Medienmacher: Kahlschlag in der Anzeigenabteilung

Medienmacher: Kahlschlag in der Anzeigenabteilung

, aktualisiert 21. Oktober 2016, 16:33 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Die Anzeigenverkäufer des „Hamburger Abendblatts“ bangen um ihre Jobs. Die möglichen Folgen der geplanten Kooperation der Berliner Regionalzeitungen. Und weshalb der designierte neue VDZ-Präsident eine Idealbesetzung ist.

HamburgEs geschieht selten bis nie, dass sich der Name eines Unternehmens von vorne bis hinten durch diese Kolumne zieht. Doch in dieser Ausgabe von Medienmacher hat sich das nicht vermeiden lassen. Von der Essener Funke Mediengruppe wird in allen drei Themen, die diese Kolumne diesmal aufgreift, die Rede sein. Dass dieses Medienhaus ausgerechnet in der heutigen Ausgabe omnipräsent ist, mag Zufall sein. Kein Zufall ist es, dass Funke heute generell viel häufiger in den Medien genannt wird als noch vor vier, fünf Jahren. Durch die Übernahme zahlreicher Zeitschriften sowie der beiden Regionalzeitungen „Hamburger Abendblatt“ und „Berliner Morgenpost“ vom Wettbewerber Axel Springer im Jahr 2014 zum Preis von 920 Millionen Euro hat das Essener Medienhaus immens an Bedeutung gewonnen. Heute kommt man an Funke in der Medienbranche nicht mehr vorbei.
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Unser erstes Thema betrifft das „Hamburger Abendblatt“, das Funke vor anderthalb Jahren von Springer erwarb. Das Anzeigenaufkommen der Zeitung war damals schon stark rückläufig. Heute heißt es in Verlagskreisen, das „Abendblatt“ habe in den vergangenen 20 Jahren knapp zwei Drittel seiner Anzeigen verloren. Das hat nun Konsequenzen für die Anzeigenabteilung. Ihr droht ein Personalabbau. Wie der konkret aussehen soll, steht noch nicht fest. Es gibt offenbar mehrere Planspiele.

Das bisher von Funke favorisierte Szenario sieht vor, die Anzeigenverkäufer aus dem Verlag auszugliedern und einige von ihnen in einer neuen Gesellschaft mit denen der Hamburger Anzeigenblätter („Elbe Wochenpost“) zusammenzuführen, die 2014 ebenfalls Springer abgekauft wurden. Im Kleinen funktioniert dieses Modell bereits: In Hamburg- Bergedorf arbeiten die Anzeigenverkäufer der „Bergedorfer Zeitung“, auch sie ist ein ehemaliges Springer-Blatt, schon jetzt mit denen der im Bezirk erscheinenden Anzeigenblätter zusammen. Ein weiteres Szenario sieht einen Personalabbau ohne Ausgliederung vor. Zudem kann man sich offenbar auch vorstellen, sofern das kartellrechtlich möglich ist, künftig beim Anzeigenverkauf mit Wettbewerbern aus dem Hamburger Umland zusammenzugehen. Zu dem Thema lehnt Funke jeden Kommentar ab.

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Die „ Zeit“ ist nicht dafür bekannt, ohne Not zu dramatisieren. Wenn die Wochenzeitung vor dem Hintergrund der bevorstehenden Bekanntgabe eines neuen Redaktionskonzepts für die zur Mediengruppe DuMont gehörenden Blätter „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“ dennoch von „Tagen der Trauer und Zerstörung“ sowie von einem „brutalen Neuanfang“ spricht, wird sie das nicht unbedacht tun. Zwar hüllt sich DuMont in Schweigen. Doch das, was bisher durchgesickert ist, lässt auf einen radikalen Umbau schließen, der mit einem massiven Personalabbau einhergehen dürfte. Dem Vernehmen nach wird er noch drastischer als bei der ebenfalls zu DuMont gehörenden „Hamburger Morgenpost“ ausfallen, wo nach Angaben des Betriebsrats 25 Prozent aller redaktionellen Stellen wegfallen sollen. Am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag soll das Konzept bekanntgegeben werden. Für diese drei Tage hat die Geschäftsführung den großen Konferenzsaal im Verlagshaus am Berliner Alexanderplatz geblockt.
Möglicherweise ist der Redaktionsumbau nur der Auftakt von umfangreichen Stellenstreichungen, die auch andere Verlagsbereiche betreffen. Zwar gibt es für Branchengerüchte, DuMont wolle sich in Berlin von allen kaufmännischen Abteilungen trennen, keinerlei konkreten Anhaltspunkte. Allerdings sprechen, wie bereits berichtet, die drei Regionalzeitungen der Hauptstadt – neben der „Berliner Zeitung“ der „Tagesspiegel“ und die „Berliner Morgenpost“ – über Möglichkeiten, künftig im Vertrieb und beim Anzeigenverkauf zu kooperieren. Derzeit lässt das Kartellrecht eine solche Kooperation nicht zu. Allerdings hat die Bundesregierung eine Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWG) auf den Weg gebracht, die Anfang kommenden Jahres Gesetzeskraft haben dürfte. Dann stünde einer Zusammenarbeit, wie sie die drei Hauptstadtzeitungen anstreben, nichts mehr im Wege.


Wird Stephan Holthoff-Pförtner letzter VDZ-Präsident?

Mit Verweis auf die noch nicht verabschiedete GWG-Novelle lehnen alle drei Blätter eine Stellungnahme ab. Die Gespräche stehen tatsächlich noch am Anfang. Einige Standpunkte sind aber bekannt: Wie es in Verlagskreisen heißt, will etwa der „Tagesspiegel“ die Zusammenarbeit bei der Zeitungszustellung intensivieren. Einer Kooperation im Vertrieb und beim Anzeigenverkauf steht er jedoch skeptisch bis ablehnend gegenüber. Begründet wird dies mit der besonderen Zielgruppe des Blattes, das sich vor allem an Entscheider richtet. Um diese Zielgruppe zu erreichen, sei eine ganz besondere Ansprache im Vertriebsmarketing erforderlich. Zudem unterscheide sich die Struktur der Anzeigenkunden des „Tagesspiegel“ deutlich von der seiner Wettbewerber.
Über die Haltung der „Berliner Zeitung“ zu dem Thema ist wenig bekannt. Wenn jedoch stimmt, was Verlagsmanager berichten, rechnet DuMont fest mit einem Zustandekommen der Kooperation. Demnach soll sich der Personalabbau am Standort Berlin nicht nur auf die Redaktion beschränken. Wie es hinter vorgehaltener Hand heißt, sei geplant sich von mehr als 25 Prozent der etwa 450 Mitarbeiter des Berliner Verlags zu trennen. Dieses Ziel ist allein mit einem Personalabbau in der 160-köpfigen Redaktion nicht zu erreichen. Wenn aber eine mögliche Kooperation beim Anzeigenverkauf sowie im Vertrieb vom Berliner Verlag vor allem dazu genutzt werden sollte, um Personal in den kaufmännischen Abteilungen abzubauen und der „Tagesspiegel“ gar nicht oder nur partiell mitmacht, wird der Part der Funke-Gruppe, ihr gehört die „Berliner Morgenpost“ umso bedeutsamer. Sie würde unter den Kooperationspartnern in spe die Führungsrolle einnehmen. Angesichts des frühen Stadiums der Gespräche der drei Blätter ist das allerdings einstweilen nur Spekulation.
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Vor ein paar Wochen besuchte Philipp Welte, Zeitschriftenvorstand von Hubert Burda Media („Bunte“, „Focus“) den Geschäftsführer der Funke Mediengruppe Manfred Braun. Die beiden sprachen über die Nachfolgereglung für die Präsidentschaft im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Weltes Chef Hubert Burda wird, wie am Dienstag bekannt wurde, sein Amt als VDZ-Präsident am 6. November abgeben. Als Nachfolger hat er der Delegiertenversammlung des Verbands den Essener Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner vorgeschlagen, der zum Gesellschafterkreis der Funke-Gruppe gehört.
Dass die Nachfolge Burdas gut vorbereitet wurde, versteht sich von selbst. Doch in diesem speziellen Fall war Sorgfalt auch deshalb erforderlich, weil Holthoff-Pförtner der letzte VDZ-Präsident sein könnte. Wie vor zwei Wochen berichtet (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/medienmacher/medienmacher-nachdenken-ueber-eine-fusion/14657840.html), gibt es Überlegungen, den VDZ mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) zusammenzulegen. Unter diesen Vorzeichen ist der Funke-Gesellschafter ein besonders geeigneter Kandidat für die VDZ-Präsidentschaft. Funke gehört als Zeitungs- und Zeitschriftenhaus zu den größten Beitragszahlern beider Verbände. Zudem ergänzt Holthoff-Pförtner auf geradezu ideale Weise den neuen BDZV-Präsidenten Mathias Döpfner. Steht der CEO von Axel Springer für die digitale Zukunft der Verlagsbranche, verkörpert der Funke-Mann den Teil der Zeitschriften- und Zeitungshäusern, die auch noch in digitalen Zeiten gut von Print leben können und wollen. Er könnte die Verbandsmitglieder mitnehmen, die mit Döpfners Visionen (noch) nichts anfangen können.
Allerdings ist eine Fusion von VDZ und BDZV kein Selbstläufer. Doch sollte sie in der Ideal-Konstellation Döpfner / Holthoff-Pförtner nicht zustande kommen, wird es sie womöglich nie geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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