Manfred Fuchs: Der Unternehmens-Bildhauer

Manfred Fuchs: Der Unternehmens-Bildhauer

, aktualisiert 11. Januar 2017, 20:37 Uhr
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„Mein Sohn hat das Glück, dass er einen Vater hat, der nicht reinfummelt“, erzählt Manfred Fuchs, stellvertretender Aufsichtsratschef von Fuchs Petrolub.

von Siegfried HofmannQuelle:Handelsblatt Online

Manfred Fuchs formte aus einem kleinen Schmierstoffhersteller einen Weltkonzern. Sein Sohn und Nachfolger machte daraus eine Ertragsperle im M-Dax.

MannheimBildhauer wäre er gerne geworden, damals, als Pennäler in den 50er-Jahren. An Talent und Eifer hätte es nicht gemangelt. Noch heute denkt Manfred Fuchs gerne an seine Übungsstunden in der Mannheimer Kunstakademie zurück. „Aber dann meinte mein Vater: ‚Bub, du musst was Rechtes machen“, erinnert sich Fuchs. „Daraus wurde dann das BWL-Studium.“

Sein Faible für die Kunst hat Manfred Fuchs dabei nie verloren. Ein Leben lang bleibt er Hobbymaler, wird später auch zum Sammler. Doch mit dem Machtwort des Vaters ist vorgezeichnet, dass seine Kreativität nicht in der Bildhauerei gefragt sein würde, sondern im Unternehmertum – und dies viel schneller als erwartet. Denn schon 1959 – Manfred Fuchs hatte gerade erst das zweite Semester abgeschlossen – stirbt sein Vater mit nicht einmal 50 Jahren und hinterlässt eine kleine mittelständische Schmierstoff-Firma. Parallel zu seinem Studium muss sich Manfred ins väterliche Unternehmen einfuchsen. Vier Jahre später, nach dem Abschluss als Diplomkaufmann übernimmt er die Geschäftsführung und steht fortan für mehr als vier Jahrzehnte an der Spitze des Mannheimer Unternehmens.

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Statt Holz- oder Steinblöcke modelliert er Produktions- und Unternehmensstrukturen – und formt aus dem unscheinbaren Kleinunternehmen nach und nach einen weltweit tätigen Schmierstoffkonzern. Mitte der 80er-Jahre bringt er das elterliche Unternehmen an die Börse und schafft damit die finanzielle Basis für mehr als drei Dutzend Übernahmen in aller Welt, darunter größere Brocken wie die französische Labo oder die britischen Schmierstoff-Firmen Silkolene und Century Oils. 2002 überschreitet der Umsatz erstmals die Milliardengrenze, 2015 die Schwelle von zwei Milliarden Euro. Heute ist Fuchs Petrolub mit gut zwei Milliarden Euro Umsatz und knapp 5.000 Beschäftigten der mit Abstand größte von Ölkonzernen unabhängige Schmierstoffhersteller der Welt. Rund 54 Prozent der stimmberechtigten Aktien, etwas mehr als ein Viertel des Gesamtkapitals, sind weiter im Besitz der Gründerfamilie, die damit den Mannheimer Konzern unverändert kontrolliert.

Für die Hall of Fame der Familienunternehmen indessen qualifiziert sich Manfred Fuchs nicht nur mit seinen Künsten als Konzernbauer. Es gelingt ihm auch, sein Werk auf ebenso erfolgreiche wie reibungslose Weise an die nächste Generation weiterzugeben. Ende der 90er-Jahre holt Manfred Fuchs seinen Sohn Stefan in den Vorstand, 2004 übergibt er ihm den Vorstandsvorsitz. Der damals 36-Jährige erweist sich als Glücksfall für das Unternehmen, die Familie wie auch für die externen Aktionäre. Streitereien erscheinen fast undenkbar.

Viel mag dazu die Ähnlichkeit der Charaktere beigetragen haben. Es vereine sie eine Neigung zu Gründlichkeit und Ehrlichkeit, sagte Manfred Fuchs einmal. Ebenso wie sein Vater hat auch Stefan Fuchs Betriebswirtschaft in Mannheim studiert. Weder der Senior noch der Junior halten viel vom großspurigen Auftritt. Bescheidenheit ist angesagt im Hause Fuchs.

In Strategie und Geschäftspolitik ging der Junior dabei durchaus neue Wege. Stefan Fuchs trieb als CEO die Globalisierung weiter voran, schaltet dabei aber um auf organisches Wachstum, integriert die vielen Zukäufe, strafft die Strukturen – und hat auf diese Weise die operativen Qualitäten des Schmierstoff-Konzerns erst zu voller Blüte gebracht. Der Umsatz hat sich seither verdoppelt, während sich der Gewinn auf zuletzt 236 Millionen Euro versechsfachte.


Potential ohne Verbrennungsmotoren

Lasteten 2001, gegen Ende der akquisitionsgetriebenen Expansionsphase von Fuchs Senior noch einige Hundert Millionen Euro Schulden in der Bilanz, glänzt das Unternehmen heute mit einer Netto-Cash-Position von mehr als 100 Millionen Euro und mehr als 70 Prozent Eigenkapitalquote. Mit 5,4 Milliarden Euro Börsenwert gehört Fuchs Petrolub mittlerweile zu den schwersten und erfolgreichsten Werten im M-Dax. Familie und freie Aktionäre können sich über 3.400 Prozent Wertsteigerung in den letzten 15 Jahren freuen.

Einer der Erfolgsfaktoren ist das Geschäftsmodell: In der scheinbar unspektakulären Welt der Schmierstoffe hat Fuchs das Unternehmen als global agierenden Spezialanbieter positioniert. Das Sortiment umfasst 10.000 Schmierstoff-Spezialitäten für Anwendungen aller Art. Viele Produkte werden maßgeschneidert nach Kundenwunsch entwickelt und produziert.

Fuchs ist überzeugt, dass das Modell noch weit in die Zukunft trägt. „Wir sind groß genug, um global tätig zu sein, aber auch noch klein genug, um in Nischen operieren zu können.“ Spielraum für Wachstum bietet sowohl die Übernahme kleinerer, nur regional tätiger Konkurrenten als auch der organische Ausbau von Produktprogramm und Auslandspräsenz. Für die großen Ölkonzerne und ihre Schmierstoffsparten sind die Geschäftsfelder von Fuchs zu klein. Den spezialisierten, lokalen Konkurrenten wiederum fehlt die globale Präsenz, um größere Abnehmer zu versorgen. Auch die Konzentration auf technologisch anspruchsvolle Nischen, ist Fuchs überzeugt, bietet weiter Potenzial – selbst wenn die Zeit der Verbrennungsmotoren im Automobil allmählich ihrem Ende entgegengehen sollte. Der Hauptbedarf für Schmierstoffe im Fahrzeugbereich fällt bei den Lkws an, nicht bei Personenwagen. Und auch in der Elektromobilität wird es nicht ohne hochwertige Schmierstoffe gehen.

Ein anderer Erfolgsfaktor ist die Familie, die stets die richtigen Söhne zur Stelle hatte. Manfred Fuchs beschreibt es so: „Wir hatten das Glück, dass in der nächsten Generation ein sehr tüchtiger Nachfolger da war. Und mein Sohn hat das Glück, dass er einen Vater hat, der nicht reinfummelt.“ Der Wachwechsel war ihm nach eigenen Worten keineswegs schwergefallen. „Mit 41 Jahren Unternehmerdasein hat man eigentlich alles gehabt, was man sich als gestaltender, unternehmerisch tätiger Mensch wünschen kann.“

In Mannheim und rundherum ist Fuchs heute ein hochgeschätzter Mäzen und Ehrenamtsträger. Er fördert ebenso das Mannheimer Nationaltheater wie die Popakademie, engagiert sich für den Kaiserdom zu Speyer und ist Kuratoriumsvorsitzender der Mannheimer Kunsthalle, deren Neubau er finanziell unterstützt.

Und vor allem ist die Leidenschaft für die Kunst nie erloschen. Schon als Vorstandschef widmet sich Fuchs seinem Hobby, der Malerei. Heute verbringt er seine Wochenenden meist im Atelier. Einige seiner großflächigen, abstrakten Farbkompositionen begrüßen den Besucher in der ansonsten schmucklosen Firmenzentrale auf der Friesenheimer Insel, einem grauen Industriegebiet im Mannheimer Norden.


Druck der Börse als heilsamer Zwang

Das Geschehen im Unternehmen verfolgt Fuchs dabei weiter intensiv, als Aufsichtsrat. Aber anders als es vielen Firmenpatriarchen vielleicht nahegelegen hätte, begnügt er sich mit der Position des stellvertretenden Vorsitzenden. Den Vorsitz überlässt er, wie schon zu seiner Zeit als CEO, familienfremden Fachleuten. Seit 2003 sind das die früheren Chefs und jeweiligen Aufsichtsratsvorsitzenden der hochgeschätzten BASF, zunächst Jürgen Strube, inzwischen Jürgen Hambrecht.

Überhaupt: Familienunternehmen und Börse – für Manfred Fuchs ist das kein Gegensatz, sondern eher eine fruchtbare Symbiose. Schon in den 70er-Jahren beschließt er, dass die Familie nicht zum „Flaschenhals für die Unternehmensentwicklung“ werden soll. Fuchs nimmt zunächst außenstehende Gesellschafter als Kommanditisten auf. Ab 1982 folgte der Gang an die Börse, zunächst mit einer der Schweizer Auslandsholding in Zürich, zwei Jahre später mit der Mannheimer Obergesellschaft in Frankfurt. Wenig später, auch um den Expansionskurs zu finanzieren, leistet sich das Mannheimer Unternehmen zehn Jahre lang eine komplexe und keineswegs kosteneffiziente Struktur.

Aber es war damals eben die Zeit, sich in Europa und in der Welt zu positionieren. Die Präsenz am Kapitalmarkt gab dem Mannheimer Mittelständler den Hebel, um als Konsolidierer im fragmentierten Schmierstoffmarkt zu agieren. „Hätten wir die Stunde nicht genutzt, wären die Dinge im Markt verteilt gewesen.“
Ebenso wichtig wie den Zugang zu Kapital bewertet Fuchs heute den disziplinierenden Charakter der Börse. Mit einiger Hochachtung erinnert sich Fuchs an junge, gescheite Analysten, die damals vorrechneten, dass die Firma zu viel Umlaufvermögen mit sich herumschleppe und in der einen oder anderen Sparte ihre Kapitalkosten nicht verdiene. „Wenn man da ständig getriezt wird, fängt man an nachzudenken.“

Natürlich habe man als Familienunternehmen die Chance, langfristiger zu denken und zu arbeiten. Aber der Druck von Börse und Aktienrecht, er ist für Fuchs auch ein heilsamer Zwang, familiäre Emotionen aus dem Unternehmen herauszuhalten und die Dinge aus der nüchternen, finanzwirtschaftlichen Perspektive heraus zu beurteilen. Erst das Unternehmen, dann die Familie – so steht es heute auch in der Familiencharta.

Seine Vorbilder suchte sich der Mannheimer Firmenpatriarch daher nicht unbedingt im Kreise der klassischen Familienunternehmen. Lieber blickte er nach Westen, über den Rhein hinweg zum großen Nachbarn BASF – für den langjährigen Fuchs-Chef ist der Chemieriese bis heute ein Musterbeispiel an Solidität und guter Unternehmensführung.

Und die Malerei, was gibt sie dem Unternehmer? Manfred Fuchs beschreibt sie als „Quelle des Glücks und der Bereicherung“, als großartige Gelegenheit, innere Ruhe zu finden und über die normale Lebens- und Arbeitswelt hinauszugehen. Und keine Frage: Sie spendet auch Kraft und Inspiration. „Denn auch das Unternehmerische ist ja eine kreative Tätigkeit.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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