Medienmacher: Der CSU-Macho und der ZDF-Verwaltungsrat

Medienmacher: Der CSU-Macho und der ZDF-Verwaltungsrat

, aktualisiert 16. September 2016, 14:32 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Warum Horst Seehofer dem Zweiten an den Karren fährt. Wer Nachfolgerin der ehemaligen NDR-Kulturchefin Patricia Schlesinger wird. Und worüber Burda mit Pro Sieben Sat 1 spricht.

HamburgDas medienpolitische Thema der vergangenen Woche war die Forderung des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, das ZDF mit der ARD zusammenzulegen. Neu ist dieser Vorschlag nicht. Bemerkenswert ist aber, dass er von einem amtierenden Mitglied des ZDF-Verwaltungsrats kommt. Die Interpretationsversuche zu Seehofers Vorstoß schwankten – je nach politischem Standpunkt – zwischen Anbiederung an medienpolitische Vorstellungen der AfD und ehrlicher Sorge um die Finanzierbarkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Im ZDF selbst gibt es noch einen dritten Erklärungsansatz. Er hat mit gekränkter Eitelkeit zu tun. Denn so wie es derzeit aussieht, ist Seehofer die längste Zeit ZDF-Verwaltungsrat gewesen. Wegen des Inkrafttretens des neuen ZDF-Staatsvertrags – der alte verstieß laut eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts gegen die vom Grundgesetz vorgeschriebene Staatsferne des Senders – muss sich das Gremium neu konstituieren. Dies wird zwar erst zum 1. Juli 2017 erfolgen. Doch schon jetzt bringen sich die Ministerpräsidenten in Position.

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Dass Seehofer praktisch keine Chance auf eine Verlängerung seiner Amtszeit hat, hat nichts damit zu tun, dass sich die Zahl der Ländervertreter im ZDF-Verwaltungsrat von bisher fünf auf vier verringern wird. Dies wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf Kosten der SPD-regierten Länder gehen, die bisher mit den ehemaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck (Rheinland-Pfalz) und Matthias Platzeck (Brandenburg) sowie dem Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz in dem Gremium vertreten sind. Misslich für den Bayern ist vielmehr, dass es im neuen ZDF-Staatsvertrag eine sogenannte „Soll-Bestimmung“ gibt, nach der die Länder angehalten sind, ebenso viele Frauen wie Männer in den Verwaltungsrat zu entsenden. Auch wenn diese Bestimmung rechtlich nicht bindend ist, gilt es als ausgeschlossen, dass die Länder von ihr abweichen.

Die SPD wird an der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer als Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder nicht vorbeikommen. Gesetzt dürfte auch der Hamburger Scholz sein, der medienpolitisch als besonders kompetent gilt. Folglich müsste die Union ebenfalls eine Frau nominieren. Hier läuft es auf die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kamp-Karrenbauer hinaus. Favorit den zweiten Posten der unionsregierten Länder ist der Sachse Stanislaw Tillich, der amtierende stellvertretende Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrat.

Selbst wenn Tillich von heute auf morgen das Interesse an der Gremienarbeit verlöre, wäre kaum vorstellbar, dass Seehofer sein Nachrücker würde. Es gibt in der Union noch andere Interessenten, wie etwa den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, die weder als Quertreiber gelten, noch – anders als der machtbewusste CSU-Macho – Kanzlerin Angela Merkel das Leben schwermachen. Dass Seehofer nichts dabei findet, als ZDF-Verwaltungsratsmitglied die Existenzberechtigung des Senders in Frage zu stellen, hat vor diesem Hintergrund eine gewisse innere Logik. Offenbar hat er mit seiner Mitgliedschaft in dem Gremium längst abgeschlossen.

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Burda und Pro Sieben Sat 1 loten Kooperation aus

Bleiben wir bei den Öffentlich-Rechtlichen: Beim NDR hat man endlich eine Nachfolgerin für die ehemalige Kulturchefin Patricia Schlesinger gefunden, die zum 1. Juli als Intendantin zum RBB wechselte. Wie es in Kreisen von Gremienmitgliedern des Senders heißt, waren zuletzt noch zwei Kandidatinnen im Rennen: Friederike Krumme, Leiterin des NDR-Gesundheitsmagazins „Visite“ sowie Katja Wildermuth, Chefin der Redaktion Geschichte und Gesellschaft beim MDR. Offenbar wird NDR-Intendant Lutz Marmor in den nächsten Tagen, womöglich bereits diesen Freitag, seinem Verwaltungsrat Wildermuth als neue Kulturchefin vorschlagen. Die Wahl der MDR-Frau durch das Gremium gilt als sicher.

Die promovierte Historikerin verantwortet in ihrer derzeitigen Position die Produktion von Dokumentationen, Doku-Dramen und Features für den MDR, die ARD und Arte. Sie ist ebenfalls zuständig für internationale Co-Produktionen. In der Vergangenheit arbeitete Wildermuth auch als Autorin und Regisseurin. Vor ihrem Wechsel zum Fernsehen war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin der Universität München. Zu ihrer geplanten Berufung zur Leiterin des NDR-Programmbereichs Kultur und Dokumentation wollte sich der Sender offiziell nicht äußern.

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Das Medienhaus Hubert Burda Media („Focus“, „Bunte“) und die Pro Sieben Sat 1 Media SE loten gemeinsame Kooperationsmöglichkeiten aus. Während der TV-Konzern jeden Kommentar zu dem Thema ablehnt, bestätigt ein Burda-Sprecher auf Anfrage entsprechende Gespräche. Dabei soll es prinzipiell um alle Geschäftsfelder gehen, auf denen eine Zusammenarbeit sinnvoll erscheint.

Ende Juni hatten das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“) und die IP Deutschland, die Vermarktungsorganisation von RTL Deutschland, die Gründung des Crossmedia-Vermarkters Ad Alliance bekannt gegeben, der Anfang 2017 seine Arbeit aufnehmen soll. Beide Joint-Venture-Partner gehören zum Medienkonzern Bertelsmann. Über Vermarktung sollen auch Burda und Pro Sieben Sat 1 sprechen. Allerdings steht das Thema nicht im Fokus der Gespräche, wie es in Unternehmenskreisen heißt. Da es sich bei den Gesprächspartnern um zwei verschiedene Konzerne handele, sei die Gründung einer mit der Ad Alliance vergleichbaren gemeinsamen Vermarktungseinheit ausgeschlossen.

Auf Burda-Seite soll Hans Fink die Gespräche führen. Er ist Geschäftsführer der Burda Studios Pictures GmbH („Focus TV“), in der das Medienhaus seine Bewegtbild-Aktivitäten gebündelt hat. Wie auch sein Co-Geschäftsführer Guido Bolten ist Fink ein ehemaliger Pro-Sieben-Sat-1-Manager.

Die Zeiten, in denen Burda-Vorstand Philipp Welte, zu dessen Ressort Burda Studios gehört, geklagt hatte, „Die Panzer der TV-Vermarkter rollen völlig ungestraft durch unseren Vorgarten und versuchen, uns aus dem Markt zu bomben“, sind längst vorbei. Nun sucht das Medienhaus offenbar den Schulterschluss mit zumindest einer Sendergruppe, um seine Bewegtbildtochter zu stärken.

Quelle:  Handelsblatt Online
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