Massive Kapitalerhöhung geplant: Deutsche Bank vor dem großen Sprung

Massive Kapitalerhöhung geplant: Deutsche Bank vor dem großen Sprung

, aktualisiert 03. März 2017, 23:16 Uhr
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Die Deutsche Bank versucht den Befreiungsschlag. Eine Kapitalerhöhung soll das nötige Geld aufbringen, um den Konzernumbau zu vollenden und wieder zu wachsen.

von Michael Maisch und Daniel Schäfer Quelle:Handelsblatt Online

Das größte heimische Geldhaus wagt noch einmal einen großen Wurf, um aus der Krise zu kommen. Die Führung wird neu geordnet, das Geschäft umgebaut. Die Aktionäre wird das aller Voraussicht nach noch einmal Milliarden kosten.

FrankfurtMonatelang hat John Cryan, der Vorstandschef der Deutschen Bank, versichert, dass Deutschlands größtes Geldhaus alles versuchen werde, um seine Aktionäre nicht noch einmal zur Kasse zu bitten. Doch diese Worte sind jetzt Makulatur. Am späten Freitag Abend, räumte das Frankfurter Geldhaus in einer Pflichtmitteilung ein, dass sie eine Kapitalerhöhung mit einem Volumen von bis zu acht Milliarden Euro vorbereite. Das frische Kapital braucht die Bank, um die künftigen Anforderungen der Aufseher zu erfüllen, aber auch um einen Strategieschwenk zu finanzieren. Die eigentlich zum Verkauf stehende Postbank wird jetzt aller Wahrscheinlichkeit nach doch voll in den Konzern integriert. Neben der Kapitalerhöhung soll auch ein Teilbörsengang des Asset Managements zusätzliche Mittel in die Kasse spülen. „Diese Schritte sind abhängig vom Marktumfeld und der Zustimmung des Vorstands und des Aufsichtsrats. Bislang sind keine Entscheidungen getroffen“, heißt es in der Pflichtmitteilung.
Darüber hinaus plant die Bank nach Informationen aus Finanzkreisen eine Neuordnung ihrer Führungsspitze, der Chef des Privat- und Firmenkundengeschäfts, Christian Sewing sowie Finanzchef Markus Schenck sollen als stellvertretende Co-Vorstandschefs ernannt werden. Damit soll auch ein Teil der Last des Konzernumbaus von Vorstandschef John Cryan genommen werden. Gerüchte über eine Amtsmüdigkeit Cryans wurden in Finanzkreisen allerdings dementiert.
In Zukunft wird das Frankfurter Geldhaus nach Informationen des Handelsblatts aller Voraussicht nach aus drei großen Bereichen bestehen: Aus dem Privat- und Firmenkundengeschäft inklusive der Betreuung vermögender Kunden und der integrierten Postbank, dazu kommt das Asset Management, das mit einem Minderheitsanteil an die Börse gebracht werden soll, und das Investmentbanking, das wieder in eine Sparte zusammengelegt werden soll. Nachdem das Beratungsgeschäft rund anderthalb Jahre vom wichtigen Wertpapierhandel getrennt war, sollen die beiden Bereiche nun wieder vereint werden und vom bisherigen Finanzchef Schenck und Vorstandsmitglied Garth Ritchie gemeinsam geleitet werden. Ritchie ist bislang für den Handel verantwortlich, der bisherige Chef des Beratungsgeschäfts, des Zahlungsverkehrs und des Geschäfts mit Großkunden, Jeff Urwin, wird voraussichtlich aus der Bank ausscheiden.

Im vergangenen Herbst musste sich die Deutsche Bank noch gegen Gerüchte über eine Staatsrettung wehren, weil die Anleger fürchteten, dass eine Strafandrohung des US-Justizministeriums das Geldhaus finanziell überfordern könnte. Vom Rekordtief von 9,90 Euro hat sich der Kurs aber inzwischen auf rund 19 Euro erholt. Damit ist es für das Institut wieder leichter, eine große Summe am Kapitalmarkt einzusammeln. Der größte Aktionär Katar hatte dafür in der Vergangenheit auch schon Unterstützung signalisiert. Und auch die unlängst neu eingestiegene chinesische HNA-Gruppe dürfte wohl mitziehen.
Die letzte große Kapitalmaßnahme ist noch nicht einmal drei Jahre her — damals sammelte die Bank 8,5 Milliarden Euro ein. Allein der Großaktionär Katar steuerte mehr als 2,2 Milliarden bei. Für die Käufer war das ein schlechtes Geschäft: Die neuen Aktien kosteten damals 22,50 Euro.
Bis Ende des vergangenen Jahres kletterte die harte Kernkapitalquote der Deutschen Bank zwar auf 11,1 Prozent, Cryan hat seinen Aktionären aber bis Ende 2018 eine Quote von 12,5 Prozent versprochen, und JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein glaubt, dass am Ende sogar 13,75 Prozent nötig sein könnten, um allen Anforderungen der Regulierer gerecht zu werden. Seit Ende der Finanzkrise hat die Deutsche Bank hat die Deutsche Bank bereits knapp 24 Milliarden Euro bei ihren Aktionären eingesammelt, gleichzeitig musste die Bank aber auch rund 15 Milliarden Euro für die Aufarbeitung der zahlreichen Skandale der Vergangenheit ausgeben. Im vergangenen Dezember einigte sich das Geldhaus mit dem US-Justizministerium auf einen Vergleich von 7,2 Milliarden Dollar für faule Hypothekengeschäfte aus der Ära vor der Finanzkrise, nach dem die US-Behörde zunächst 14 Milliarden Dollar gefordert hatte und die Bank damit in eine tiefe Vertrauenskrise stürzte.

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Die früheren Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen hatten die Privatkundentochter Postbank im Frühjahr 2015 zum Verkauf gestellt. Doch angesichts der chronischen Niedrigzinsen unter denen alle Banken leiden, hatte sich kein Käufer für die Bonner Tochter gefunden, der bereit war, einen Preis zu bezahlen, der für die Deutsche Bank nicht zusätzlichen Abschreibungsbedarf in Milliardenhöhe bedeutet hätte. Aber auch die vollständige Integration in den Konzern kostet die Bank viel Geld und bedeutet dauerhaften zusätzlichen Kapitalbedarf. Das ist einer der Gründe für die neue hohe Kapitalerhöhung. Stattdessen soll nun ein Teilbörsengang des Asset Managements helfen die Kapitalpolster aufzufüllen. Im Asset-Management fiel im vergangenen Jahr vor allem wegen Abschreibungen ein Verlust von 204 Millionen Euro an. Gleichzeitig zogen die Anleger 41 von über 750 Milliarden Euro ab. Normalerweise zählt die Sparte aber zu den stabilen Gewinnbringern der Bank. Die Deutsche Bank wäre nicht das erste Kreditinstitut, das sich über seine Vermögensverwaltungstochter finanziell Spielraum verschafft: Mitte Dezember hatte die italienische Großbank Unicredit ihre Fondssparte Pioneer für gut 3,5 Milliarden Euro an den französischen Anbieter Amundi abgetreten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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