Medienmacher: Ein Chefredakteurswechsel wirft Fragen auf

Medienmacher: Ein Chefredakteurswechsel wirft Fragen auf

, aktualisiert 22. Januar 2016, 15:40 Uhr
Bild vergrößern

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Unruhe bei Burda: Wie lange bleibt Helmut Markwort noch Herausgeber des „Focus“? Und was tut sich in der Chefredaktion der „Bunten“? Außerdem: Verliert Sky das Monopol an den Übertragungsrechten der Fußball-Bundesliga?

HamburgDie Ablösung von „Focus“-Chefredakteur Ulrich Reitz durch den bisherigen Chef der ostdeutschen Illustrierten „Super Illu“ Robert Schröder war das Medienthema der Woche. Bereits seit Herbst wurde über die Personalrochade im Medienhaus Hubert Burda Media gesprochen, in dem beide Blätter erscheinen. Insofern kann ausgeschlossen werden, dass Reitz ein höchst umstrittenes Titelbild von Anfang des Monats zum Verhängnis wurde.

Anlässlich der sexuellen Übergriffe vor dem Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht war auf dem „Focus“-Cover eine nackte weiße Frau zu sehen, deren Körper mit schwarzen Handabdrücken bedeckt ist. Auch die schlechte Auflagenentwicklung des Münchener Nachrichtenmagazins dürfte Reitz kaum den Job gekostet haben. Die Auflagenbilanz seines Nachfolgers Schneider bei der „Super Illu“ ist nicht besser. Einige im Verlag wollen wissen, mit der Berufung Schneiders solle ein Generationswechsel eingeleitet werden. Aber Reitz ist erst 55 und folglich noch längst nicht im Rentenalter.

Anzeige

Weshalb also riskiert man bei Burda, dass durch den bereits fünften (!) Chefredakteurswechsel seit 2010 – damals zog sich Magazingründer Helmut Markwort aus der Chefredaktion zurück – der „Focus“ weiter beschädigt wird? In Verlagskreisen heißt es, dem ebenso machtbewussten wie ehrgeizigen Print-Vorstand Philipp Welte habe es von Anfang an missfallen, dass sich „Focus“-Herausgeber Markwort mit seinem Kandidat Reitz für die Nachfolge von Jörg Quoos durchsetzte, der das Nachrichtenmagazin Ende August 2014 verließ.

Tatsächlich gilt Schneider als Gefolgsmann Weltes. Reitz wiederum, der Anfang der 90-er Jahre zum Gründungsteam des Magazins gehörte, kann bestens mit Markwort. Der 79-Jährige soll dafür gesorgt haben, dass der scheidende Chefredakteur den „Focus“ weiterhin nach außen repräsentieren und als Editor at Large für die Themengebiete Politik und Debatte verantwortlich sein wird.

Gleichwohl stärkt der Chefredakteurswechsel die Position Weltes im Verlag. Kann es sein, dass Markwort von den Machtkämpfen im Hause Burda genug hat? In seinem Umfeld heißt es, er wolle zum 8. Dezember 2016 sein Amt als „Focus“-Herausgeber niederlegen. An diesem Tag wird der verdiente Journalist 80 Jahre alt. Mit dem neuerlichen Chefredakteurswechsel beim „Focus“ habe der Rückzug aber nichts zu tun. Den Entschluss, das Nachrichtenmagazin zu verlassen, habe er schon vor längerer Zeit gefällt. Bei Burda möchte man sich dazu nicht äußern. Markwort selbst ließ eine an ihn gerichtete Anfrage unbeantwortet.

***

Während abzuwarten ist, ob Helmut Markwort den Entschluss, dem „Focus“ den Rücken zu kehren, in die Tat umsetzen wird – schließlich betrachtet er das Nachrichtenmagazin als sein Baby, für das er sich verantwortlich fühlt –, gilt eine andere Top-Personalie im Hause Burda als fix: Der Vertrag von „Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel läuft Mitte des Jahres aus. Die Lebensgefährtin Markworts, die dann 67 Jahre alt sein wird, will ihn nicht verlängern. In Verlagskreisen heißt es jedoch, dass sie auch nach Auslaufen ihres Arbeitspapiers noch ein paar Monate in der „Bunte“-Chefredaktion bleiben könnte, um für eine reibungslose Amtsübergabe zu sorgen.

Als aussichtsreiche Kandidatin für die Nachfolge Riekels gilt die stellvertretende „Bild“-Chefredakteurin Ulrike Zeitlinger. Ihr ist das Medienhaus Burda wohlbekannt: Sie diente ihm von 1997 bis 2001, unter anderem als Ressortleiterin der „Bunten“, und nochmals von 2005 bis 2014, als sie zuerst Chefredakteurin der „Freundin“ und anschließend Chefin von „Freundin Donna“ war. Bei Burda mag man sich zu der Personalie nicht äußern.

***


Wo läuft demnächst die Bundesliga?

Ursprünglich wollte das Bundeskartellamt bis Ende letzten Jahres über die Konditionen der Neuausschreibung der TV-Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) ab der Saison 2017/18 entschieden haben. Dann verschob man den Termin auf Ende Januar. Nun heißt es bei Verfahrensbeteiligten, mit einer Entscheidung sei erst in den ersten beiden Februarwochen zu rechnen.

Zu den strittigen Punkten gehört die mögliche Einführung einer sogenannten No Single Buyer Rule, wie sie etwa vom FC Bayern München, aber wohl auch von einigen potenziellen Bietern gefordert wird. Diese Regel besagt, dass die Live-Übertragungsrechte nicht nur an einen Interessenten gehen dürfen. Hierzulande überträgt – von dem ersten Spiel der Hin- und der ersten Partie der Rückrunde abgesehen, die auch im Ersten laufen, in der derzeitigen Diskussion aber keine Rolle spielen – ausschließlich Sky Deutschland die Fußball-Bundesliga live.

In Großbritannien, wo es die No Single Buyer Rule längst gibt, ist das anders: Dort zeigen sowohl Sky UK als auch die British Telecom die Begegnungen der Premier League. Der ab der kommenden Spielzeit geltende, für vier Jahre abgeschlossene Vertrag mit den beiden TV-Anbietern spült der Liga die Rekordsumme von 6,9 Milliarden Euro in die Kassen. Davon können deutsche Bundesligisten nur träumen. Der derzeitige Kontrakt, der ebenfalls eine Laufzeit von vier Jahren hat, garantiert den Vereinen „lediglich“ Einnahmen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro.

Wohl auch wegen der hohen TV-Erlöse der Premier League gilt Bayern-Präsident Karl-Heinz Rummenigge als glühender Befürworter der No Single Buyer Rule. In dieser Angelegenheit wurde er bereits beim Bundeskartellamt vorstellig. Interessanterweise vertritt die DFL, die selbst an einer Steigerung der TV-Einnahmen interessiert ist, eine andere Position als die Bayern. Hinter vorgehaltener Hand heißt es im Ligaverband, die Bajuwaren schätzten den deutschen Pay-TV-Markt falsch ein. Man könne froh sein, das es mit Sky Deutschland hierzulande überhaupt einen zahlungskräftigen Bieter für die Übertragungsrechte an der Bundeliga gebe. Folglich könne es nicht im Interesse der Liga sein, Sky Deutschland, das noch nicht lange schwarze Zahlen schreibt, durch den Entzug von Begegnungen zu schwächen.

Noch eine andere Sorge treibt die DFL um: Was, wenn die No Single Buyer Rule kommt und es nur zwei ernstzunehmende Bieter gibt? Dann hätte der kleinere der beiden kaum Anlass, ein gutes Angebot zu machen. Er wüsste ja, dass er ohnehin zum Zug kommt. So würde die Liga mit der neuen Regel womöglich weniger einnehmen als bisher.

Offiziell will sich keiner der Verfahrensbeteiligten zu dem Vorgang äußern. Doch nicht wenige von ihnen glauben, dass die No Single Buyer Rule kommt. Rummenigges Auftritt beim Bundeskartellamt, heißt es, habe die Wettbewerbshüter beeindruckt.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%