Medienmacher: This Town Ain't Big Enough for Both of Us

Medienmacher: This Town Ain't Big Enough for Both of Us

, aktualisiert 11. November 2016, 17:11 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Wie es nach der Hauptversammlung von Constantin Medien weitergeht. Was Donald Trump mit Roland Barnabas Schill verbindet. Und warum der Begriff Fusion derzeit bei VDZ und BDZV ein Unwort ist.

HamburgWenn es nach dem Ende der zweitägigen Hauptversammlung der Constantin Medien eine Gewissheit gibt, dann ist es die: Der von Hauptaktionär Dieter Hahn am ersten Tag angekündigte Shoot-Out, den der zweite Hauptaktionär, der Schweizer Bernhard Burgener, ablehnte, hat in Wirklichkeit längst begonnen. Dabei wird mit härtesten Bandagen gekämpft.

Und darum geht es: Hahn will sich von der Unternehmenstochter Constantin Film („Fack ju Göhte“, „Der Untergang“) trennen und sich ganz auf das Sportgeschäft konzentrieren. Das besteht im Wesentlichen aus den Sendern der Sport1-Gruppe, dem Sport-TV-Produzenten Plazamedia sowie dem Sportrechtehändler Team, der für die UEFA die Champions League und die Europa League vermarktet. Burgener möchte dagegen am Zuschnitt der Firma nichts ändern. Da beide Hauptaktionäre jeweils knapp 30 Prozent der Anteile halten, blockieren sie sich gegenseitig. Es ist wie in dem Song der Glamrock-Band Sparks von 1974: „This Town Ain’t Big Enough for Both of Us“.

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Um die Sache noch etwas zu verkomplizieren, ist zumindest im Falle von Hahn nicht so ganz klar, was er wirklich will: Geht es ihm tatsächlich um einen Konzernumbau? Oder will er im Zuge des von ihm vorgeschlagenen Shoot-Out nur Kasse machen? Das von ihm präferierte Verfahren sieht vor, dass beide Hauptaktionäre bei einem Notar ein verdecktes Angebot für die Constantin-Anteile hinterlegen, die ihnen nicht gehören. Wer die höhere Offerte macht, muss die anderen Anteilseigner auszahlen.

Womöglich spekuliert Hahn aber auch nur auf einen warmen Geldregen, denn sein Konzept einer reinen Sportfirma wirft viele Fragen auf: Sport1 sollte nach dem Willen Hahns bei der letzten Vergabe der Bundesliga-Übertragungsrechte eigentlich ordentlich zuschlagen. Daraus wurde nichts. Stattdessen verlor Sport1 seine wichtigsten Rechte: das Montagabend-Live-Spiel der zweiten Liga sowie das Recht, die Partien des Fußball-Oberhauses im digitalen Hörfunk zu übertragen. Plazamedia ging kürzlich mit Sky Deutschland der wichtigste Kunde von der Fahne. Und ob Team, das bisher der von Burgener kontrollierten Constantin-Tochter Highlight Communications gehört, nach einem Abgang des Eidgenossen den lukrativen Auftrag der UEFA behalten würde, steht in den Sternen. Normalerweise beinhalten solche Deals eine sogenannte Change-of-Control-Klausel, die die Deals außer Kraft setzen, sollte es im Gesellschafterkreis eines Vertragspartners gravierende Veränderungen geben.

Und doch hat die Hauptversammlung nun den Verkauf der Constantin Film beschlossen. Das war nur möglich, weil der Versammlungsleiter Franz Enderle, ein Anwalt der Münchener Kanzlei Bub Gauweiler, unmittelbar vor der Abstimmung Burgener und seiner Entourage das Stimmrecht entzog. Der Schweizer und seine Freunde sollen im Sommer mehr als 30 Prozent der Anteile besessen haben, weshalb sie ein Übernahmeangebot hätten machen müssen, was sie jedoch versäumten. Burgeners Anwalt bestreitet das und droht mit Klage. Unüblich war Enderles Vorgehen auf jeden Fall. Normalerweise werden vor Beginn einer Hauptversammlung die Stimmrechte der Anwesenden geprüft. Das hätte Werner Klatten, der einstige CEO der Constantin-Vorgängergesellschaft EMTV, am ersten Tag des Aktionärstreffens tun müssen. Da war er noch Versammlungsleiter. Warum Enderle am zweiten Tag die Leitung übernahm, wurde den Aktionären nicht gesagt. Dabei soll der Constantin-Aufsichtsrat gewusst haben, dass Klatten am zweiten Tag wegen eines Termins in Zürich unabkömmlich war.

Nun wird, neben den zahlreichen bereits jetzt anhängigen Verfahren in Sachen Constantin, vor Gericht weiter gestritten. Theoretisch könnten sich die Prozesse jahrelang hinziehen. Nur so viel Zeit hat die hoch verschuldete Constantin Medien nicht, deren Aktienkurs von Donnerstag auf Freitag von 1,92 auf bis zu 1,70 Euro einbrach und bei Redaktionsschluss bei 1,74 Euro lag. Spätestens bis April 2018 müssen sich die Streithansl einigen. Denn dann wird eine Anleihe in Höhe von 65 Millionen Euro fällig. Wie sie abgelöst werden soll, ist noch ziemlich unklar.

***


Der Werdegang Trumps erinnert an den eines deutschen Rechtspopulisten

Nach dem unerwarteten Wahlsieg Donald Trumps wird über die Rolle der Medien gestritten. Axel Springers CEO Mathias Döpfner vertrat in der „Welt” die Ansicht, sie hätten „versagt”. Trump sei „kampagnenhaft bekämpft, aber nicht wirklich klug gestellt” worden.

Nun ist Kampagnenjournalismus per se von Übel. Andererseits stellt sich die Frage, wie man einen wie Trump, der im Wahlkampf keine einzige halbwegs konsistente programmatische Rede gehalten hat, und der sich in wichtigen Punkten innerhalb kürzester Zeit selbst widersprach, „klug stellen“ soll. Die Frage stellt sich umso mehr, da Trumps Wählern die argumentativen Schwächen des Kandidaten völlig egal waren.

Das Thema Trump und die Medien muss man womöglich ganz anders aufziehen. Vielleicht so, wie es Michael Moore auf Facebook tat: „He is both a creature and a creation of the media“, schrieb der US-Filmemacher („Bowling for Columbine“). Tatsächlich: Die Wähler in den USA haben ein Mediengeschöpf gewählt, das elf Jahre – von 2004 bis 2011 – in der Realityshow „The Apprentice“ den starken Mann („You’re fired!“) mimte. Auf ihn projizierten sie ihre Hoffnungen und Wünsche, vor allem aber ihren Protest gegen das Establishment. Argumentativ musste Trump sie nicht überzeugen.

Ein ähnliches Phänomen hat es in Deutschland um die Jahrtausendwende im Kleinen auf lokaler Ebene bereits gegeben: Ende der 90er-Jahre machten Hamburger Medien aus dem Amtsrichter Roland Barnabas Schill, der durch unangemessen harte Urteile auffällig geworden war, die Kunstfigur „Richter Gnadenlos“. Der so zu großer Popularität gelangte Schill gründete die Partei Rechtsstaatliche Offensive, die bei den Hamburger Bürgerschaftswahlen 2001 aus dem Stand 19,4 Prozent der Stimmen holte. Schills Partei koalierte mit der CDU. Ihr Gründer wurde zweiter Bürgermeister und Innensenator. Nach dem Ende seiner politischen Karriere lebt Schill als Medienfigur in allerlei Reality-TV-Shows von „Big Brother“ bis „Goodbye Deutschland“ weiter. Zuletzt trat er als lüsterner Nackedei in dem RTL-Format „Adam sucht Eva“ auf. Auch Trump hätte im Fall einer Niederlage bei der US-Präsidentschaftswahl seine Fernsehaktivitäten wieder aufgenommen. Es gab bereits Pläne für einen Sender namens Trump TV.

Zu den Medien, die Schill einst als „Richter Gnadenlos“ in Szene setzten, gehörte übrigens auch die „Hamburger Morgenpost“. Ihr Chefredakteur hieß damals Mathias Döpfner.

Der Begriff, den man auf dem am Dienstag zu Ende gegangenen Zeitschriftenverlegerkongress „Publishers' Summit“ auf keinen Fall in den Mund nehmen dufte, lautete „Fusion“. Nun hat diese Kolumne vor ein Wochen von Planspielen großer Mitglieder des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) berichtet, ihre Organisationen zusammenzuschließen.

Offenbar kam dieser Bericht aus Verbandssicht zur Unzeit. Nicht nur, dass kleineren Mitgliedern beider Verbände der Sinn einer Fusion nicht zu vermitteln war. Beim VDZ tat sich durch den Brandbrief, in dem Gruner + Jahr, „Zeit“, „Spiegel“ und der Medweth-Verlag gegen das Prozedere protestierten, das zur Nominierung und schließlich zur Wahl des neuen VDZ-Präsidenten Stephan Holthoff-Pförtner führte, gänzlich unerwartet eine neue Front auf. Da wollte man in der Fusionsfrage erst recht Ruhe haben. Das Thema hat sich also erst einmal erledigt, aber eben nicht endgültig.

Der Streit um die Präsidentenkür ist hingegen noch nicht völlig vorbei. Zwar sind die Briefeschreiber, von denen Gruner + Jahr, „Zeit“ und „Spiegel“ auch den „Publishers‘ Summit“ boykottierten, im VDZ wohl weitgehend isoliert. Doch wie bereits Herbert Wehner wusste, muss wer rausgeht „auch wieder reinkommen“. Wie das beispielsweise im Fall Gruner + Jahr geschehen soll, ist völlig unklar. Branchengerüchte, nach denen Verlagschefin Julia Jäkel sich vergangenen Mittwoch erklären wollte, bestätigten sich nicht. Solche Pläne habe es nicht gegeben, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Man habe aber schon vor, sich auf die eine oder andere Weise zu dem Vorgang zu verhalten.

Der Medienmanagerin Jäkel ist dabei viel Fingerspitzengefühl zu wünschen. Allzu viel Glück hatte sie zuletzt nicht. Und zwar nicht nur in Sachen VDZ: Die Gruner + Jahr-Chefin war von einem Juror für den Medienpreis des Fachblattes „Horizont“ „Medienmann / -frau des Jahres“ vorgeschlagen worden. Wer letztlich gewählt wurde, ist unbekannt. Die Namen der Preisträger werden erst im Dezember veröffentlicht. Doch aus Medienkreisen ist zu erfahren: Jäkel wird den Preis nicht bekommen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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