Medienmacher: Pro Sieben Sat 1 beschwert sich über Amazon

Medienmacher: Pro Sieben Sat 1 beschwert sich über Amazon

, aktualisiert 22. April 2016, 16:35 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Ein TV-Konzern wehrt sich gegen ein wohl unzulässiges Angebot. Leo Kirchs Witwe hat sich unbemerkt aus dem Mediengeschäft zurückgezogen. Und ein DFL-Manager schlägt bei einem Interessenten an den Bundeliga-Rechten auf.

HamburgIm Markt der Videoportale ist das Angebot des Online-Händlers Amazon so manchem Wettbewerber ein Dorn im Auge. Das hat vor allem damit zu tun, dass es konkurrenzlos günstig ist. Amazon Video ist für 49 Euro im Jahr zu haben. Das sind runtergebrochen auf den Monat nur 4,08 Euro. Konkurrenzangebote wie Netflix oder Maxdome kosten monatlich mindestens 7,99 Euro, also fast doppelt so viel.

Dass Amazon seine Filme und Serien zu einem so geringen Preis unters Volk bringt, liegt wohl daran, dass die Online-Videoplattform des Konzerns vor allem ein Instrument zur Kundenbindung beziehungsweise Kundengewinnung des Premium-Lieferdienstes Prime ist. Amazon Video gibt es – ebenso wie über eine Million Songs im Streaming – zum Prime-Service obendrauf, der Amazon-Kunden eine besonders schnelle Lieferung garantiert.

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Die Frage ist, ob ein solches Angebot rechtens ist. Beim Pro Sieben Sat 1 ist man der Ansicht, dass es da ein gewaltiges Problem gibt. Der TV-Konzern aus Unterföhring bei München, der die Plattform Maxdome betreibt, sieht in der Verbindung von Prime und Amazon Video ein unzulässiges Koppelungsangebot. Offiziell lehnt das Unternehmen zwar jede Stellungnahme ab, doch in Branchenkreisen heißt es, Pro Sieben Sat 1 sei bereits beim Bundeskartellamt in der Sache vorstellig geworden. Formell habe man zwar noch keine Beschwerde gegen das Geschäftsgebaren des Wettbewerbers eingelegt. Das sei aber nur eine Frage der Zeit.

Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass Amazon weitere Zugaben für seinen Prime-Dienst plant. Im Zusammenhang mit der Ausschreibung der Fußball-Bundesliga-Rechte ab der Saison 2017/18 kursiert das Szenario, der Online-Händler könnte das Paket D erwerben, dass das Samstagsabend-Spiel mit der Anstoßzeit 18:30 Uhr enthält, um es seinen Prime-Kunden als Dreingabe anzubieten. In den USA erhalten Kunden des Premium-Dienstes die „Washington Post“, die Amazon-Gründer Jeff Bezos gehört, ein halbes Jahr umsonst und können sie danach zu einem verbilligten Preis beziehen.

Die lange Kündigungsfrist von einem Jahr, bei der Konkurrenz kann man sich bereits nach einem Monat wieder verabschieden, ist bisher der einzige große Nachteil den Amazon Video gegenüber seinen Wettbewerbern hat. In den USA ist Amazon im Begriff, diesen Nachteil zu eliminieren. Am Montag kündigte der Konzern ein neues Preismodell an, das es seinen Kunden ermöglichen soll, für die Monatsgebühr von 8,99 Dollar Filme und Serien von Amazon Video zu beziehen. Das populärste US-Angebot des Wettbewerbers Netflix ist einen Euro teurer.

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Rückzug der Kirch-Witwe

Im Juli 2014 verkündete der Medienunternehmer Dieter Hahn im Handelsblatt an, sich um Übertragungsrechte an Spielen der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2017/18 bewerben zu wollen. Die Begegnungen beabsichtigte er im Pay-TV-Sender Sport 1 Plus zu zeigen, der zum Konzern Constantin Medien gehört, dessen Hauptgesellschafter Hahn ist. Eine Beteiligung in Höhe von 8,7 Prozent hält er direkt. 18,1 Prozent der Constantin-Anteile gehörten bisher der KF 15 Management GmbH & Co. KG, bei der Hahn offenbar mit 42,5 Prozent beteiligt war. War deshalb, weil es die KF 15 Management GmbH & Co. KG nicht mehr gibt. Sie wurde bereits im Dezember 2015 liquidiert.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt verschwieg Hahn, dass damals, im Juli 2014 bereits die Vorbereitungen zur Gründung der Nachfolgegesellschaft der KF 15 Management GmbH & Co. KG liefen. Sie heißt KF 15 GmbH und hält nun die Beteiligung an der Constantin Medien, die einst ihrer Vorgängerin gehörte. Hahn ist mit 85 Prozent der Anteile der KF 15 GmbH nun deren Hauptgesellschafter. Die Hauptgesellschafterin der Vorgängerfirma Ruth Kirch, die an der KF 15 Management GmbH & Co. KG 47,5 Prozent der Anteile gehalten haben soll, ist in der neuen Gesellschaft nicht mehr vertreten.

Die Witwe des 2011 gestorbenen Medienunternehmers Leo Kirch hat sich damit ebenso aus dem Mediengeschäft zurückgezogen wie sein Sohn Thomas. Die übrigen 15 Prozent der neuen KF 15 GmbH entfallen zu gleichen Teilen auf Wolfgang Hahn, ein Bruder von Dieter, und den Münchner Rechtsanwalt Bernd Kuhn. Die beiden sind ebenso wie Dieter Hahn ehemalige Kirch-Manager und hatten an der Vorgängergesellschaft bereits zehn Prozent gehalten.

Ein Unternehmenssprecher bringt die Liquidation der KF 15 Management GmbH & Co. KG in Zusammenhang mit dem Vergleich der Kirch-Erben mit der Deutschen Bank 2014, der das Kreditinstitut 925 Millionen Euro kostete. Demnach hatten die Familie Kirch und das Kirch-Management von Anfang an beschlossen, nach Ende des Prozesses getrennte Wege zu gehen. Kirch hatte noch zu Lebzeiten die Deutsche Bank auf Schadenersatz verklagt, weil 2002 deren damaliger CEO Rolf E. Breuer in einem Interview die Kreditwürdigkeit von dessen Gruppe angezweifelt hatte. Darin sah Kirch den Grund für die Insolvenz und den anschließenden Zerfall seines Medienreichs.

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Ein Neuzugang im Management

Für die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga interessiert sich auch die britische Perform Group, hinter der der in der Sowjetunion geborene amerikanische Milliardär Leonard Blavatnik steckt. Erst unlängst hatte sie der Pay-TV-Plattform Sky Deutschland die deutschen Rechte an der englischen Premier League abgejagt. Nun deutet sich ein interessanter Neuzugang im Management der deutschen Perform-Tochter Perform Media Deutschland an. Wie es in Branchenkreisen heißt, soll Kay Dammholz, bisher Vice President Sales der DFL Sports Enterprises, zu dem Unternehmen stoßen. Die DFL Sports Enterprises ist eine 100-prozentige Tochter der Deutschen Fußball Liga (DFL), die gerade erst die Rechte an der Fußball-Bundesliga neu ausgeschrieben hat.

Welche Aufgaben Dammholz, der de jure wohl noch in Diensten der DFL-Tochter steht, das Haus aber bereits verlassen hat, bei Perform übernehmen soll, ist unklar. Auf Anfrage dementiert eine Unternehmenssprecherin Gerüchte, der Manager werde die Geschäftsführung des deutschen Perform-Ablegers von Dirk Ifsen übernehmen. Die Frage, ob Dammholz eine andere Position bei Perform bekleiden werde, mag sich nicht beantworten. Die Gruppe betreibt in Deutschland die Plattformen Spox.com, Goal.com und Sportal.de.

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Eine zusätzliche Aufgabe hat „Madame“-Chefredakteurin Petra Winter übernommen. Sie ist nun Deutschland Präsidentin des globalen Netzwerks International Women’s Forum (IWF), dem weltweit 5000 Frauen in Führungspositionen angehören. Auch US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zählt zu den Mitgliedern. Die deutsche Sektion zählt etwa 20 Damen. Winter löst als deutsche Präsidentin die Mainzer Modedesignerin Anja Gockel ab. Die Journalistin ist neben der Film- und TV-Produzentin Regina Ziegler die einzige Medienfrau bei IWF-Deutschland.

Quelle:  Handelsblatt Online
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