Medienmacher: „Spiegel“ und „Stern“ verkaufen sich so schlecht wie nie

Medienmacher: „Spiegel“ und „Stern“ verkaufen sich so schlecht wie nie

, aktualisiert 15. Januar 2016, 16:44 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Die Auflagenerosion der aktuellen Wochenmagazine geht ungebremst weiter. Xing baut sein Inhalte-Angebot aus. Burda zahlt Subventionen zurück. Und Thomas Rabe wandelt auf den Spuren von Mark Wössner.

HamburgKommende Woche veröffentlicht die IVW die Auflagenzahlen für das vierte Quartal 2015. Auf Medienmacher gibt es schon heute die Auflagenmeldungen der drei großen aktuellen Wochentitel. Auf den ersten Blick wird deutlich, dass der Negativtrend der vergangenen Jahre ungebrochen ist: Die Quartalsauflage des „Spiegel“ rutschte erstmals unter die Marke von 800.000 verkauften Exemplaren.

Sie ging im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,6 Prozent zurück und liegt nun bei nur noch 796.234 Heften. Auch der „Focus“ verlor im Vergleich zum Vorjahr. Seine verkaufte Auflage reduzierte sich um 1,4 Prozent und liegt nun bei 501.187 Exemplaren. Am geringsten sind mit 0,7 Prozent die Auflageverluste des „Stern“. Dennoch liegt er mit einer Quartalsauflage von 721.178 Exemplaren ebenso wie der „Spiegel“ auf einem Allzeittief.

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Verantwortlich dafür ist der schwache Einzelverkauf der Illustrierten, der mit nur noch 188.164 Exemplaren – was im Vergleich zum Vorjahr einem Minus von 6,8 Prozent entspricht - erstmals unter die Marke von 200.000 Heften rutschte. Dagegen konnte der „Stern“ als einziger der drei führenden aktuellen Wochentitel die Zahl seiner Abonnements leicht steigern. Sie legte um 0,8 Prozent auf 212.036 Exemplare zu.

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Xing, das Karriereportal der Hubert Burda Media, will offenbar sein Inhalte-Angebot ausweiten. Es war unter dem Titel „Klartext“ im vergangenen Jahr mit Roland Tichy als Herausgeber und Jennifer Lachmann als Chefredakteurin gestartet. Für die beiden schreiben mehr oder weniger bekannte Xing-Mitglieder wie etwa Deutsche-Post-CEO Frank Appel Beiträge, die dann in der Community diskutiert werden. Nun ist offenbar geplant, unterhalb von „Klartext“ ein weiteres Diskussionsforum zu schaffen.

Wie es in Unternehmenskreisen heißt, sollen dorthin nun zum einen Debatten aus „Klartext“ verlagert werden, die ihren Zenit bereits überschritten haben. Zum anderen sei vorgesehen, an dieser Stelle völlig neue Diskussionen entstehen zu lassen. Zu diesem Zweck sollen User mit „spezieller Expertise und Meinung“ sogenannte Expertenprofile bekommen. Diese Profile zeichnen sich nicht nur durch eine bessere Sichtbarkeit aus. Ihre Inhaber können auch regelmäßig Artikel schreiben und so Debatten starten. Im Gegensatz zu den „Klartext“-Diskussionen sollen diese Debatten nicht von der Redaktion Xing News kuratiert werden. Ein Upgrade auf „Klartext“-Level ist für die interessantesten von ihnen aber durchaus möglich. Das neue Inhalte-Angebot soll bis Mitte des Jahres freigeschaltet werden. Offiziell lehnt Xing dazu jeden Kommentar ab.


Burda baut Stellen ab

*** Das Ausmaß des Personalabbaus im Zuge der engeren Verzahnung von Burdas Frauenzeitschriften „Harper’s Bazaar“ und „Elle“ wird nun deutlich. Wie es in Verlagskreisen heißt, will sich das Medienhaus von acht Mitarbeitern des Magazins „Harper’s Bazaar“ (das entspricht der Hälfte der Redaktion) und zwölf Beschäftigten der „Elle“ trennen, unter denen auch ein Betriebsrat sein soll, dem man offenbar einen Aufhebungsvertrag anbieten will. Ein Verlagssprecher spricht von einem Saldo von „15 Stellen“, da bei beiden Blättern fünf neue Stellen im Digitalbereich geschaffen werden sollen – möglicherweise aber auch mehr.

Vergangene Woche hatte Burda gemeldet, die bisher in Berlin angesiedelte Redaktion von „Harper’s Bazaar“ nach München holen zu wollen, weil sie „dort stärker von der digitalen Kompetenz und der Infrastruktur der BurdaStyle-Zentrale“ profitiere. Die Zusammenarbeit mit der „Elle“ solle „in sogenannten Labs intensiviert“ werden, „um Synergien zu heben“. Die Ansiedlung der 16-köpfigen Redaktion von „Harper’s Bazaar“ in Berlin hatte sich Burda von der dortigen Wirtschaftsbehörde bezuschussen lassen.

„Die gewährten Fördermittel sind bereits zurückgefordert worden“, sagt ein Behördensprecher auf Anfrage. Der Burda-Sprecher bestätigt das indirekt: „Sobald Aktivitäten die Förderungsvoraussetzungen des Senats nicht oder nicht mehr erfüllen, verzichten wir selbstverständlich auf den Abruf von Fördermitteln beziehungsweise erstatten diese zurück“, sagt er.

*** Der Fahrplan der voraussichtlichen Vertragsverlängerung von Bertelsmann-CEO Thomas Rabe steht. Am 26. Januar wird der Aufsichtsrat entscheiden, ob der 50-Jährige auch künftig die Geschicke des Medienkonzerns leitet. Eine Vorentscheidung fällt bereits am Vortag. Dann tritt der Personalausschuss zusammen, um zu beschließen, welche Empfehlung er dem Kontrollgremium geben soll. Dem Ausschuss steht der Aufsichtsratsvorsitzende Christoph Mohn vor. Weitere Mitglieder sind Mohns Mutter, Konzermatriarchin Liz Mohn, Merck-CEO Karl-Ludwig Kley, der ehemalige BMW-Vorstandsvorsitzende Joachim Milberg sowie der neue VW-Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Dieter Pötsch.
Sollte, wovon auszugehen ist, der Ausschuss eine Vertragsverlängerung empfehlen, bekäme Rabe zum 1. Januar 2017 ein neues Arbeitspapier mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Wenn er den neuen Kontrakt auch nur anderthalb Jahre erfüllt, wäre der Manager der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende mit der längsten Amtszeit seit der Pensionierung des legendären Mark Wössner 1998.

Quelle:  Handelsblatt Online
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