Medienmacher: Mehr Kapital für DuMont

Medienmacher: Mehr Kapital für DuMont

, aktualisiert 26. August 2016, 15:46 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Ein Zeitungshaus ändert seine Struktur und bittet die Gesellschafter zur Kasse. Die langjährige Pressechefin einer großen Unternehmensberatung schließt sich einer PR-Agentur an. Und eine Druckerei bangt um Aufträge.

HamburgDas Kölner Medienhaus DuMont („Kölner Stadt-Anzeiger“, „Berliner Zeitung“) hat seine Konzernstruktur verändert und sich eine Kapitalerhöhung genehmigt. Bisher standen hinter dem Unternehmen mit der M. DuMont Schauberg GmbH & Co. KG sowie der Sagittarius Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG zwei Parallelgesellschaften. Nun wird M. DuMont Schauberg von der Sagittarius übernommen. Das geht aus einem auf den 12. August 2016 datierten Verschmelzungsvertrag hervor. Als „Verschmelzungsstichtag“ gilt rückwirkend der 1. Januar 2016.

Im Zuge der Verschmelzung ändert die Sagittarius ihren Namen in DuMont Mediengruppe GmbH & Co. KG. Als DuMont Mediengruppe firmiert das Haus allerdings schon seit September 2015. Der Schweizer Ableger der Agentur Jung von Matt erneuerte damals den Schriftzug und das aus Stern, Pfeil und Bogen – dem Sagittarius, also dem Sternkreiszeichen des Schützen – bestehende Logo der Gruppe. Offenbar wurde damals die nun erfolgte Strukturveränderung zumindest in der Außendarstellung vorweggenommen.

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Die Strukturveränderung selbst könnte mit dem Tod des Unternehmenspatriarchen Alfred Neven Du Mont zu tun haben, der am 30. Mai 2015 starb. An der Tektonik der Gruppe ändert sich grundsätzlich aber nichts: Wie bereits bei ihren Vorgängergesellschaften entfallen jeweils 50 Prozent der Anteile auf die Familienstämme Brüder Kurt – dem Vater von Alfred – und August Neven DuMont.

Ein Unternehmenssprecher begründet den nun erfolgten Schritt mit einer „Vereinfachung der Konzernstruktur sowie der Umstellung der Rechnungslegung auf HGB“. Das „Manager Magazin“ hatte bereits im Mai von entsprechenden Plänen des DuMont-Vorstands berichtet: Wenn man nach HGB statt nach dem internationalen Standard IFRS bilanziere, „ließen sich stille Reserven heben“. Zudem müssten Beteiligungen nicht mehr nach Marktpreisen bewertet werden.

Verbunden mit der Verschmelzung ist eine Kapitalerhöhung um 94,8 Millionen Euro. Davon werden 21 Millionen Euro auf die „Erhöhung des Festkapitals“ verwendet. Weitere 54,4 Millionen Euro werden in eine „für die Kommanditisten gebildete, gesamthänderisch gebundene Rücklage eingestellt“. Mit den verbleibenden 19,4 Millionen Euro müssen schließlich „Verlustvortragskonten“ der M. DuMont Schauberg GmbH & Co. KG ausgeglichen werden.

„In der Vergangenheit hat es unterschiedliche Sonderbelastungen aus Restrukturierung und Bereinigungen gegeben, darunter sind unter anderem Beträge, die in Zusammenhang mit der ,Frankfurter Rundschau‘ stehen“, sagt der Unternehmenssprecher. Das mittlerweile an die „FAZ“ weitergereichten Blatt musste 2012 Insolvenz anmelden. Seine Verluste sollen sich in der Zeit, als es mehrheitlich noch DuMont gehörte, auf mehr als 100 Millionen Euro summiert haben.

Für die DuMont-Gesellschafter sind schlechte Nachrichten nichts Neues: Der jetzigen Kapitalerhöhung gingen seit 2010 zwei weitere voraus, die zusammen 60 Millionen Euro brachten. Zudem gewährten die Anteilseigner dem Unternehmen Darlehen in Höhe von 40 Millionen Euro.

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Bei der Roland Berger GmbH gehört Susanne Horstmann fast schon zum Inventar. Seit September 2000 leitet sie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Münchener Unternehmensberatung. Davor arbeitete sie dort bereits als Pressereferentin. Nun aber verlässt die erfahrene Pressesprecherin Roland Berger. Ab Oktober wird sie in Diensten der einst vom ehemaligen „Bild“-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje gegründeten Berliner Agenturgruppe WMP Eurocom stehen. Horstmann soll für die Strippenzieher keine Pressestelle aufbauen. Sie wird vielmehr als Managing Director im Münchener WMP-Büro wirken.


Was wird aus der Madsack-Druckerei in Göttingen?

Der „Welt“ erzählte die PR-Dame mal, sie würde täglich mit Firmengründer Roland Berger telefonieren. Mit ihm wird sie auch künftig zu tun haben: Berger sitzt im Aufsichtsrat der WMP. Dass der 68-Jährige, sich kürzlich weitgehend aus dem operativen Geschäft seiner Firma zurückgezogen hat und in einem eigenen Büro in der Münchener Maximilianstraße seinem Tagewerk nachgeht, könnte ein Grund für den Wechsel seiner Vertrauten zu WMP sein.

Der CEO der Berliner, Michael Inacker, hatte mit Horstmann zuletzt im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Thomas Middelhoff zu tun. Dort ging es auch um Schulden, die der einstige Bertelsmann- und Arcandor-Chef bei Berger hatte. Der Unternehmensberater ließ sich damals in seiner Außendarstellung von WMP unterstützen.

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Als das hannoversche Zeitungshaus Madsack vor einem Jahr ankündigte, seine Druckerei in der niedersächsischen Landeshauptstadt schließen zu wollen, gab es einen großen Aufschrei. Schließlich fallen durch den Schritt etwa 180 Arbeitsplätze weg. Die Madsack-Blätter „HAZ“ und „Neue Presse“ werden ab September bei der Firma Oppermann in Rodenberg gedruckt.

Doch offenbar geht der Umbau im Druckbereich bei Madsack weit über Hannover hinaus. Wie der Konzernbetriebsrat des Unternehmens in der aktuellen Ausgabe seines Mitteilungsblatts „Konzernsache“ berichtet, droht die Göttinger Madsack-Druckerei „etwa 45 Prozent des Druckvolumens“ zu verlieren. Grund sei der Verlust von Druckaufträgen von Anzeigenblättern des Konzerns sowie der ebenfalls bei Madsack erscheinenden „Peiner Allgemeinen Zeitung (PAZ)“.

Eine Unternehmenssprecherin bestätigt das im Prinzip. Demnach werden die bisher in Göttingen gedruckten Anzeigenblätter ab Dezember in Rodenberg bei Oppermann produziert. Der Auftrag für die „PAZ“ geht dann an die konzerneigene Druckerei in Celle – womöglich als Entschädigung für andere Aufträge. Denn auch die Aufträge für die Anzeigenzeitungen, die bisher in Celle gedruckt werden, wandern zu Oppermann. Neben der „HAZ“ und der „Neuen Presse“ darf die Firma aus Rodenberg demnächst insgesamt 18 Anzeigenblätter aus dem Hause Madsack drucken.

Was das alles für die von der Verlagerung besonders betroffene Belegschaft am Standort Göttingen bedeutet, ist unklar. Nach Betriebsratsangaben werden dort einstweilen befristete Verträge entweder gar nicht oder nur für wenige Monate verlängert.

Quelle:  Handelsblatt Online
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