Medienmacher: Von Druckverträgen und Kränkungen

Medienmacher: Von Druckverträgen und Kränkungen

, aktualisiert 09. Dezember 2016, 14:08 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Der Streit um die Umstände, die zur Wahl des neuen VDZ-Präsidenten führten, eskaliert weiter. Nun beschäftigt sich Bertelsmann mit der Causa. Und: Axel Springer erwägt, seine Digitalbeteiligungen an die Börse zu bringen.

HamburgWenn Verlage bestehende Druckverträge kündigen, geht es meist ums Geld. Doch dass die Funke Mediengruppe ihren Kontrakt mit der Bertelsmann-Druck-Tochter Prinovis nun überprüfen will, hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts damit zu tun, dass ein Wettbewerber bessere Konditionen angeboten hätte. Es soll um ein Volumen von 20 bis 25 Millionen Euro gehen. Betroffen sind vor allem Magazine, die Funke 2014 von Axel Springer kaufte – also Titel wie „Hörzu“, „TV Digital“ und „Bild der Frau“. Sie werden vor allem am Prinovis-Standort Ahrensburg, aber auch in Nürnberg gedruckt. Zum Grund für die Überprüfung wollen die Unternehmen nichts sagen. Sowohl Funke als auch Bertelsmann lehnen zu dem Thema jeden Kommentar ab.

In Unternehmenskreisen wird der Vorgang jedoch mit dem Streit um den Verband der Deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ) in Verbindung gebracht. Bekanntlich haben Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“), der „Spiegel“, die „Zeit“ und der Münchner Medweth-Verlag („Madame“, „Jolie“) zum 1. Juli 2017 ihren Austritt aus dem einflussreichen VDZ-Fachverband Publikumszeitschriften (PZ) erklärt. Sie protestieren mit diesem Schritt gegen die Umstände, die zur Wahl des neuen VDZ-Präsidenten Stephan Holthoff-Pförtner führten, einem Funke-Gesellschafter. Das Quartett wirft den Verbandshierarchen vor, in „Hinterzimmerbünden“ ausgekungelt zu haben, wer neuer VDZ-Chef wird.

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Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, was Prinovis mit dem Konflikt zu tun haben könnte. Allerdings gehört nicht nur das Druckunternehmen, sondern auch Gruner + Jahr, der mit Abstand größte der vier Rebellenverlage, dem Medienkonzern Bertelsmann. Und auf Funke-Geschäftsführer Manfred Braun, der die Überprüfung der Druckverträge angeordnet haben soll, haben sich G+J-Chefin Julia Jäkel und „Zeit“-Geschäftsführer Rainer Esser, die Wortführer der vier VDZ-Sezessionisten, ganz besonders eingeschossen. Sie bezichtigen den Medienmanager, in seiner Eigenschaft als PZ-Vorstandsvorsitzender die Unwahrheit gesagt zu haben. Braun hatte stets betont, der Prozess, der zur Nominierung Holthoff-Pförtners führte, sei erst am 22. September angestoßen worden. Also an dem Tag, als der bisherige VDZ-Präsident Huber Burda ihm gegenüber erklärt habe, am 6.November zurücktreten zu wollen. Nur eine Woche danach, am 30. September, empfahl das VDZ-Präsidium der Delegiertenversammlung des Verbandes, Holthoff-Pförtner zum neuen Präsidenten zu küren.

Die vier austrittswilligen Verlage waren zu ihrem Ärger beim Nominierungsprozess außen vor. Sie sind zudem davon überzeugt, dass Burda und Funke sich schon weit vor dem 22. September auf die Person des neuen VDZ-Präsidenten einigten. Am 21. September hatte Zeit-Chef Esser übrigens im PZ-Vorstand G+J-Geschäftsführerin Jäkel als Nachfolgerin Burdas vorgeschlagen, so der denn zurücktreten wolle. Damals hatte Braun gesagt, es sei völlig ungewiss, wann der VDZ-Präsident sein Amt niederlege.

Den Funke-Geschäftsführer soll es sehr getroffen haben, dass man ihn nun der Lüge bezichtigt. Zudem ist er offenbar davon überzeugt, dass Bertelsmann das Vorgehen von G+J-Chefin Jäkel ausdrücklich billigt. In Branchenkreisen heißt es, aus dieser Gemengelage heraus habe der Funke-CEO die Überprüfung der Druckverträge mit Prinovis beschlossen.

Die Sache beginnt Kreise zu ziehen: Die Gewerkschaften, die vor allem am Druck-Standort Ahrensburg den Verlust von Arbeitsplätzen fürchten, sind auf Zinne. In Gütersloh bei Bertelsmann, wo man mit dieser Eskalation offenbar nicht gerechnet hat, beschäftigt sich der Vorstand mit dem Thema. Und auf allerhöchster Ebene sollen der ehemalige VDZ-Präsident Burda und Bertelsmann-Hauptgesellschafterin Liz Mohn ausgelotet haben, wie der eskalierende Konflikt womöglich doch noch beigelegt werden kann. In Unternehmenskreisen heißt es, das Gespräch sei ermutigend gewesen. Offiziell möchten sich weder Bertelsmann noch Burda dazu äußern.

Womöglich kann die Unterredung zwischen Mohn und Burda die Gemüter auf beiden Seiten etwas beruhigen. Diesen Freitag suchen Holthoff-Pförtner und Jäkel nach Wegen, den VDZ-Streit aus der Welt zu schaffen. Das Treffen wurde bereits vor Wochen vereinbart, als an eine Überprüfung der Prinovis-Verträge durch Funke noch nicht zu denken war. .

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Was für einen IPO von Axel Springers Digitalbeteiligungen spricht

Zum Ritual von Pressegesprächen mit Mathias Döpfner gehörte es bis vor zwei Jahren, den CEO von Axel Springer („Bild“, „Welt“) nach einem möglichen Börsengang der Unternehmenstochter Axel Springer Digital Classifieds zu fragen. In ihr hat das Medienhaus seine Online-Rubrikenmärkte wie Immonet / Immowelt und Stepstone gebündelt. 30 Prozent der Firma gehörten dem US-Finanzinvestor General Atlantic, der sich bei seinem Einstieg im März 2012 das Recht ausbedungen hatte, seine Anteile eines Tages an die Börse zu bringen. Im April 2014 meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg, ein IPO stünde unmittelbar bevor.

Doch dazu kam es nicht: Springer zog es vor, seinen Partner auszuzahlen. Im Dezember desselben Jahres legte das Medienhaus für 15 Prozent der Anteile der Amerikaner 446 Millionen Euro auf den Tisch. Die übrigen 15 Prozent erwarben die Deutschen ein Jahr später. General Atlantic erhielt im Gegenzug 8,3 Prozent der Aktien der Axel Springer SE.

Die Idee, einen Teil des eigenen Digitalgeschäfts vom Mutterhaus abzuspalten und an die Börse zu bringen, fand und findet man bei Springer aber nicht grundsätzlich schlecht. Ganz im Gegenteil: Wie es in Finanz- und Unternehmenskreisen übereinstimmend heißt, plant das Berliner Medienhaus einen Teil-IPO seiner digitalen Aktivitäten. Es spricht viel dafür, dass Springer Anteile eben jener Rubrikenportale an die Börse bringen will, an denen General Atlantic einst 30 Prozent hielt. Dabei könnte das Unternehmen von den Vorarbeiten für einen IPO profitieren, über die Bloomberg im April 2014 berichtet hatte.

Laut der Agentur sollten damals die Citigroup und JP Morgan den später abgesagten Börsengang begleiten. Ob die beiden Geldinstitute auch diesmal an Bord sind, ist unklar. Bloomberg hatte seinerzeit unter Berufung auf Finanzkreise Axel Springer Digital Classifieds mit drei Milliarden Euro bewertet. Die Werthaltigkeit der Portale dürfte seither noch gestiegen sein: Mehr als die Hälfte seiner Erlöse erzielt Springer mit Rubrikenmärkten wie Stepstone, Immonet / Immowelt, SeLoger oder Totaljobs.

Vor dem Hintergrund der Anfang des Jahres gescheiterten Umwandlung der Axel Springer SE in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) ergibt der IPO Sinn. Döpfner hatte die Umwandlung ursprünglich geplant, um künftige Akquisitionen mit Springer-Aktien bezahlen zu können. Das ist bisher nur sehr eingeschränkt möglich: Es besteht die Gefahr, dass durch eine Verwässerung des Unternehmensanteils von Hauptgesellschafterin Friede Springer, ihr Einfluss im Konzern zugunsten anderer Anteilseigner zurückgeht. In einer KGaA dagegen hat der Hauptgesellschafter auch dann noch das Sagen, wenn sein Anteil, durch die Aufnahme neuer Gesellschafter auf unter 50 Prozent sinkt. Dennoch bekam die Witwe von Unternehmensgründer Axel Springer im letzten Moment kalte Füße und stoppte im Februar dieses Jahres die Umwandlung.

Damals teilte das Medienhaus mit, es werde „bei Bedarf … andere geeignete Optionen der Kapitalbeschaffung nutzen“. Nun sagt eine Unternehmenssprecherin, man führe Gespräche mit Banken und wäge die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Optionen ab. Derzeit sei noch alles offen. „Eine Festlegung oder Entscheidung gibt es nicht.“

In Finanzkreisen ist man sich jedoch sicher, dass Springer die Weichen für einen Teil-IPO seiner Digitalbeteiligungen bereits gestellt hat. Das Umfeld für ein solches Vorhaben ist ideal. Die derzeitige Niedrigzinsphase scheint langsam aber sicher zu Ende zu gehen. Zudem machte erst vor zwei Monaten der Energiekonzern RWE mit einem vergleichbaren Schritt richtig Kasse. Er spaltete seine Tochter Innogy ab, in der er das Geschäft mit erneuerbaren Energien und den Betrieb seiner Verteilnetze gebündelt hat, und brachte sie an die Börse.

Obwohl die Aktien des RWE-Ablegers zu einem Preis in den Handel kamen, der am oberen Rand der Bookbuilding-Spanne lag, spülte der IPO fünf Milliarden Euro in die Kassen des Energieversorgers und seiner Tochter. Dabei hatte RWE nur 23,2 Prozent der Aktien von Innogy an die Börse gebracht. Die übrigen Anteile behielt der Konzern.

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Und noch eine Bemerkung in eigener Sache: An der Recherche zum Teil-IPO von Axel Springers Digitalbeteiligungen war auch Robert Landgraf aus dem Frankfurter Büro des Handelsblatts beteiligt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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