Medienmacher: Bauern verzögern Zeitungskooperation

Medienmacher: Bauern verzögern Zeitungskooperation

, aktualisiert 19. August 2016, 15:23 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Warum sich eine von Verlagen erhoffte Gesetzesnovelle verzögert. Wie die Bertelsmann-Stiftung sich in Österreich ins Gespräch bringt. Und weshalb ein digitales Sonntagsblatt seinen Umfang erweitert.

HamburgDas Vorhaben der Berliner Abonnementzeitungen „Tagesspiegel“, „Berliner Zeitung“ und „Berliner Morgenpost“ verstärkt miteinander zu kooperieren, verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Um die gemeinsame Zusammenarbeit zu intensivieren, sind die Blätter zwingend auf die Novellierung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) angewiesen. Die bisherige Gesetzeslage lässt eine Kooperation, wie sie sich die drei Zeitungen vorstellen, nicht zu. Nach ihren Plänen soll die künftige Zusammenarbeit – von der Vermarktung bis zum Vertrieb – praktisch auf allen Feldern möglich sein, die nichts mit der Redaktion zu tun haben.

Mit Verweis auf die GWB-Novellierung hatte Christoph Bauer – Vorstandsvorsitzender der DuMont Mediengruppe, in der die „Berliner Zeitung“ erscheint – kürzlich gesagt: „Wir werden den Herbst abwarten müssen, wie sich die Rahmenbedingungen da entwickeln.“ Dabei bezog er sich auf den bisherigen Zeitplan. Demnach hätte die Bundesregierung bereits am 3. August einen Kabinettsbeschluss zur geplanten GWB-Novelle fassen müssen. Die zweite Lesung des Gesetzentwurfes im Bundestag war für den 10. beziehungsweise 11. November vorgesehen. Die endgültige Verabschiedung durch den Bundesrat hätte dann am 25. November, spätestens aber am 16. Dezember erfolgen sollen.

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Dieser Zeitplan ist nun jedoch Makulatur. Einen Kabinettsbeschluss zu dem Vorhaben ist nicht in Sicht. Zwar wäre es theoretisch möglich, dass auch bei einer späteren Beschlussfassung des Kabinetts die Termine für die Lesungen im Parlament eingehalten werden. Doch im konkreten Fall ist das mehr als unwahrscheinlich: Der Deutsche Bauernverband will nun noch auf den letzten Drücker erreichen, dass in eine novellierte Fassung des GWB auch Regelungen aufgenommen werden, die „den Missbrauch von Marktmacht im Lebensmittelhandel“ verhindern. Dieses Vorhaben wird von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und der Bundestagsfraktion der Union unterstützt, die den bisherigen Entwurf der Novelle überarbeiten wollen. Das kann dauern. Einen neuen Zeitplan für die Verabschiedung der GWB-Novelle gibt es nach Auskunft des federführenden Bundeswirtschaftsministeriums jedenfalls nicht.

Für die drei Hauptstadtblätter ist das misslich. Sie versprechen sich von der geplanten Kooperation erhebliche Einsparungen, die erforderlich seien, um auf dem Berliner Zeitungsmarkt überleben zu können, der als der schwierigste in Deutschland gilt.

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Der österreichische PR-Coup der Bertelsmann Stiftung

Dass der Bertelsmann Stiftung in puncto Öffentlichkeitsarbeit kaum einer etwas vormacht, ist bekannt. Doch was ihren PR-Leuten diesen Donnerstag in Österreich gelang, ist dennoch höchst ungewöhnlich: Die beiden führenden Qualitätszeitungen der Alpenrepublik machten zeitgleich auf der Titelseite mit Untersuchungen der Ostwestfalen auf: „Österreich ist reformunfähig“, titelte die „Presse“ und „Das politische System ist laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung weniger zukunftsfähig als jenes der Nachbarländer Schweiz und Deutschland“, hieß es in der Unterzeile. „Kein EU-Land hat Erfolg bei Integration am Arbeitsmarkt“, lautete am selben Tag das Titelthema des „Standard“. Eine „Bertelsmann-Studie“ sehe „keine gelungene Strategie, die Flüchtlingen Jobs verschafft“.

Der offenbar sorgfältig eingefädelte PR-Coup – beiden Zeitungen wurden die Studien vor ihrer offiziellen Vorstellung zugespielt – kam für Wolfgang Schüssel zum genau richtigen Zeitpunkt. Der ehemalige österreichische Bundeskanzler ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied der Bertelsmann Stiftung und damit so etwas wie ihr Österreich-Statthalter. Er moderiert diesen Freitag den 15. Salzburger Trilog der Stiftung. Dabei trifft sich, wie es auf der Stiftungs-Website heißt, „ein kleiner Kreis internationaler Persönlichkeiten“. Die illustre Runde diskutiert dieses Jahr das Thema „Nachbarschaftspolitik und regionale Integration“. Die Ergebnisse der Diskussion werden anschließend in der sogenannten „Salzburger Empfehlung“ zusammengefasst. Sie wird „an die Europäische Kommission, den Rat der Europäischen Union und deren Mitgliedstaaten versendet“.

Wer da aber nun genau was im Tagungsort Mozarteum empfiehlt, bleibt im Dunkeln. Geheimhaltung wird beim Salzburger Trilog groß geschrieben: „Den Teilnehmern ist die freie Verwendung der erhaltenen Informationen unter der Bedingung gestattet, dass weder die Identität noch die Zugehörigkeit von Rednern oder anderen Teilnehmern preisgegeben werden dürfen“, heißt es in der Einladung. Der tieferen Sinn dieser Vorschrift erschließt sich nicht.

Eigentlich sollte in demokratisch verfassten Gemeinwesen Transparenz für Prozesse, die zu politischen Handlungsempfehlungen führen, selbstverständlich sein. Beim Salzburger Trilog geht es aber offenbar auch so. „Ich bin überzeugt, dass es genau solche Initiativen und Netzwerke sind, die unseren politischen Entscheidungsträgern und staatlichen Institutionen dringend benötigte neue Impulse zutragen“, schreibt zumindest Bertelsmann-Patriarchin Liz Mohn über die Veranstaltung ihrer Stiftung in ihrem Buch „Schlüsselmomente“. In den vergangenen Jahren hatte sie es sich nicht nehmen lassen, selbst teilzunehmen.

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Offenbar recht gut läuft die erst Anfang Juni gestartete digitale Sonntagsausgabe der in der Funke Mediengruppe erscheinenden Blätter „WAZ“, „NRZ“, „Westfalenpost“ und „Westfälische Rundschau“. Sie erhält ab der am 21. August erscheinenden Ausgabe eine neue Struktur und wird um acht Seiten erweitert. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers erreicht das Zeitungshaus mit dem Sonntagsblatt 70.000 Leser. Das übertreffe alle Erwartungen. Eine Umfrage habe ergeben, dass sich die Leser „mehr Regionales, Sport und Service“ wünschten. Dem trage man mit den neuen Seiten Rechnung.

Die Sonntagsausgabe von Funkes in Nordrhein-Westfalen erscheinenden Blättern gibt es ausschließlich in digitaler Form. Womöglich lässt sich dieses Modell auch auf andere Standorte der Funke-Gruppe übertragen – etwa auf ihre in Hamburg, Thüringen oder Niedersachsen erscheinenden Zeitungen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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