Marktausblick auf 2016: Börsen trotzen dem Terror

Marktausblick auf 2016: Börsen trotzen dem Terror

, aktualisiert 26. November 2015, 08:51 Uhr
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Anleger sollten nicht nur auf die großen Daxwerte schauen.

von Matthias von ArnimQuelle:Handelsblatt Online

Die EZB-Geldschöpfung wird auch im kommenden Jahr der wichtigste Faktor für Aktien sein. Deshalb sollten die Terror-Anschläge keine langfristigen Auswirkungen auf die Börsen haben. Welche Titel richtig interessant sind.

Die deutsche Wirtschaft boomt. Immer noch, trotz der jüngsten Schreckensnachrichten aus Frankreich, der Türkei und aus Syrien. Auch deutsche Aktienwerte sind international gefragt. Immer noch. Und es deutet sich an, dass dies eine Weile so bleiben könnte. Ein Grund dafür wird wohl die Entwicklung auf dem Zinsmarkt sein. Während die US-Notenbankchefin Janet Yellen durchblicken ließ, im Dezember die Leitzinsen anheben zu wollen, stehen die Zeichen im Euroraum eher auf eine Fortsetzung der Niedrigzinspolitik. Es wird sogar erwartet, dass die Europäische Zentralbank weiter in großem Stil Anleihen aufkaufen wird, um die Geldmenge im Euroraum zu erhöhen und die Wirtschaft zu stimulieren.

„Die EZB wird keine zweite Finanzkrise zulassen. Auch angesichts der politisch angespannten Situation in Europa wird die Zentralbank vor allem für Ruhe am Geldmarkt sorgen wollen“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Unter dem Strich werde ein höheres Zinsniveau in den USA dafür sorgen, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar weiter an Wert verlieren dürfte.

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Für den deutschen Aktienmarkt sind das gute Aussichten. „Gerade den exportstarken deutschen Unternehmen spielt es in die Hände, dass die Zinsentwicklung in den USA und im Euroraum auseinanderdriftet. Denn mit einem schwächeren Euro können sie ihre Produkte im internationalen Vergleich preiswerter anbieten“, so Halver.

Auch für die Deutsche Bank führt aus den gleichen Gründen auch 2016 an Aktien kein Weg vorbei. Da die Unternehmensgewinne voraussichtlich nur im einstelligen Prozentbereich wüchsen, sieht die Bank den Dax Ende kommenden Jahres bei 11.700 Punkten und den Euro Stoxx 50 bei 3650 Zählern. Das ist im Vergleich zum aktuellen Kurs jeweils ein Plus von etwa 5,5 Prozent.

Es könnte für Anleger also derzeit aussichtsreich sein, in deutsche Aktien zu investieren. Allerdings sollten sie dabei nicht allein auf den Dax schielen. Der deutsche Leitindex befindet sich seit dem harschen Rücksetzer zwischen Anfang August und Ende September und der anschließenden 1500-Punkte-Rally in einer brenzligen Situation. Zum einen läuten charttechnisch die Alarmglocken: Seit Anfang April dieses Jahres fällt jedes neue Index-Hoch niedriger aus als das vorige. Charttechniker erkennen hier die Gefahr eines veritablen Abwärtstrends.

Gleichzeitig hat die Dax-Schwäche auch fundamentale Gründe: „Im Dax sind einige fußkranke Branchen stark vertreten. Banken, Automobilwerte und Versorger sind derzeit nicht unbedingt Kaufempfehlungen“, so Halver. Entsprechend mau sehen die Geschäftszahlen aus. So konnten nur 40 Prozent der Dax-Unternehmen, die zuletzt Bilanzen vorgelegt haben, die Gewinnschätzungen der Analysten übertreffen. Auch das Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahr fiel negativer aus.

„Die Zahlen sind zwar von den sehr hohen Quartalsverlusten der Deutschen Bank und von Volkswagen verzerrt, aber auch die Ausblicke einiger Unternehmen fallen im Vergleich zum Vorquartal negativer aus. Eine Konsolidierung würde uns daher nicht überraschen“, sagt Sören Wiedau von der Weberbank. Kein Wunder: Die angeschlagenen Versorger RWE und Eon, sowie die Aktienwerte der Automobilbranche und der Banken machen rund 36 Prozent der Indexgewichtung im Dax aus.


Stabile Unternehmen, die Sicherheit bieten

Deshalb sollten Anleger ihren Blick vom Dax nehmen und andere Indizes ins Visier nehmen, die aussichtsreicher aufgestellt sind. „Es zeichnet sich ab, dass Anleger in den kommenden Monaten vor allem auf Unternehmen setzen, deren Geschäftsmodell vor allem Stabilität und Sicherheit bieten“, meint Uwe Wiesner vom Vermögensverwalter Hansen & Heinrich in Berlin. Dazu zähle beispielsweise ein Konzern wie Henkel mit einer starken Marke, einem defensiven aber stabilen Geschäftsmodell, einem sehr guten Management und nicht zuletzt einer hohen Dividendenrendite.

Ein weiteres Unternehmen, das in diese Kategorie passt, sei der Logistiker VTG. „Das Unternehmen vermietet Waggons und Container, unter anderem an die Deutsche Bahn. Das klingt auf den ersten Blick recht langweilig, beschert dem Konzern aber bei überschaubarem Risiko regelmäßig hohe, stabile Einnahmen“, so Wiesner. Das haben mittlerweile schon eine Menge Anleger erkannt. Seit August dieses Jahres hat sich der Kurs der VTG-Aktie verdoppelt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 für das Jahr 2016 ist die Aktie leider kein Schnäppchen mehr. Zwischenzeitliche Rücksetzer könnten aber Kaufgelegenheiten sein.

Aussichtsreich seien zudem exportstarke Unternehmen, die von einer weiteren Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar profitieren. – aber nicht unbedingt aus der Automobilbranche. „Da muss man abwarten, ob der VW-Skandal auch auf andere Marken abfärbt. Das ist noch lange nicht ausgestanden“, so Wiesner. Eher würden vor allem zyklische Werte wie Maschinenbau-Unternehmen von der Entwicklung profitieren. Ein Beispiel dafür ist Kuka.

Auch das ist kein Geheimtipp mehr. In den zurückliegenden fünf Jahren hat sich der Aktienkurs verfünffacht. Wer sich die Aktie ins Depot legt, darf bei einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 27 keine schnellen Kursgewinne erwarten. Längerfristig bleiben die Perspektiven aber aussichtsreich. „China hat gerade erst begonnen, seine Fabrikanlagen in großem Stil mit Robotern zu automatisieren. Da ist viel Dynamik im Markt. Und Kuka ist in diesem Prozess ganz vorne dabei“, so Wiesner.

Ein weiteres Unternehmen mit solider Finanzierung, aussichtsreicher Perspektive und hoch professionellem Management ist Fuchs Petrolub. Der Spezialist für Schmierstoffe profitiert enorm vom gesunkenen Ölpreis. „Öl bildet die Basis für die Herstellung von Schmierstoffen“, erklärt Wiesner. Nicht uninteressant: Das Unternehmen steigert stetig seine Dividende an und verfügt über eine solide finanzielle Verfassung sowie ein innovatives Produktportfolio.

Fuchs Petrolub bietet mehr als einhundert verschiedene Schmierstoffe für unterschiedliche Anwendungen an und positioniert sich damit geschickt in einem sehr speziellen Nischenmarkt. Das Familienunternehmen aus Mannheim überzeugt zudem mit einer sehr nachhaltigen Firmenpolitik. Die Familie Fuchs hält immer noch 53 Prozent der Stammaktien. Die Eigenkapitalquote liegt bei beachtlichen 73,5 Prozent, und die Bilanzkennzahlen überzeugen. Die Gewinne steigen schneller als die Umsätze. Für Anleger, die langfristig denken, sind das schlagende Argumente.

Einen Blick seien auch deutsche Immobilien und Immobilien-Unternehmen wert, sagt Philipp Müller von der Vermögensverwaltung Performance IMC. „Im Vergleich zu anderen Ländern sind deutsche Immobilien immer noch preiswert. Da ist noch viel Luft nach oben. Der Peak ist noch lange nicht erreicht“, so Müller.


Die passenden Indexprodukte

Befeuert werde der Bauboom derzeit gleich von mehreren Faktoren. „Die niedrigen Zinsen erleichtern die Finanzierung, es werden immer noch weniger Wohnungen gebaut als benötigt werden. Damit bleibt der Bedarf hoch. Und Immobilien werden in Deutschland immer noch als sicherer Hafen angesehen“, so Müller. Dazu kommt seit Kurzem ein neuer Faktor: Durch die steigende Zahl von Flüchtlingen benötigen die Kommunen dringend neuen Wohnraum. Das treibt die Preise zusätzlich und sorgt für Goldgräberstimmung bei Bau-Konzernen wie Hochtief und Immobilienunternehmen wie LEG oder Deutsche Wohnen.

Gemeinsam ist diesen Unternehmen, dass sie nicht im Dax notiert sind, sondern im MDax, in dem auch Zykliker zu finden sind, die von weiterhin niedrigen Energiepreisen und einer anziehenden Konjunktur in den kommenden Monaten profitieren würden: nämlich Chemie- und Pharmawerte wie Stada, Wacker Chemie, Evonik und Lanxess. Anleger, die diese Aktien im Depot haben, sind schon in der Vergangenheit besser gefahren als mit den Dickschiffen aus dem Dax.

Konkret: Der deutsche Leitindex legte innerhalb der zurückliegenden drei Jahre zwar rund 55 Prozent zu, doch der Midcap-Index MDax verdoppelte seinen Wert in dieser Zeit fast und ließ das populäre deutsche Vorzeige-Börsenbarometer weit hinter sich. Die Index-Zusammensetzung verheißt auch für die Entwicklung im kommenden Jahr eine bessere Performance: Im MDax ist keine Geschäftsbank, kein Automobilkonzern und kein Versorger verstreten, dafür aber viele exportstarke Unternehmen, die von einem schwachen Euro und niedrigen Ölpreisen profitieren.

Im Index ist ein ausgewogenes Gemisch wachstumsstarker Unternehmen versammelt, die zum Teil in Nischenmärkten weltweit eine marktführende Stellung haben und hohe Gewinnmargen erzielen. Weiterer Vorteil des MDax: Bei einigen der im Index enthaltenen Unternehmen wie beispielsweise bei Fielmann, Krones oder Vossloh bestimmen die Gründerfamilien noch die Firmenpolitik mit. Langfristige Ziele gehen hier vor kurzfristigen Erfolg.

Anleger, die jenseits des Dax auf deutsche Qualität setzen wollen, finden die passenden MDax-Indexzertifikate beispielsweise bei HSBC Trinkaus (WKN 741907), bei Hypo-Vereinsbank onemarkets (WKN HV091M) oder bei der Deutschen Bank (WKN 899164). Entsprechende MDax-ETFs werden angeboten von der Deka (WKN ETFL44) oder von iShares (WKN 593392).

Doch nicht nur der MDax bündelt exportstarke deutsche Unternehmen unter einem Index. Etliche dieser MDax Werte finden sich auch im Daxplus Export Strategy Index wieder. Auch dieser Index entwickelte sich zuletzt deutlich besser als der Dax. Unter dem Strich steht eine Dreijahresperformance von 125 Prozent. Zur Erinnerung: Der Dax bot im gleichen Zeitraum ein Plus von 55 Prozent. Wer auf eine Fortsetzung dieser Entwicklung beim Daxplus Export Strategy Index hofft, findet die passenden Zertifikate bei Hypo-Vereinsbank onemarkets (WKN HV095B) und bei Goldman Sachs (WKN GS29EQ).

Fazit: Deutsche Aktienwerte werden wohl auch im kommenden Jahr gefragt sein. Gerade exportstarke Unternehmen könnten von einem schwachen Euro und niedrigen Ölpreisen profitieren. Allerdings sind diese Unternehmen nicht in erster Linie im Dax zu finden, der eher die Problembranchen Banken, Automobil und Versorger mit sich schleppt. Es kann sich für Anleger eher lohnen, in Zertifikate oder ETFs auf den MDax oder den Daxplus Export Strategy Index zu setzen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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