Maschinenbau: Der richtige Dreh

Maschinenbau: Der richtige Dreh

, aktualisiert 29. April 2016, 21:09 Uhr
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Der Bau- und Maschinenbau-Konzern Bauer aus Schrobenhausen will international wachsen.

von Thomas MerschQuelle:Handelsblatt Online

Innovationen gelten als Lebensversicherung im Maschinenbau. Doch der Fortschritt hat sein Tücken. Mit der Modernisierung müssen die Hersteller ihre Geschäftsmodelle ebenfalls neu erfinden.

KölnDer Anspruch ist riesig: Ein „einzigartiges Jahrhundertprojekt“ - nicht weniger versprechen die Chefs des neuen Technologiezentrums Augsburg. „Im europäischen Maßstab sind wir weit vorne dabei“, sagt Regio-Augsburg-Geschäftsführer Andreas Thiel. Sein Vorbild ist nicht eben klein: das IT-Mekka Silicon Valley.

Forschung und Entwicklung sollen in Augsburg blühen - auf einer Fläche, die 100 Fußballfeldern entspricht. Nach dem Vorbild des US-High-Tech-Standorts bringen Spitzenforscher von Fraunhofer-Instituten, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, von Uni und Hochschule Augsburg Innovationen voran - gemeinsam mit gezielt angesiedelten Unternehmen. Vor zwei Wochen kam die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner zur Einweihung des Prestigeprojekts. Über 100 Millionen Euro Fördermittel schoss der Freistaat für Projekte zu, damit gleich auf etlichen Feldern der Fortschritt gelingt, darunter Faserverbundstoffe, Mechatronik und Umwelttechnik.

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Im Kern berührt das TZA eine existenzielle Frage: Wie kann die deutsche Industrie ihren technischen Vorsprung halten? Nicht nur in Augsburg werden Antworten gesucht. Innovation ist das Schlagwort schlechthin, wenn es um die Zukunft des Standorts geht. Die Schlüsselbranche Maschinen- und Anlagenbau ist mittelständisch geprägt, exportstark und vereint zahlreiche Weltmarktführer. Der bisherige Erfolgskurs fußt vor allem auf Technologieführerschaft.

Doch wird Ingenieurkunst reichen? „Es besteht für die deutsche Industrie ein hohes Risiko, international überholt zu werden“, sagt Thomas Rinn, der Leiter des globalen Competence Center Operations Strategy des Beratungsunternehmens Roland Berger. Um auch künftig international den Takt vorzugeben, müssen die Unternehmen Antworten finden auf die fortschreitende Globalisierung und die rasante Digitalisierung.

Neue Wettbewerber lauern - und für Rinn ist sicher: „Erfolg hängt immer weniger allein von der technischen Finesse ab.“ Zwar blieben Innovationen der Dreh-und Angelpunkt für weitere Markterfolge. Aber Rinn warnt: Unternehmen müssen die Innovationen auf drei Feldern zugleich voranbringen: bei internen Prozessen, bei Produkten und bei Geschäftsmodellen.

Schwächen erkennt Rinn vor allem, wenn es um neue Geschäftsmodelle geht. „In deutschen Unternehmen fehlen Mitarbeiter, die sich auf diesem Gebiet strukturell mit Innovationen beschäftigen“, sagt der Berater. „Das ist leider nicht in der DNA der Industrie verankert.“

Die Gefahr: „Viele Unternehmen versäumen es, die Schnittstelle zum Kunden zu schützen.“ Leicht können sich digitale Angreifer in bestehende Kundenbeziehungen drängen und Erlöse in ihre Richtung umleiten. Beispiel Vorhersagemodelle in der Wartung: Nicht mehr nur die Hersteller können durch Datenanalyse bestimmen, wann ihre Maschine kaputtgeht. Um solche Diagnoseleistungen bewerben sich nun auch andere Dienstleister und die Nutzer selbst. Beträchtliche Einbußen drohen allein in diesem Segment: „Services rund um das eigentliche Produkt machen oft 30 Prozent des Umsatzes aus - mit gleichzeitig hohem Wachstums- und Risikopotenzial“, sagt Rinn.


„Der Wettbewerb ist ziemlich ruppig geworden“

Gerade weil es keine Patentrezepte gibt, müssen Unternehmen mutig den Blickwinkel erweitern, Reibung und auch Misserfolge zulassen. „Unternehmen müssen sich davon verabschieden, dass Innovationen eine sichere Kiste sind. Es geht um radikaleres Ausprobieren - auch mal zu scheitern gehört dazu“, sagt René Mauer, Innovationsforscher an der ESCP Europe Wirtschaftshochschule Berlin. „Umdenken ist nötig, um das zu schaffen.“ Zum Kulturwandel gehört, dass Entscheider aus technischen und kaufmännischen Bereichen enger und kreativer zusammenarbeiten.

Nach diesem Prinzip bringt die Bauer AG Entwicklungen voran. „Innovationen sind für uns der wichtigste Wachstumstreiber“, sagt Vorstandschef Thomas Bauer. Das Unternehmen mit Sitz im oberbayrischen Schrobenhausen stellt Maschinen für den Spezialtiefbau her - und beansprucht hier Weltmarktführerschaft. Zugleich ist Bauer auch im Baugeschäft aktiv.

Gemeinsam arbeiten so Produzent und Anwender unter einem Dach am Fortschritt. „Durch das Zusammenwirken einer Baufirma mit einer Maschinenbaufirma entstehen viele Diskussionen zwischen den Mitarbeitern, bei denen ein Problem aus zwei völlig unterschiedlichen Richtungen betrachtet wird“, sagt Bauer - aus der praktischen Sicht der Baustelle und aus dem Blick des Maschinenkonstrukteurs. „Hier besteht nicht immer Einigkeit darüber, was der richtige Weg ist. Genau das erzeugt neue Lösungen.“

Konkurrenten aus aufstrebenden Märkten erhöhen den Druck. „In China haben viele neue Unternehmen begonnen, Spezialtiefbaugeräte zu bauen, und stehen damit nun zu uns in Konkurrenz“, sagt Bauer. „Die Vorgehensweise in diesem Wettbewerb ist ziemlich ruppig geworden.“ Es gebe nur einen Weg zu bestehen: „Schneller mit neuen Ideen zu sein und damit den Kunden zu überzeugen.“

Mehr Tempo bei Innovationen - so lautet ein Ziel auch im Technologiezentrum Augsburg. Geschäftsführer Thiel ist überzeugt, dass schon die Nähe zu Forschungsinstituten in den Firmen viel bewirken kann. „Viele wissen, dass sie entscheidende Schritte allein mit eigenem Know-how heute nicht mehr gehen können und Partner an Bord holen müssen.“ Nur auf die Eigendynamik allein verlässt man sich dabei nicht: „Wir haben auch Kollegen, die dabei unterstützen, dass der Technologietransfer gelingt.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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