Medienmacher: Warum der „Spiegel“ nun zwei Personalchefs hat

Medienmacher: Warum der „Spiegel“ nun zwei Personalchefs hat

, aktualisiert 18. März 2016, 14:39 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Wie ein Manager vor dem Arbeitsgericht reüssiert. Wer wie viel für das Jugendangebot von ARD und ZDF zahlen muss. Und was aus dem angedachten Einstieg von Serviceplan bei Sasserath Munzinger Plus geworden ist.

HamburgAnfang Juli 2015 wurde bekannt, dass sich die Spiegel Gruppe von ihrem Verlagsleiter und Personalchef Rolf-Dieter Schulz trennen will. „Im Zuge der Umstrukturierung des Spiegel-Verlags wollen wir auch die Führungsspitze verschlanken und die Verantwortlichkeiten neu ordnen“, sagte „Spiegel“-Geschäftsführer Thomas Hass damals. Intern hieß es, Schulz habe in der Ära von Hass‘ Vorgänger Ove Saffe und der des ehemaligen „Spiegel“-Chefredakteurs Wolfgang Büchner, die in eine massive Führungskrise mündete, ungeschickt agiert.

Doch warum auch immer das Verlagshaus Schulz loswerden wollte, gelungen ist es ihm bis heute nicht. Der Manager klagte gegen seine Entlassung – und zwar mit Erfolg. Am Dienstag entschied das Arbeitsgericht Hamburg, der Personaler habe Anspruch auf Weiterbeschäftigung. Für den „Spiegel“ ist das misslich, denn er hat Schulz‘ Stelle längst wiederbesetzt. Neuer Personalleiter des Nachrichtenmagazins ist seit dem 1. September 2015 Felix Blum, der von Gruner + Jahr kam.

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Wenn der „Spiegel“ nicht noch auf Schulz zugeht, könnte sich die Sache weiter hinziehen. Um in Berufung zu gehen, bleibt dem Verlag eine Frist von vier Wochen. Schulz war auch zehn Jahre Personalchef des Süddeutschen Verlags („Süddeutsche Zeitung“) Er wirkte von 2002 bis 2011 als ehrenamtlicher Richter am Landesarbeitsgericht München. Und er hat mit Peter Rölz einen versierten Anwalt an seiner Seite, dessen Prozessgegner Schulz einst selbst war: Der Frankfurter Arbeitsrechtler vertrat Arno Balzer, den ehemaligen Chefredakteur des „Manager Magazins“, als der 2013 ebenfalls vor dem Arbeitsgericht Hamburg auf Weiterbeschäftigung klagte. Das „Manager Magazin“ erscheint in der Spiegel Gruppe. Balzer ist heute Herausgeber von Axel Springers Wirtschaftsmagazin „Bilanz“.

Ein „Spiegel“-Sprecher sagt, man wolle sich „zu internen Angelegenheiten nicht äußern“. Schulz und sein Anwalt Rölz waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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Seit ein paar Tagen steht unter der gewöhnungsbedürftigen Internetadresse jungesangebotvonardundezdf.de der erste Vorbote des neuen Jungendangebots der Öffentlich-Rechtlichen im Netz. Es gibt ein Blog, ein Editorial von Gründungsgeschäftsführer Florian Hager sowie eine Einladung zu einem Hackathon am 2. und 3. April im hippen Mainz, wo das laut Selbstbeschreibung „öffentlich-rechtliche Start-up“ seinen Sitz hat. Bis Oktober soll das komplette Angebot im Netz stehen.

Auch auf die Verteilung der Kosten hat man sich im Wesentlichen geeinigt, die nach Angaben des NDR bei 43,7 Millionen Euro liegen. Demnach wird die ARD zwei Drittel, das ZDF ein Drittel des Etats des jungen Angebots übernehmen. Dies entspricht nicht nur der Größe beider Anstalten. Das ZDF, das nun 14,57 Millionen Euro im Jahr für das Projekt berappen muss, war auch von Anfang nicht so recht von dem Vorhaben überzeugt. Ursprünglich dachte der Initiator des jungen Angebots SWR-Intendant Peter Boudgoust an einen TV-Kanal für junge Leute. Dafür aber fehlte das Geld, weshalb es nur zu einem Online-Auftritt reichte. Der SWR behielt dennoch die Federführung. Deshalb sitzt das junge Angebot jetzt auch in Mainz, mitten im Sendegebiet der Anstalt aus dem Südwesten.


Serviceplan steigt doch nicht bei Berliner Agentur ein

Von den 29, 13 Millionen Euro, die auf die ARD entfallen, muss der SWR übrigens 18,2 Prozent beziehungsweise 5,3 Millionen Euro zahlen. So sieht es der sogenannte Potsdamer Schlüssel vor, der bei Gemeinschaftsaufgaben der ARD-Sender genau regelt, welche Anstalt wie viel Prozent der Finanzierung übernimmt. Als größte ARD-Anstalt ist der WDR mit 6,15 Millionen Euro dabei, was 21,1 Prozent der auf den Senderverbund entfallenden Kosten entspricht. Das kleine Radio Bremen muss dagegen nur gut 218.000 Euro zahlen, 0,75 Prozent der ARD-Gesamtkosten.

Letztendlich ist die Sache dann aber doch nicht ganz so einfach. Denn die ARD-Sender müssen ihren Anteil an der Finanzierung des jungen Angebots nicht komplett in Cash entrichten. Nach Angaben einer NDR-Sprecherin können die Anstalten ihren Anteil am Etat des Projekts „teilweise in Form von Programmzulieferungen“ erbringen. Gedacht ist dabei unter anderem an Programme junger Hörfunkwellen wie etwa 1Live vom WDR, Fritz vom RBB oder Das Ding vom SWR. Mit wie vielen Programmzulieferungen eine Anstalt maximal ihren Anteil an der Finanzierung des jungen Angebots verrechnen darf, steht offenbar noch nicht fest.

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Anfang Dezember 2015 war an dieser Stelle zu lesen, die Münchener Werbeagenturgruppe Serviceplan prüfe den Einstieg bei der Berliner Agentur für strategische Markenberatung Sasserath Munzinger Plus. Die Prüfung ist nun abgeschlossen. Die größte inhabergeführte Agenturgruppe Europas hat sich gegen einen Einstieg entschieden. Stattdessen hat sie mit der Serviceplan Consulting Group eine eigene Beratungseinheit gegründet. Die Kernkompetenzen des neuen Agenturablegers, der im Mai die Arbeit aufnimmt, werden nach Serviceplan-Angaben „Marke und Kommunikation sowie Digital Business Consulting und Transformation“ sein.

An der Spitze der 20-köpfigen Serviceplan Consulting Group steht zum einen Thomas Zervos. Er ist bereits seit 2011 bei Serviceplan, wo er zunächst den Ableger Plan.Net leitete. Zuletzt war Zervos Planning-Chef der Agenturgruppe. Bei der Serviceplan Consulting Group wird er für Digital Business Consulting und Transformation verantwortlich sein.

Zervos zur Seite steht Alessandro Pannella, bislang Chief Strategy Officer bei Grey Germany. Er wird für Marke und Kommunikation zuständig sein und die Leitung des Planning Teams übernehmen. Die Serviceplan Consulting Group hat ihren Sitz in München und unterhält Büros in Hamburg und Berlin. Ergänzt werden soll sie durch bereits bestehende Teams an internationalen Standorten.

Und Sasserath Munzinger Plus? Mit der Agentur aus der Hauptstadt wolle man künftig kooperieren, heißt es bei Serviceplan. Die Berliner selbst wollen sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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