Medienmacher: „Fußball Bild” vor bundesweitem Launch

Medienmacher: „Fußball Bild” vor bundesweitem Launch

, aktualisiert 23. September 2016, 16:31 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Axel Springers Fußball-Blatt mit fünfstelliger Auflage im Testgebiet. Stefan Aust ohne TV-Film zum Konrad-Heiden-Buch. Funke-Blätter mit neuen Veranstaltungskalendern. Und der NDR noch ohne komplette Online-Rechte am ESC-Vorentscheid.

HamburgWenn von einer Zeitung oder einer Zeitschrift mehr als 75 Prozent der gedruckten Auflage ins Altpapier wandert, weil sie sich nicht verkaufen ließ, ist das normalerweise alles andere als ein Erfolg. Etwas anders liegen die Dinge im Fall von Axel Springers neuer täglicher Sportzeitung „Fußball Bild“. Das Medienhaus testet das Blatt derzeit in München und Stuttgart. 60.000 Exemplare werden täglich von „Fußball Bild“ gedruckt, das seit dem 26. August, dem Beginn der neuen Bundesligasaison, an den Kiosken im Testgebiet liegt. Wie es in Unternehmenskreisen heißt, lag die verkaufte Auflage zunächst bei nur 7.000 Exemplaren. Das lag wohl im Wesentlichen daran, dass in Baden-Württemberg die Sommerferien erst am 10. September und die in Bayern erst am 12. September endeten.

Mittlerweile soll sich die verkaufte Auflage des Blattes im fünfstelligen Bereich bewegen. Nach Angaben von Wettbewerbern, die das neue Springer-Angebot mit Argusaugen beobachten, gehen von „Fußball Bild“ bis zu 20.000 Exemplare über den Ladentisch. Gemessen an der Druckauflage ist das zwar immer noch nicht viel, für Springer allerdings mehr als genug: Wie es in dem Medienhaus hinter vorgehaltener Hand heißt, müsste die Fußballzeitung bundesweit eine Auflage von 100.000 verkauften Exemplaren erzielen, um profitabel zu sein. Da auf München und Stuttgart in etwa neun Prozent des Vertriebsgebiets der großen Schwester „Bild“-Zeitung entfallen, sollten im Testgebiet bereits 9.000 verkaufte Exemplare der „Fußball Bild“ genügen, um einen bundesweiten Rollout ins Auge zu fassen. Diese Marke hat das Blatt bereits deutlich übertroffen.

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Dem Vernehmen nach will der Vorstand im November über einen bundesweiten Start entscheiden. Sollte der Daumen nach oben gehen, könnte es mit Beginn der Bundesliga-Rückrunde am 27. Januar 2017 losgehen. Ob der bundeweite Rollout dann sofort oder wegen womöglich noch nicht verfügbarer Druckkapazitäten schrittweise erfolgen würde, ist noch unklar.

Sollte Springer „Fußball Bild“ tatsächlich in ganz Deutschland herausbringen, würde dem Verlag etwas gelingen, was bisher als unmöglich galt. Zwar gibt es in romanischen Ländern erfolgreiche Fußball- und Sporttageszeitungen wie etwa „Marca“ (Spanien), „L’Équipe“ (Frankreich) oder die „Gazzetta dello Sport“ (Italien). In Medienkreisen war man sich bisher aber sicher, dass solche Blätter in Ländern nicht funktionieren könnten, in denen Boulevardzeitungen wie die „Bild“ oder die britische „Sun“ erscheinen. Tatsächlich scheiterten bisher alle Versuche, hierzulande eine tägliche Sportzeitung herauszubringen. Dass Springer nun mit „Fußball Bild“ Erfolg haben könnte, dürfte vor allem daran liegen, dass der Titel sehr günstig in der Produktion ist. Bis auf einige wenige Exklusivgeschichten enthält das Blatt im Wesentlichen die Fußball-Berichte der jeweiligen Regionalausgaben sowie der Online-Angebote von „Bild“.

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Was Stefan Austs TV-Film über Konrad Heiden im Wege steht

Vergangenen Mittwoch ist Stefan Austs Buch „Hitlers erster Feind“ erschienen. Der Titel widmet sich dem Leben und Werk des mittlerweile beinah vergessenen Hitler-Gegners Konrad Heiden, der in den Jahren 1936 und 1937 in der Schweiz eine erste zweibändige Biografie über den Diktator vorlegte, an der sich später andere Autoren orientieren sollten. Wie bereits im Juli 2015 in dieser Kolumne berichtet wurde, hatte der einstige Chefredakteur von „Welt“ und „Spiegel“ auch einen Fernsehfilm zu dem Thema geplant, der im Umfeld der Buchveröffentlichung im Ersten laufen sollte. Daraus ist nichts geworden. Und ob es in der ursprünglichen Konstellation – der Film sollte von Studio Hamburg produziert werden, federführend bei dem Projekt war in der ARD der NDR – bei dem Vorhaben bleiben wird, steht in den Sternen.

Auf Anfrage teilt eine NDR-Sprecherin mit, zu dem Projekt liege „noch kein abgenommenes, realisierbares Drehbuch vor“. Man sei „dazu mit dem Produzenten im Gespräch“. Tatsächlich hat Aust wohl ein Drehbuch für einen Fernsehfilm verfasst, dessen Realisation Studio Hamburg – übrigens eine NDR-Tochter – zu teuer sein soll. Ob das Projekt nun gar nicht oder in einer abgespeckten Version, etwa als Dokumentation, fortgeführt wird, ist offen. Womöglich findet sich aber auch noch eine ganz andere Lösung.

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Anfang Juli übernahm die Funke Mediengruppe („WAZ“, „Hamburger Abendblatt“) 85 Prozent der Anteile der Berliner Firma Raufeld Medien. Diese hatte vor noch nicht allzu langer Zeit die Berliner Stadtmagazine „Tip“ und „Zitty“ herausgebracht, dieses Geschäftsfeld aber bereits vor dem Verkauf wieder aufgegeben. Was Funke mit Raufeld genau wollte, war nicht so ganz klar. Man plane mit der neuen Tochter den Aufbau einer „neuen Service- und Veranstaltungsunit“ hieß es etwas wolkig.

Nun wird klar, was damit gemeint ist: Raufeld entwickelt für die Tageszeitungen der Gruppe neue Veranstaltungskalender. Dies geschehe in enger Absprache mit den Chefredakteuren, sagt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Offenbar kam in der Marktforschung heraus, dass das bisherige Angebot der Funke-Blätter in puncto Veranstaltungsweise sich durchaus noch optimieren lässt.

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Noch nicht in allen Punkten ausverhandelt ist der Produktionsauftrag des NDR mit der Produktionsfirma Raab TV über die Produktion des deutschen Vorentscheids zum Eurovision Songcontest (ESC) 2017. Wie es in Senderkreisen heißt, wird noch über die Online-Rechte an der Veranstaltung gesprochen. Mit deren Aufteilung war der NDR beim diesjährigen Vorentscheid im Nachhinein nicht sonderlich glücklich. Der Sender hielt die Online-Rechte an der Veranstaltung nur kurze Zeit. Statt auf dem offiziellen ARD-ESC-Channel bei YouTube waren die Songs des Wettbewerbs nach wenigen Wochen auf dem Youtube-Kanal Digster on Stage zu sehen, der dem Musikkonzern Universal Music gehört. Das soll nicht noch einmal vorkommen. Wie eine Sendersprecherin auf Anfrage mitteilt, werde die Vereinbarung mit Raab TV an der Frage der Online-Rechte aber nicht scheitern.

Der Partner des NDR ist nur de jure ein neuer. Bereits in den Vorjahren war Raab TV der ausführende Produzent des deutschen ESC-Vorentscheids. Vertragspartner des NDR war bisher die Raab-TV-Mutter Brainpool („Schlag den Star“, „Elton!“). Nur weil der Sender nun mit Raab TV den Produktionsauftrag direkt abgeschlossen hat, verfiel ein Mediendienst auf die Idee, der Entertainer Stefan Raab, der Anteile an der Firma hält, werde im kommenden Jahr bei der Produktion des ESC-Vorentscheids höchst selbst mitmischen. Tatsächlich übt Raab bei Raab TV keine operativen Funktionen aus.

Quelle:  Handelsblatt Online
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