bereits gute und nachhaltig angelegte Programme.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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