Medienmacher: Dieter Hahn expandiert in die Schweiz

Medienmacher: Dieter Hahn expandiert in die Schweiz

, aktualisiert 02. Dezember 2016, 16:59 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Die KF15 GmbH hat einen Ableger in Luzern. Journalisten der „Süddeutschen Zeitung“ werben für eine PR-Firma. Und der CEO der DuMont Mediengruppe will einen Termin festlegen, an dem sein Haus ohne Print überleben kann.

HamburgIn der in München ansässigen KF 15 GmbH haben die Manager Dieter und Wolfgang Hahn sowie der Rechtsanwalt Bernd Kuhn ihre unternehmerischen Aktivitäten gebündelt. Das Trio stand einst in Diensten des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch. Als dessen Adlatus galt Dieter Hahn, der nach der Pleite der Kirch-Gruppe zusammen mit Kirch die Vorgängerfirma KF 15 Management GmbH & Co. KG gründete. Dieter Hahn ist mit 85 Prozent der Anteile auch der Hauptgesellschafter der heutigen KF 15 GmbH. Sie ist investiert in die Wittener Bitop AG, ein Unternehmen der Kosmetik- und Pharmaindustrie, sowie in ein Golfresort in Mexiko. Vor allem aber zählt die KF 15 GmbH zu den Hauptgesellschaftern der Constantin Medien AG (Constantin Film, Sport1).

Von der Öffentlichkeit gänzlich unbemerkt hat die Münchener Firma bereits im April 2015 eine Dependance in der Schweiz eröffnet, die KF 15 Suisse AG mit Sitz in Luzern. Es handele sich bei der Firma um eine Vorratsgesellschaft, sagt ein KF-15-Sprecher. Sie sei ursprünglichen im Zusammenhang mit Dieter Hahns Interesse am Einstieg in die Formel 1 gegründet worden. Tatsächlich wurde im Juni 2015 gemeldet, Hahn wolle gemeinsam mit dem Emirat Katar und dem US-Investor Stephen Ross den internationalen Rennzirkus übernehmen.

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Die Gründung der KF 15 Suisse steht aber auch im zeitlichen Zusammenhang mit einem anderen Ereignis, das für ihre Gesellschafter nicht ganz unwichtig ist: Im November 2015 wurde erstmals schriftlich festgehalten, wie eine Neuordnung der Constantin Medien aussehen könnte. Bekanntlich verfolgt Dieter Hahn den Plan, die Constantin Film abzuspalten. Constantin Medien soll sich ganz auf das Sport-Geschäft konzentrieren. Während die Sendergruppe Sport1 und der Sportproduzent Plazamedia keine großen Profite abwerfen, gilt der Sportrechtevermarkter Team als die Cashcow des Unternehmens. Die Team sitzt, zufälligerweise, ebenso wie die KF 15 Suisse in Luzern. Auf sie hat Hahn ein Auge geworfen. Allerdings ist im verschachtelten Reich der Constantin Medien der Sportrechtevermarkter der Zwischenholding Highlight Communications zugeordnet. Deren CEO ist Hahns Gegenspieler Bernhard Burgener, der zweite Hauptaktionär des Medienkonzerns. Er lehnt eine Aufspaltung strikt ab und dürfte die Team kaum herausrücken. Oder geht da vielleicht doch etwas? Auf der Hauptversammlung der Constantin Medien wurde gemutmaßt, die Raison d’Être der KF 15 Suisse sei ein Einstieg bei Team. Das weist der KF-15-Sprecher als unzutreffend zurück.

Aber warum braucht das Unternehmen überhaupt eine Schweizer Vorratsgesellschaft? Die Sache mit dem Kauf der Formel 1 hat sich längst erledigt. Sie geht an das US-Unternehmen Liberty Media. Hahn und seine Mitstreiter gingen leer aus. Liquidiert wurde die KF 15 Suisse deswegen aber nicht: Im September diesen Jahres meldete sie dem Schweizer Handelsregister Veränderungen in der Zusammensetzung ihres Verwaltungsrats sowie einen Umzug. Statt wie bisher in der Zentralstraße 44 residiert sie nun am Kapellplatz 1.

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Anfang Augst gab der Süddeutsche Verlag, in dem die „Süddeutsche Zeitung (SZ)“ erscheint, die Gründung der Verlagstochter SZ Scala bekannt. Die Firma bietet Unternehmen Corporate Publishing ebenso an wie PR, Seminare sowie Beratung. Sie startete mit dem vollmundigen Versprechen, ihren Kunden die Kompetenz aller Verlagsabteilungen zugänglich zu machen.

Auf den neuen Wettbewerber reagierte die Konkurrenz leicht verschnupft. Die „SZ“ habe „in der Vergangenheit stets Redaktionelles und Kommerzielles getrennt“, gab etwa Andreas Fischer-Appelt, Vorstand der PR-Agentur Fischer Appelt, zu bedenken. „Gerade die Trennung der Geschäftsmodelle ist für Verlage besonders sensibel und wichtig. PR sollten sie den PR-Agenturen überlassen.“ Und Thorsten Hebs von Serviceplan PR warf die Frage auf, „ob hier nicht der Bock zum Gärtner gemacht wird“. Der Spagat zwischen Dienstleistung und verlagsunabhängigen Services berge „zwangsläufig Konflikte. Auch wenn die Redaktion Stein auf Bein schwören wird, dass Agentur-Kunden keine Vorteile genießen.“


Vermarktet Ströer bald auch die Berliner Digitalangebote von DuMont?

Derlei Mahnungen haben die Verantwortlichen von SZ Scala offenbar wenig beeindruckt. In einer neuen Unternehmensbroschüre sind gleich drei von vier Testimonials Redakteure journalistischer Publikationen des Süddeutschen Verlags. Das Trio gehört nicht zur allerersten Garde: Weder „SZ“-Chefredakteur Kurt Kister noch Innenpolitikchef Heribert Prantl oder Investigativ-Papst Hans Leyendecker gehören zu ihm. Doch die drei, die in der Broschüre das SZ-Scala-Motto „Alles für eine gute Geschichte“ variieren, sind in Fachkreisen sehr bekannt und haben durchaus einen Namen zu verlieren: Der Social-Media-Chef der „SZ“ Dirk von Gehlen lächelt in die Kamera: „Eine gute Geschichte wird weitererzählt – egal ob beim Mittagessen oder in sozialen Medien.“ Jochen Kalka, Chefredakteur des im Süddeutschen Verlag erscheinenden Fachblatts „Werben & Verkaufen (W&V)“, findet: „Eine gute Geschichte ist die beste Strategie.“ Und die Chefin vom Dienst (CvD) der „SZ“ Alexandra Borchardt weiß: „Eine gute Geschichte bewegt – manchmal sogar die Welt.“

Die Motivation der drei Journalisten für SZ Scala zu werben ist recht unterschiedlich. Von Gehlen sagt, er werde demnächst für Kunden des PR-Unternehmens Social-Media-Kurse geben. Er findet dies ebenso wenig verwerflich wie sein Statement für die Firmenbroschüre. „Weder ,W&V‘ noch ich als Person arbeiten für SZ Scala“, bekundet dagegen Kalka. „Genau aus diesem Grund hat man mich mit einer wertneutralen Aussage zitiert.“ Borchardt beantwortete bis Redaktionsschluss eine schriftliche Anfrage nicht. SZ-Scala-Geschäftsleiter Carsten Matthäus, ein ehemaliger CvD der „SZ“, sagt, dass sie „nicht“ für sein Unternehmen arbeiten. Grundsätzlich sei es aber völlig in Ordnung, wenn Redakteure des Hauses für SZ Scala tätig würden. Solange sie für Kunden der PR-Firma nur Schulungen anböten und sie durch den Newsroom der „SZ“ führten, sei das völlig unproblematisch.

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Christoph Bauer, der CEO der DuMont Mediengruppe ("Kölner Stadt-Anzeiger", „Berliner Zeitung“) traut sich allerhand zu. In Rahmen des von ihm initiierten Projekts „Set the date“ will er das „Datum“ bestimmen, „zu dem DuMont ohne Print lebensfähig ist“. So steht es in dem internen Papier „Programm Digitalgeschäft 2016“, das dieser Kolumne vorliegt. Demnach will Bauer noch diesen Monat vorstellen, wie die Umsetzung des Projekts konkret aussehen wird. Vor dem Hintergrund der Umstellung von Print auf Digital soll es auch um Maßnahmen wie „Portfoliobereinigung“, „M&A“ – also Fusionen und Akquisitionen – sowie um „Neuproduktentwicklung“ gehen.

Aus dem Papier, das DuMont offiziell nicht kommentieren will, geht auch hervor, dass die Mediengruppe am Standort Berlin demnächst einen neuen Digitalvermarkter haben könnte. Noch lässt sie in der Hauptstadt ihre digitalen Angebote von der Unternehmenstochter Berlin Medien vermarkten. Nun hat DuMont ein Projekt aufgesetzt, mit dem Ziel „Ströer als Alternative in der lokalen Vermarktung“ zu testen. Seit der Übernahme des Digitalvermarkters OMS gilt Ströer als Marktführer im Segment der Digitalvermarktung von Regionalzeitungen. Vergangene Woche hatte diese Kolumne gemeldet, dass auch die Funke Mediengruppe („Hamburger Abendblatt“, „WAZ“) die digitale Vermarktung ihrer Tageszeitungen Ströer übertragen will. Bisher werden Funkes Blätter – digital wie analog – von Media Impact vermarktet, einem Funke-Joint-Venture mit Axel Springer.

Quelle:  Handelsblatt Online
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