Medienmacher: Unternehmensberater entwickeln ein Start-up

Medienmacher: Unternehmensberater entwickeln ein Start-up

, aktualisiert 08. Juli 2016, 16:14 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Warum die Unternehmensberatung Schickler auf den Logistikmarkt drängt. Wieso „Tempo“ doch nicht mehr 2016 erscheint. Weshalb Volker Herres kein Freiheitsentzug droht, wenn er verrät, was die Bundesligarechte kosteten.

HamburgDie Unternehmensberatung Schickler kennt in Medienkreisen jeder. Es gibt kaum ein Unternehmen in der Branche, das nicht schon mal die Dienste der Berater aus der Großen Bäckerstraße in Hamburg in Anspruch genommen hätte. Weniger bekannt ist dagegen, dass Schickler auch einen Inkubator besitzt. Wohl weil die Consultants aus der Hansestadt sich als „Unternehmensberatung für den digitalen Wandel“ verstehen, erproben sie digitale Geschäftsideen auch mal in Eigenregie.

Nun setzt der unternehmenseigene Inkubator sein erstes Start-up auf die Schiene: Im August geht Cargonexx auf den Markt. Dabei handelt es sich um eine datengetriebene Digital-Spedition. Sie ermöglicht es Spediteuren, Lkw-Frachten mit wenigen Klicks zu aktuellen Spotmarktpreisen zu versenden. Fuhrunternehmer erhalten Frachtaufträge auf ihr Mobiltelefon. Ein Big-Data-getriebener Algorithmus soll Preise und Touren optimieren, so dass – so das Ziel der Schick der Cargonexx-Entwickler – Leerfahrten künftig der Vergangenheit angehören.

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Den Vergleich mit der Taxi-App Uber hören die Schickler-Leute dabei nicht so gern. Zum einen sei das Umsatzvolumen im Lkw-Transportmarkt in der EU mit 208 Milliarden Euro etwa zehnmal höher als im Taximarkt. Zum anderen wolle Cargonexx Spediteuren und kleine Fuhrunternehmern nicht Konkurrenz machen, sondern mit ihnen zusammenarbeiten. Dagegen setzt Uber auf die Verdrängung etablierter Taxiunternehmen.

In den USA gibt es mit Convoy, Truckerpath und Keychain Logistics bereits mehrere Anbieter von Logistik-Apps. Hier haben sich namhafte Investoren wie Ebay-Gründer Pierre Omidyar, Amazon-Gründer Jeff Bezos oder Dropbox-CEO Drew Houston finanziell engagiert. In Europa dagegen ist die Cargonexx GmbH Pionier. Für das erste vollständige Geschäftsjahr 2017 hält das Unternehmen Erlöse von 22,5 Millionen Euro für möglich. Der Break-Even ist in diesem Szenario für 2019 geplant wenn Cargonexx bei Umsätzen von 436 Millionen Euro einen Gewinn von 27,8 Millionen Euro erwirtschaften könnte.

Geschäftsführer der Firma sind Schicklers geschäftsführender Gesellschafter Rolf Dieter Lafrenz sowie Andreas Karanas, der einst die Werbedienstleister Teveo und Matchfox gründete. Cargonexx gehört zu 90 Prozent der Schickler Beteiligungen GmbH und zu zehn Prozent der Lafrenz Industries-Management GmbH von Schickler-Chef Lafrenz.

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Vor knapp einem Jahr war an dieser Stelle zu lesen, dass der zur Hamburger Ganske-Gruppe gehörende Jahreszeiten-Verlag 2016 eine weitere Jubiläumsausgabe des 1996 eingestellten Zeitgeistmagazins „Tempo“ an den Kiosk bringen wolle. Das hatte damals ein Sprecher der Gruppe dieser Kolumne bestätigt. 2006 war erstmals eine „Tempo“-Jubiläumsausgabe erschienen.


Herres bleibt auf freiem Fuß

Nun heißt es von Verlagsseite, eine weitere „Tempo“-Ausgabe werde zwar erscheinen – allerdings nicht mehr 2016. Hintergrund dieser Entscheidung sind offenbar eine Reihe von Neuerscheinungen, die Kapazitäten binden: Anfang Februar brachte der Jahreszeiten-Verlag erstmals die Kochzeitschrift „Foodie Magazin“ heraus. Am 4. Oktober wollen die Hamburger eine deutsche Ausgabe des US-Luxusmagazins „Robb Report“ an die Kioske bringen. Und für Ende des Jahres ist – wenn auch noch nicht offiziell bestätigt – der Start eines weiteren Titels im Food-Segment in Zusammenarbeit mit TV-Koch Johann Lafer geplant.

Deshalb wird die „Tempo“-Jubiläumsausgabe frühestens 2017 erscheinen – wobei ein Jahr nach dem 20. Jahrestag der Einstellung des Magazins von einem Jubiläum nur sehr bedingt die Rede sein kann. Rein theoretisch könnte die Idee alle zehn Jahre eine „Tempo“-Ausgabe herauszubringen, auch einen ganz anderen Grund gehabt haben: Verlage, die sich die Titel eingestellter Magazine dauerhaft sichern wollen, tun gut daran, alle zehn Jahre eine Ausgabe der längst verblichenen Zeitschrift auf den Markt zu bringen. Dieses Vorgehen erübrigt sich aber bei starken Marken, die im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert ist.

Eine solche starke Marke ist offenbar auch „Tempo“. Der Name des Blattes geisterte erst vor ein paar Tagen in Nachrufen auf den kürzlich gestorbenen Karikaturisten Manfred Deix durch die Presse, der auch für das Zeitgeistmagazin gearbeitet hatte. Insofern dürften die Rechte an „Tempo“ auch dann beim Jahreszeiten-Verlag bleiben, wenn die nächste Ausgabe des Titels erst 2017 erscheint.
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Vergangenen Dienstag sorgte ARD-Programmdirektor Volker Herres mit einem bemerkenswerten Satz für Aufsehen. Im Anschluss an eine Intendantentagung sagte er auf einer Pressekonferenz, er könne schon deshalb nicht verraten, wie viel es sein Haus gekostet habe, sich auch künftig die Rechte an Bildern von den Spielen der Fußball-Bundesliga gesichert zu haben, weil „ich auf freiem Fuß bleiben möchte“.

Würde die Deutsche Fußball-Liga (DFL), der Vertragspartner der ARD, Herres tatsächlich hinter schwedische Gardinen bringen, wenn der Programmdirektor sich nicht an die vertraglich vereinbarte Verschwiegenheitsklausel halten würde? Eine Anfrage bei der DFL bringt keine Klärung. Der Ligaverband mag sich offiziell nicht zu der Klausel äußern. Hinter vorgehaltener Hand erzählen DFL-Manager aber, dass die Klausel standardmäßig in ihre Kontrakte mit Rechteerwerbern eingearbeitet sei.

Allerdings bestehe die Möglichkeit, auf die Klausel aus wichtigem Grund zu verzichten. So darf beispielsweise der börsennotierte Pay-TV-Anbieter Sky seinen Anlegern – und damit der Öffentlichkeit – verraten, was ihn die Bundesliga-Rechte gekostet haben. Prinzipiell sei man auch bereit, öffentlich-rechtliche Sender, die ihren Beitragszahlern Rechenschaft über die Verwendung von Gebührengeldern schulden, von der Pflicht zur Verschwiegenheit freizustellen. „Das wäre keine große Sache“, sagt einer. Offenbar hat Herres bisher einfach nur keine Zeit gehabt, um die DFL darum zu bitten, ihn vom Stillschweigen zu entbinden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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