Medienmacher: Absatzbewegungen bei Media Impact

Medienmacher: Absatzbewegungen bei Media Impact

, aktualisiert 25. November 2016, 20:22 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Einem Vermarkter gehen wichtige Mandate flöten. Vier rebellische Verlage bekommen womöglich Zuwachs. Ein Streit eskaliert munter vor sich hin. Und ein Kolumnist wechselt zum direkten Wettbewerber.

HamburgDer Zeitungs- Zeitschriften- und Digitalvermarkter Media Impact, ein Joint Venture des Berliner Medienhauses Axel Springer und der Essener Funke Mediengruppe, ist im Begriff, einige nicht ganz unwichtige Mandate zu verlieren. Pikanterweise will Media-Impact-Gesellschafter Funke den Werbeverkauf der Digitalangebote seiner Tageszeitungen – unter anderem „Hamburger Abendblatt“, „WAZ“, „Berliner Morgenpost“, „Braunschweiger Zeitung“ – dem Digital-Vermarkter OMS übertragen, der zum Portfolio der ursprünglich auf Außenwerbung spezialisierten Ströer-Gruppe gehört. Doch damit nicht genug: Die Funke-Gruppe hat zudem vor, die Anzeigen, die Handelskunden in den Printausgaben ihrer Tageszeitungen schalten wollen, künftig ausschließlich von der Score Media Group und nicht länger von Media Impact verkaufen zu lassen. Ein Funke-Sprecher bestätigt auf Anfrage beide Vorhaben, fügt aber auch hinzu: „Mit der Vermarktung der Angebote der Print-Ausgaben unserer Tageszeitungen für Markenartikler und Dienstleister durch Media Impact sind wir sehr zufrieden. Für diesen Kundenkreis wird Media Impact auch in Zukunft zuständig sein.“

Genau dies wird aber in Branchenkreisen massiv bezweifelt. Funke werde Media Impact mittelfristig die Vermarktung seiner Tageszeitungen komplett entziehen, heißt es. Die Essener soll stören, dass das Joint Venture, bei dem sie nur Juniorpartner sind, sich vor allem um die Vermarktung von Springers Cashcow „Bild“ kümmere. Nicht betroffen von den Rückzugsplänen Funkes sind die Zeitschriften des Konzerns („Hörzu“, „Bild der Frau“ etc.), die auch künftig von Media Impact vermarktet werden.

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Das Gemeinschaftsunternehmen wurde im Rahmen des sogenannten Springer-Funke-Deals gegründet, dessen Kernstück der Verkauf mehrerer Zeitschriften sowie der Regionalblätter „Hamburger Abendblatt“ und „Berliner Morgenpost“ für 920 Millionen Euro durch das Berliner Medienhaus an die Westdeutschen war. Vereinbart wurde auch die Gründung eines Vermarktungs-Joint-Ventures. Allerdings verbot das Bundeskartellamt Funke, seine Titel exklusiv von Media Impact vermarkten zu lassen, weshalb Wettbewerber Score Media, der sich künftig um die Handelskunden der Mediengruppe kümmern wird, auch heute schon einige Anzeigen der Essener verkauft. Zur Gründung eines ebenfalls geplanten Vertriebs-Joint-Ventures kam es wegen Bedenken der Wettbewerbshüter nicht. Bei Axel Springer wollte sich niemand offiziell in der Angelegenheit äußern.

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Die Allianz der Hamburger Häuser Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“), „Spiegel“, „Zeit“ sowie des Münchener Medweth-Verlags („Madame“, „Jolie“), die den Fachverband Publikumszeitschriften (PZ) des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) zum 1. Juli verlassen will, könnte Zuwachs bekommen. Wie es in Branchenkreisen heißt, kokettiert der Jahreszeiten Verlag („Für Sie“, „Merian“) damit, sich der lockeren Verbindung der vier Medienhäuser anzuschließen. Der zur Hamburger Ganske Gruppe gehörende Zeitschriftenverlag lässt den Vertrieb seiner Blätter von Gruner + Jahr besorgen. Zudem verlegt Ganskes Buchverlag Hoffmann und Campe die Bücher von Bestsellerautor Ulrich Wickert, dem Ehemann von G+J-Chefin Julia Jäkel. Dass der Jahreszeiten-Verlag mit dem Prozedere unzufrieden ist, das zur Wahl des neuen VDZ-Präsidenten Stephan Holthoff-Pförtner führte und den angekündigten PZ-Austritt der drei Hamburger Häuser und des Medweth-Verlags zur Folge hatte, gilt in Verbandskreisen als offenes Geheimnis.

Dennoch sagt Jahreszeiten-Verlags-Geschäftsführer Peter Rensmann auf Anfrage: „Unser Haus ist und bleibt sowohl auf regionaler Ebene als auch im Fachverband Mitglied des VDZ.“ Er fügt allerdings hinzu: „Wir werden uns auch künftig für die Qualität von Zeitschriften als Werbeträger sowie für die Einzigartigkeit der Gattung Print einsetzen – und zwar innerhalb wie außerhalb des Verbandes.“ Dies könnte so zu verstehen sein, dass der Jahreszeiten Verlag zwar VDZ-Mitglied bleibt, sich aber trotzdem – außerhalb des Verbandes – der Allianz der vier Rebellen-Verlage anschließt. Das Quartett hat bereits angekündigt, „ausgewählte Diskursplattformen mit Businesspartnern und Politik“ schaffen zu wollen.
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Wie Bernhard Burgener sich ohne sein Wissen selbst verklagte

Die Auseinandersetzung über die Zukunft der Constantin Medien überschattete vergangenen Mittwoch auch das Eigenkapitalforum in Frankfurt. Bekanntlich streiten die beiden Hauptaktionäre Dieter Hahn und der Schweizer Bernd Burgener darüber, ob – wie von Hahn gewünscht – Constantin sich künftig komplett auf das Sportgeschäft konzentrieren und die Tochter Constantin Film verkauft werden soll. Burgener lehnt das ab. Auf der Hauptversammlung Anfang November wurden Hahns Pläne dennoch durchgewunken – was allerdings nur deshalb möglich war, weil Versammlungsleiter Franz Enderle von der Münchener Kanzlei Bub Gauweiler Burgener von der Abstimmung ausgeschlossen hatte.

In Frankfurt ging Constantin-Medien-CEO Fred Kogel bei der Präsentation seines Unternehmens nur kurz auf die Streitereien ein. Er rechne mit Anfechtungsklagen gegen den Beschluss der Hauptversammlung, sagte er. Die Entscheidung selbst unterstützt Kogel. Die Abspaltung des Filmgeschäfts werde bereits seit über einem Jahr vorbereitet. Durch den Beschluss der Hauptversammlung würden teure Doppelstrukturen beseitigt.

Damit spielte Kogel auf die von Burgener geleitete börsennotierte Constantin-Medien-Tochter Highlight Communications an, zu der die Constantin Film ebenso gehört wie die Sportrechteagentur Team. Highlight Communications präsentierte sich ebenfalls in Frankfurt. Burgener sagte, dass er mit einer langen gerichtlichen Auseinandersetzung rechne. Zwar habe sich die Kanzlei Bub Gauweiler als Mediator angeboten. Auf deren Dienste könne er aber nach dem Stimmrechtsausschluss durch ihren Sozius Enderle auf der Hauptversammlung verzichten. Er wisse nach wie vor nicht, weshalb er ausgeschlossen worden sei.

Zudem erzählte Burgener, dass Bub Gauweiler im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit über einen von der Stella Finanz AG gewährten Kredit ihn durch sich selbst verklagen lassen wollte. In einem Schreiben an das Landgericht München vom 25. Oktober, das mir vorliegt, erhebt die Kanzlei im Namen der Constantin Medien „vertreten … durch den Vorstand Bernhard Burgener“ nicht nur gegen die Stella Finanz AG und das Bankhaus Julius Bär Klage, sondern auch gegen den Privatmann Bernhard Burgener. Dabei hatte Burgener den Vorstand der Constantin Medien bereits zum 1. Januar 2016 verlassen. Nach Ansicht des Gerichts gab es zudem auch als keinen Grund, Burgener in dieser Angelegenheit zu verklagen. Sein Name wurde von den Richtern aus der Liste der Beklagten entfernt.

In Frankfurt zeigte sich der Highlight-Communications-CEO auch besorgt darüber, dass sich der Streit negativ auf die Geschäfte seiner Firma auswirken könne. Er sagte, aufgrund einer Meldung, nach der „die Öffentlichkeit“ über einen Verkauf der Filmsparte „froh“ sei, hätten „Fernsehsender keine langfristigen Verträge mehr mit uns machen“ wollen. „Wir konnten das im letzten Moment einigermaßen retten.“ Er hoffe, diese Rettung habe Bestand. „Sonst werden wir die Verantwortlichen persönlich in die Pflicht nehmen.“ Damit war wohl sein Kontrahent Hahn gemeint.

Dass es tatsächlich Hahns Ziel ist, aus der Constantin Medien eine reine Sportfirma zu machen, wird von manchen Marktbeobachtern bezweifelt. Sie glauben trotz des durchaus glaubhaften Dementis des einstigen Adlatus' des Medienunternehmers Leo Kirch, er habe den Streit vom Zaun gebrochen, um sich von Burgener auszahlen zu lassen. Als Begründung führen sie die zahlreichen Hiobsmeldungen an, die Constantins Sport-Geschäft zuletzt verkraften musste. Constantins Sportproduzenten Plazamedia ging mit Sky der wichtigste Kunde von der Fahne. Der konzerneigene Sender Sport1 verlor nicht nur die Rechte an der Übertragung des Montagsspiels der Zweiten Fußball-Bundesliga, die digitalen Hörfunkrechte an den Spielen des deutschen Fußballoberhauses sowie die Freitags- und Sonntagszusammenfassungen der Zweiten Liga. Diese Woche wurde auch bekannt, dass Sky, die ARD und das ZDF Sport1 die Übertragungsrechte an der Handball-Bundesliga abgejagt haben. Zudem könnte im Falle einer Neuordnung des Konzerns die UEFA ihren Vertrag mit Team kurzfristig kündigen. Die Sportrechteagentur vermarktet für den Verband die Rechte an der Champions League und an der Europa League. Sollte künftig Constantin Medien und nicht mehr Highlight Communications Gesellschafter der Team sein, könnte eine Change-of-Control-Klausel wirksam werden, die der UEFA ein Sonderkündigungsrecht ermöglicht.

Dagegen, dass Hahn nur blufft, spricht auch das Verhalten einiger enger Vertrauter. Zu ihnen gehört auch der PR-Mann Norbert Essing, der für die Öffentlichkeitsarbeit des Medienmanagers verantwortlich ist. Er hält ausweislich des Präsenzprotokolls der Hauptversammlung 544.209 Aktien der Constantin Medien, die knapp eine Million Euro wert sind. Er habe die Anteilsscheine gekauft, nachdem die Pläne für einen Umbau bekannt wurden, sagt er auf Anfrage. Das hätte er wohl kaum getan, wenn er von diesen Plänen nicht überzeugt wäre. Denn darauf, dass Burgener ihn auszahlt, braucht Essing nicht zu hoffen. Um bei Constantin durchregieren zu können, benötigt der Schweizer zwar den 30-Prozent-Anteil von Hahn, nicht aber Essings Aktien.
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Der Moderator, Schriftsteller und Journalist Jörg Thadeusz wird neuer Kolumnist des „Hamburger Abendblatts“ und der „Berliner Morgenpost“. Der 48-Jährige wird vom 3. Dezember an im Wochenrhythmus für die beiden Blätter der Funke Mediengruppe schreiben. Pikant an der Sache ist, dass der Grimme-Preisträger bis vor zwei Wochen eine Kolumne mit dem Titel „Lieber Herr Thadeusz“ für den direkten „Morgenpost“-Wettbewerber „Berliner Zeitung“ verfasste. Diese Kolumne erschien auch in der „Frankfurter Rundschau“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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