Manipulationen bei Gold und Silber: Deutsche Bank einigt sich mit Klägern

Manipulationen bei Gold und Silber: Deutsche Bank einigt sich mit Klägern

, aktualisiert 15. April 2016, 13:59 Uhr
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Gold- und Silberbarren: Die Deutsche Bank ist inzwischen aus den umstrittenen Edelmetall-Fixings ausgestiegen.

von Laura de la MotteQuelle:Handelsblatt Online

Das skandalgeplagte Geldhaus kann einen weiteren Rechtsstreit zu den Akten legen. Auf dem langen Weg, Altlasten abzuarbeiten, ist es nur ein kleiner Schritt. Die Bank rechnet noch mit Kosten von rund 5,2 Milliarden Euro.

FrankfurtErfolgsmeldungen kann die Deutsche Bank in diesen Tagen gut gebrauchen. Besonders die riesige Liste an Rechtsstreitigkeiten beunruhigt die Investoren. Nun berichten die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters übereinstimmend, dass das Geldhaus bei Klagen wegen Manipulationsvorwürfen bei Gold- und Silberpreisen Vergleiche erzielt habe. Das gehe aus Gerichtsunterlagen hervor, die Anwälte von Edelmetallhändlern eingereicht haben. Beide Vergleiche müssen noch von einem US-Richter genehmigt werden.

Über die Höhe der Vergleichszahlungen wurde nichts bekannt. Die Deutsche Bank ist das erste Institut, dass sich im Bereich Gold und Silber mit klagenden Investoren geeinigt hat. In dem ausgehandelten Vergleich willigte die Bank laut den Unterlagen ein, die Kläger dabei zu unterstützen, ähnliche Ansprüche gegenüber anderen Banken geltend zu machen. Vincent Briganti und Robert Eisler, Anwälte für Händler im Verfahren um Manipulationen beim Silberpreis, erklärten, dass die Deutsche Bank Chat-Mitteilungen und andere Kommunikationen aushändigen werde. Das Institut wollten die Informationen nicht kommentieren.

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Händler von Terminkontrakten auf Silber und Gold haben 2014 Gruppen von Banken verklagt. Sie warfen ihnen vor, die Preise für die Edelmetalle und für auf ihnen basierende Derivate manipuliert zu haben. Silberhändler klagten gegen Deutsche Bank, HSBC, Bank of Nova Scotia und UBS; Goldhändler verklagten außerdem Barclays und Société Générale. Die Händler warfen den Banken vor, ihre Position bei der Kontrolle der täglichen Silber- und Gold-Fixings missbraucht zu haben, um unrechtmäßige Gewinne aus dem Handel zu erlangen und andere Investoren in diesen Märkten zu schädigen, hieß es 2015 in den Klagen.

Der Weltmarktpreis für Gold wird zweimal täglich festgelegt. Die Londoner Edelmetallbörse befragt dazu eine Gruppe von Banken, die sich in der Vergangenheit aus den fünf verklagten Instituten zusammensetzte. Die Deutsche Bank beteiligt sich inzwischen nicht mehr an der Festlegung der Preise für Gold und Silber. Anfang 2014 gab sie ihren Rückzug bekannt, weil sie ihr Rohstoffgeschäft verkleinerte.


Große Strafen für Betrug bei US-Hypotheken und Geldwäsche erwartet

Doch die juristischen Altlasten bleiben eine der größten Herausforderungen für das Geldhaus. Im Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr 2015 nehmen allein die größten Streitfälle und Untersuchungen 14 Seiten ein. Nach diesem letzten öffentlichen Stand zeigt sich, dass auch das Thema Manipulationen bei Edelmetallen mit dem jetzigen Vergleich noch nicht ausgestanden ist. Parallel zu den Zivilklagen von möglicherweise Geschädigten, laufen auch noch Untersuchungen verschiedener Aufsichtsbehörden zu dem Fall.

Die Bank erwartet noch jede Menge hohe Strafen. 5,2 Milliarden Euro hatte sie Ende des Jahres an Rückstellungen für Rechtsrisiken gebildet. Weitere 2,5 Milliarden Euro listet sie als sogenannte Eventualverbindlichkeiten auf. Das sind Kosten, die zwar möglich sind, aber deren Eintrittswahrscheinlichkeit derzeit mit unter 50 Prozent bewertet wird.

Details zur Vorsorge für einzelne Rechtsprobleme verrät die Bank nicht, weil sie fürchtet, dass eine Offenlegung den Ausgang der Verfahren beeinflussen würde. Analysten zufolge ist vor allem wegen des möglichen Betrugs beim Handel mit US-Hypotheken noch mit einer hohen Buße zu rechen. Schon Ende 2013 zahlte die Deutsche Bank hier 1,4 Milliarden Euro. Auch der Geldwäsche-Skandal in Russland könnte eine empfindliche Strafe nach sich ziehen. Von 2012 bis 2014 sollen bis zu zehn Milliarden Dollar in Russland über das größte deutsche Geldhaus gewaschen worden sein.

Für Verstöße gegen das US-Embargo hatte die Bank im vergangenen Jahr bereits 258 Millionen Euro an einige US-Behörden gezahlt, weitere Verhandlungen laufen noch. Auch der Libor-Skandal könnte noch ein teures Nachspiel haben. Hier bekam die Deutsche Bank 2015 von den amerikanischen und britischen Behörden eine Strafe von 2,3 Milliarden Euro aufgebrummt. Seitdem laufen noch zahlreiche Zivilklagen von mutmaßlich geschädigten Investoren. Ihr Ausgang ist offen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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