Medienmacher: Droht dem Geschäftsführer des „Spiegel” Haft?

Medienmacher: Droht dem Geschäftsführer des „Spiegel” Haft?

, aktualisiert 14. Oktober 2016, 18:02 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Weshalb ein Nachrichtenmagazin sich mit seinem ehemaligen Personalchef herumschlägt und warum es für den Vorentscheid zum Eurovison Songcontest zwei unterschiedliche Internetseiten von verschiedenen Betreibern gibt.

HamburgDie juristische Auseinandersetzung zwischen dem Spiegel-Verlag und seinem ehemaligen Verlagsleiter und Personalchef Rolf-Dieter Schulz scheint sich zu einer unendlichen Geschichte auszuweiten. Mitte März hatte diese Kolumne gemeldet, dass der „Spiegel“, der sich von Schulz im vergangenen Jahr getrennt hatte, laut eines Urteils des Arbeitsgerichts Hamburg den Medienmanager wieder einstellen muss. Dieses Urteil hat der Verlag, wie eine Sprecherin auf Anfrage bestätigt, bis heute nicht umgesetzt. Sie begründet dies damit, dass ihr Haus Berufung beim Landesarbeitsgericht eingelegt habe.

Nach Ansicht der Richter am Arbeitsgericht ist das aber kein Grund, ihr Urteil nicht umzusetzen. Sie haben nun ein Strafgeld in Höhe von 15.000 Euro festgesetzt. Es wird fällig, sollte sich der Verlag weiterhin weigern, Schulz wiedereinzustellen. Ersatzweise wird „Spiegel“-Geschäftsführer Thomas Hass mit Zwangshaft gedroht. Gesiebte Luft wird Hass aber wohl kaum atmen müssen. Die Mittel des Nachrichtenmagazins dürften ausreichen, um die angedrohte Strafe zu bezahlen. Zudem kann der Verlag offenbar auch gegen diese Entscheidung des Arbeitsgerichts Rechtsmittel einlegen.

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Dennoch ist der Vorgang höchst ungewöhnlich. Verfahren wie das, das Schulz angestrengt hat, dienen in der Regel dem Zweck, eine etwaige Abfindung in die Höhe zu treiben. Meist einigen sich die Parteien außergerichtlich. Dass eine solche Auseinandersetzung in die nächsthöhere Instanz geht, ist die Ausnahme. Weshalb sich der „Spiegel“ von Schulz getrennt hat ist unklar. Offiziell hieß es Anfang Juli 2015 man wolle „die Führungsspitze verschlanken und die Verantwortlichkeiten neu ordnen“. Intern wird gemunkelt, Schulz habe in der Ära von Hass‘ Vorgänger Ove Saffe und der des ehemaligen „Spiegel“-Chefredakteurs Wolfgang Büchner, die in eine Führungskrise mündete, ungeschickt agiert. Der Frankfurter Arbeitsrechtler Peter Rölz, der Schulz vor Gericht vertritt, lehnte zu dem Vorgang jeden Kommentar ab.

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Das offizielle deutsche Portal zum Eurovision Songcontest (ESC) heißt www.eurovision.de und wird vom NDR verantwortet. Seit ein paar Wochen gibt es unter www.unser-song-2017.de allerdings eine zweite Website zum selben Thema. Sie gehört der TV-Produktionsgesellschaft Brainpool, die für den NDR den deutschen Vorentscheid zum europäischen Sängerwettstreit produziert. Wer an der Vorentscheidung teilnehmen will, kann sich aber nur über die Brainpool-Seite bewerben. Auf eurovision.de geht das nicht. Dort wird lediglich auf die Seite der Produktionsgesellschaft verlinkt.

Warum ist aber überhaupt eine von einer Privatfirma betriebene Internetseite erforderlich, bei der sich Kandidaten melden müssen, wollen sie an dem Wettbewerb eines öffentlich-rechtlichen Senders teilnehmen? Auch im NDR versteht das nicht jeder. „Die Adresse www.unser-song-2017.de soll gezielt Menschen erreichen, die nicht zu den klassischen Fans des ESC gehören und die mit der Seite www.eurovision.de nicht erreicht werden”, sagt eine NDR-Sprecherin. Weshalb diese Seite aber von Brainpool betrieben werden muss, erklärt sie nicht. Online-Rechte an den Beiträgen der Kandidaten würden, so die Sprecherin, durch die von Brainpool betriebene Seite allerdings nicht an die Produktionsfirma gehen. Generell lägen „alle Rechte” beim NDR. Einschränkungen könnten sich lediglich durch Plattenfirmen und Künstlerverträge der Kandidaten ergeben.

Beim diesjährigen ESC-Vorentscheid konnte der NDR die Songs des Vorentscheids auf dem offiziellen Eurovision-Youtube-Kanal nur kurze Zeit zeigen. Danach liefen sie auf dem Kanal Digster on Stage, der dem Musikkonzern Universal Music gehört. Wie diese Kolumne Ende September meldete, verhandelte der Sender noch bis vor kurzem mit Brainpool über die Online-Rechte am Vorentscheid.

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Was bedeutet Samsungs Handy-Desaster für Axel Springers App Upday?

Der Produktionsstopp des leicht entflammbaren Smartphones Samsung Galaxy Note 7 betrifft indirekt auch das Medienhaus Axel Springer („Bild”, „Welt”). Die von Springer produzierte Nachrichten-App Upday ist auf dem Gerät vorinstalliert. In der Unternehmenszentrale an der Berliner Axel-Springer-Straße sieht man die Probleme des Partners aber vergleichsweise gelassen. „Derzeit lassen sich die Auswirkungen des Produktionsstopps nur schwer einschätzen”, sagt eine Unternehmenssprecherin.

Tatsächlich soll in Deutschland, Frankreich, Polen und Großbritannien – also den Märkten, für die Springer Upday entwickelt hat – das Galaxy Note 7 noch kaum verkauft worden sein. In Deutschland sind angeblich nur wenige tausend Exemplare des Geräts über die Ladentheke gegangen. Das Galaxy Note 7 soll sich vor allem in Asien und in den USA gut verkauft haben. Weitaus dramatischer wäre es für Springer gewesen, wäre das Galaxy S7 in Flammen aufgegangen. Es ist in Europa ein Verkaufsrenner.

Grund zur Entwarnung gibt es für Springer dennoch nicht. Das Desaster um das Galaxy Note 7 könnte zumindest im Smartphone-Markt die gesamte Marke Samsung dauerhaft beschädigen. An diesen Partner ist Springer aber gebunden: Upday wurde exklusiv für Samsung entwickelt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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