Medienmacher: Noch ein Beiratsposten für Helmut Markwort

Medienmacher: Noch ein Beiratsposten für Helmut Markwort

, aktualisiert 26. Februar 2016, 07:23 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Der „Focus“-Gründer beteiligt sich an Uplink. Pro Sieben Sat 1 findet – trotz Verbot – Wege zur Ausstrahlung regionaler Werbung. Und Stefan Aust wandelt auf den Pfaden von Rudolf Augstein.

BerlinHelmut Markwort, der Gründer des Nachrichtenmagazins „Focus“, hält auch mehrere Beteiligungen an Radiosendern. Bei Hit Radio FFH mischt er ebenso mit wie bei den Sendern der Studio-Gong-Gruppe. Nun hat der umtriebige Medienunternehmer auch einen Anteil an dem Düsseldorfer Technikdienstleister Uplink erworben.

Das 2013 gegründete Unternehmen darf seit Beginn des Jahres den UKW-Sendernetzbetrieb für Hörfunkprogramme übernehmen. Die Firma, zu deren Gründern der ehemalige Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling gehört, der auch Vorsitzender des Unternehmensbeirats ist, will „das Aufbrechen des Monopolmarktes für UKW-Betrieb und die Etablierung von Wettbewerb in … Rundfunkmärkten“ befördern.

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Als Monopolisten betrachten die Düsseldorfer das Kölner Unternehmen Media Broadcast, das 2008 aus der Telekom-Tochter T-Systems Media & Broadcast GmbH hervorging und bisher praktisch alle deutschen Sender verbreitete. Uplink kommt nach eigenen Angaben bei privaten Radiosendern auf einen Marktanteil von rund zehn Prozent.

Künftig will auch Markwort dazu beitragen, dass sich dieser Wert erhöht: „Über meine Beteiligungen im Radiomarkt kenne ich die Probleme und Defizite des bisherigen Monopols sehr genau“, sagt er. „Uplink ist ein erfolgreicher Pionier bei der Einführung des Wettbewerbs im Markt für Sendedienstleistungen, und ich möchte nun gerne helfen, diesen Weg konsequent weiterzugehen.“

Dies wird Markwort nicht nur als Gesellschafter tun. Er zieht auch in den Beirat des Unternehmens ein.

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Eigentlich dürfen die Kanäle der Pro Sieben Sat 1 Media SE – ebenso wenig wie alle anderen überregionalen deutschen Fernsehkanäle – keine regionale Werbung senden. Der 18. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, der am 1. Januar in Kraft getreten ist, erlaubt dies nur in Ausnahmefällen.

Gegen diese Vorschrift, mit der regionale Radiosender und Zeitungsverlage geschützt werden sollen, hat Pro Sieben Sat 1 Verfassungsklage erhoben. Dennoch verzichtet die Senderfamilie nicht komplett darauf, regionalen Werbetreibenden ihre Dienste anzubieten.

Möglich macht das zum einen das Telemediengesetz, das für digitale Dienste gilt. Es kennt kein Verbot regionaler Werbung. Also hat Seven One Media, die Werbetochter von Pro Sieben Sat 1, ein Format namens Adressable Ads entwickelt, das mit einem ganz normalen Spot, beispielsweise für Opel, beginnt. Dann folgt eine digital eingespielte Einblendung, die dem Zuschauer verrät, wo er in seiner Stadt den nächste Opel-Händlern findet.

Möglich ist das bei Fernehern im digitalen HbbTV-Standard, von denen es zehn Millionen in deutschen Haushalten geben soll.

Zudem zeigen die Kanäle des TV-Konzerns auch auf herkömmlichem Weg regionale Spots – allerdings bundesweit. Das ergibt zwar sehr große Streuverluste. Aber Pro Sieben Sat.1 entschädigt regionale Werbekunden mit großzügigen Rabatten. Wie lange die Sendergruppe das durchhalten will, ist unklar. Die Verfassungsklage kann sich, so sie denn angenommen wird, ewig hinziehen.

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Von der „BamS“ zu Red Bull

Bereits Ende Oktober hat der Kulturchef der „Bild am Sonntag“ Christian Seidl das Blatt verlassen. Er steht nun in Diensten von Red Bull Media House, dem Medienkonzern von Brause-Unternehmer Dietrich Mateschitz.

Seidl, der für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, soll am Standort Salzburg das Programm des neuen Buchverlags Benevento entwickeln. Dessen bisher erster und einziger Titel ist ein von Franz Alt herausgegebener, 56 Seiten schmaler Band namens „Der Appell des Dalai Lama an die Welt“, der es immerhin bis auf Platz eins der „Spiegel“-Bestsellerliste schaffte.

Zu Red Bull Media House gehören bereits der auf Österreich fokussierte Sachbuchverlag Ecowin, der Fotobuchverlag Servus und das Buchhaus Pantauro, das „die Lebenswelten von Red Bull“ abbilden soll, wie es in einer Selbstdarstellung heißt.

Seidls Nachfolger bei „Bild am Sonntag“ heißt übrigens Roland Keitsch. Er war bisher Textchef von „Bild“ und tritt seinen Dienst am kommenden Dienstag an.

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Wem bisher nicht ganz klar war, was Stefan Aust eigentlich als Chefredakteur der „Welt“ so vorschwebt, weiß es seit dieser Woche. Der einstige „Spiegel“-Chef verkleinerte die Redaktion um 50 Mann, baute Ressorts um und gab „Meedia“-Chefredakteur Georg Altrogge, ein ehemaliger Aust-Mitarbeiter aus fernen „Spiegel“-Tagen, ein programmatisches Interview.

So spricht und handelt kein „kommissarischer Chefredakteur“ als der er vor seiner Ernennung noch in einer Pressemitteilung des Medienhauses Axel Springer bezeichnet wurde, in dem die „Welt“ erscheint. Hier ist vielmehr einer gekommen, um zu bleiben und das notorisch defizitäre Blatt aus den roten Zahlen zu führen. Koste es, was es wolle.

Was dem 69-Jährigen bei seiner Arbeit als Vorbild dient, ist ebenfalls klar. Es ist der „Spiegel“. Das wird nicht nur bei der Schaffung des neuen Deutschland-Ressorts deutlich, in dem das Investigativ-Team und das Titelressort aufgehen.

Das namensgleiche „Spiegel“-Ressort war zu Austs Zeit das wichtigste des Hamburger Nachrichtenmagazins. Das mit Claus Christian Malzahn dem Deutschland-Ressort der „Welt“ ein ehemaliger „Spiegel“-Mann vorsteht, dürfte ebenfalls kein Zufall sein.

In einer Mail an seine Redakteure gab Aust ihnen sein journalistisches Credo mit auf den Weg, das „Spiegel“-Kennern seltsam vertraut vorkommt: „Damit die Leser die Welt so sehen wie sie ist, versuchen wir, sie so zu recherchieren und zu beschreiben, wie sie ist“, heißt es dort. Das ist nichts anderes als eine Paraphrase des berühmten Satzes von Rudolf Augstein „Sagen, was ist“.

Interessanterweise hat die Innenpolitik-Chefin des NDR Anja Reschke erst kürzlich den Leitspruch des „Spiegel“-Gründers und Aust-Förderers anlässlich einer Veranstaltung des „Medium Magazins“, auf der sie als Journalistin des Jahres geehrt wurde, in Frage gestellt.

In ihrer Dankesrede sagte sie, dass aufgrund der höchst unterschiedlichen Wahrnehmung von Journalisten und immer größeren Teilen ihrer Leserschaft sich keineswegs von selbst versteht, was überhaupt „ist“. Es den Lesern ex cathedra zu erklären, verbietet sich in Zeiten von selbst, in denen Medien immer mehr an Glaubwürdigkeit verlieren.

Es wird spannend zu beobachten sein, wie Aust sein von Augsteins Leitspruch abgeleitetes Credo, das aus den 60er-Jahren stammt, im 21. Jahrhundert bei der „Welt“ umsetzen wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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