Medienmacher: WDR bringt die Aldi-Gründer ins Fernsehen

Medienmacher: WDR bringt die Aldi-Gründer ins Fernsehen

, aktualisiert 04. November 2016, 14:56 Uhr
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

von Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Weshalb ein Fernsehfilm über die Aldi-Gründer ein schwieriges Unterfangen ist. Warum der Wahl des neuen VDZ-Präsidenten nichts im Weg steht. Und wieso es bei DuMont Dialog Irritationen gab.

HamburgDer WDR arbeitet für das Erste an einem großen Dokudrama über die Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht. Das Projekt gilt als schwierig. Wohl auch deshalb äußert sich eine Sendersprecherin auf Anfrage sehr zurückhaltend: „Der WDR ist über ein dokumentarisches Projekt zur Geschichte von Aldi im Gespräch“, sagt sie. Tatsächlich ist das Vorhaben, für das auf Senderseite WDR-Dokumentationschefin Christiane Hinz verantwortlich zeichnet, wohl schon etwas weiter fortgeschritten. Das Dokudrama mit dem Arbeitstitel „Aldi – eine deutsche Familiengeschichte“ soll von der Berliner Firma AVE Publishing GmbH produziert werden.

Ob die Besetzung bereits feststeht, ist unklar. An dem Projekt wird offenbar schon geraume Zeit gearbeitet. Wegen der Verschwiegenheit der Gründerfamilie soll sich die Recherche länger als bei Dokudramen üblich hingezogen haben. Theo Albrecht starb 2010, sein Bruder Karl erst vor gut zwei Jahren. Aber auch die Erben der Gründer sind sehr medienscheu. Als Theo Albrechts Sohn Theo Albrecht jr. vor fünf Monaten dem Handelsblatt ein Interview gab, galt das als kleine Sensation.
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Trotz der Ankündigung der Chefs von Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“), „Zeit“ und „Spiegel“, kommende Woche dem Kongress Publishers‘ Summit des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) fernbleiben zu wollen, gilt die für diesen Sonntag angesetzte Wahl von Stephan Holthoff-Pförtner zum neuen VDZ-Präsidenten als sicher. Die Absage des Trios hat mit dessen Protest gegen das Prozedere zu tun, das zur Nominierung des Mitgesellschafters der Funke Mediengruppe („Hörzu“, „Bild der Frau“) führte.

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In einem Brief der drei Zeitschriftenhäuser, den auch der Verleger des Münchener Medweth-Verlags („Madame“, „Jolie") unterschrieben hatte, war, wie vergangene Woche berichtet, in diesem Zusammenhang von „Hinterzimmerbünden“ die Rede. Auch auf einer kurzfristig einberufenen Vorstandssitzung des VDZ-Fachverbandes Publikumszeitschriften vergangenen Montag in Hamburg konnten die Wogen nicht geglättet werden.

Im Verband soll das Quartett mit seiner Sicht der Dinge jedoch in der Minderheit sein. Zwar kritisieren auch andere Verlage die mangelhafte Transparenz bei der Nominierung Holthoff-Pförtners. Das Vorgehen der Briefeschreiber lehnen die meisten Zeitschriftenhäuser aber ab. Den Verfassern des Schreibens wird vorgeworfen, ihren Brandbrief an die Presse lanciert zu haben. Der Boykott des Publishers‘ Summit sei kindisch, heißt es.

Auch deshalb ist nicht die Frage, ob, sondern mit welcher Mehrheit Holthoff-Pförtner gewählt wird. Über den neuen VDZ-Präsidenten entscheidet die Delegiertenversammlung des Verbandes, deren 15 Mitglieder insgesamt über 20 Stimmen verfügen. Zu den wenigen Wackelkandidaten zählt Volker Breid, Geschäftsführer der Motor Presse Stuttgart, der den Südwestdeutschen Zeitschriftenverleger-Verband vertritt. 59,9 Prozent der Anteile der Motor Presse hält Gruner + Jahr. Allerdings, heißt es in Verbandskreisen, sei Breid an das Votum seines Landesverbandes gebunden, der mehrheitlich für die Wahl Holthoff-Pförtners sei.

Im Verband der Zeitschriftenverleger Nord, dem drei der Verfasser des Brandbriefs (G+J, „Spiegel“, „Zeit“) angehören, könnte dies theoretisch anders sein. Doch angeblich gibt es auch im Norden eher eine Stimmung pro Holthoff-Pförtner, weshalb auch von Peter Strahlendorf von der MMC Verlagsgruppe, dem Delegierten der Nordlichter, nicht unbedingt eine Gegenstimme oder eine Enthaltung zu erwarten ist.

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Callcenter-Irritationen bei DuMont

Vor zwei Wochen war an dieser Stelle zu lesen, dass das zur Funke Mediengruppe gehörende „Hamburger Abendblatt“ seine Anzeigenabteilung ausgründen und mit der Funkes Hamburger Anzeigenblättern zusammenlegen will. Nun bestätigt ein Verlagssprecher auch offiziell dieses Vorhaben. Damit hat man sich von anderen möglichen Szenarien verabschiedet, wie etwa die Gründung einer neuen Vermarktungstochter zusammen mit Fremdunternehmen oder aber einem Verbleib der Anzeigenverkäufer beim Abendblatt, der mit einem drastischen Personalabbau verbunden gewesen wäre.

Durch die nun gefundene Lösung soll die Zahl der wegfallenden Stellen vergleichsweise gering bleiben. Wie viele der 62 festangestellten Anzeigenverkäufer gehen müssen, steht noch nicht fest. Die Ausgliederung soll zum 1. Januar 2017 erfolgen. In einer neu zu gründenden GmbH sollen auch die Anzeigenverkäufer der ebenfalls zu Funke gehörenden „Bergedorfer Zeitung“ und der Anzeigenblätter im Bezirk Hamburg-Bergedorf aufgehen, die bereits in einer gemeinsamen Vermarktungsgesellschaft arbeiten. Gegen die geplante Ausgründung der Anzeigenabteilung sammelt der Betriebsrat Unterschriften..

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Der Umgang mit Anrufen von Lesern zu Umstrukturierungen im Berliner Verlag („Berliner Zeitung“, "Berliner Kurier“), die – wie berichtet – mit einem massiven Arbeitsplatzabbau einhergehen, hat im Callcenter des Unternehmens zu Irritationen geführt. Wie Mitarbeiter berichten, sollen diese Anrufe zunächst vom externen Dienstleister Walter Services bearbeitet worden sein. Dessen Belegschaft sei mit dieser Aufgabe überfordert gewesen. Testanrufe aus dem Berliner Verlag hätten ergeben, dass genervte Mitarbeiter von Walter Services ihre Gesprächspartner schon mal aufgefordert hätten, ihr Abo zu kündigen, falls ihnen das Vorgehen des Verlags nicht passe. Deshalb sei die Weiterleitung der Leseranrufe an den Dienstleister vergangenen Freitag um 15 Uhr abgeschaltet worden. Fortan sei das hauseigene Callcenter mit der Abwicklung der Beschwerden befasst gewesen.

Dieser Darstellung widerspricht ein Sprecher der DuMont Mediengruppe, der der Berliner Verlag gehört. Walter Services ist demnach nur zusätzlich mit der Bearbeitung der Beschwerden beauftragt gewesen, da man nach der Bekanntgabe der Umstrukturierung mit zahlreichen Anrufen gerechnet habe, die vom hauseigenen Callcenter allein nicht hätten bewältigt werden können. Tatsächlich habe es bis Freitagnachmittag jedoch nur 29 Anrufe gegeben, weshalb die Weiterleitung zu Walter Services nicht mehr erforderlich gewesen sei.

Eine in alarmistischem Ton verfasste interne Mail mit der Wichtigkeit „hoch“, die dieser Kolumne vorliegt, erweckt jedoch einen anderen Eindruck: Das Schreiben vom vergangenen Freitag 14.53 Uhr trägt in großen Lettern die Überschrift „Achtung wichtig!“ Der Satz, dass die Weiterleitung an Walter Services abgeschaltet wird, endet mit drei Ausrufezeichen. Warum nur, wenn der Grund dafür ein geringes Anruferaufkommen war und die Mitarbeiter des hauseigenen Callcenters einen Teil der eingegangen Beschwerden ohnehin bereits bearbeiteten?

Noch rätselhafter ist, dass der Mail nicht nur ein zweiseitiges Briefing („Konzept zur Beschwerde-Hotline“) beigefügt ist, sondern auch noch im Anschreiben den Mitarbeitern Verhaltensmaßregeln („Seid bitte emotional… (Verständnis), trotzdem keine eigenen Kommentare oder Meinungen abgeben“) mit auf den Weg gegeben werden. Warum mussten die eigenen Callcenter-Mitarbeiter überhaupt noch gebrieft werden, wenn sie auch zuvor schon mit der Bearbeitung der Protestanrufe befasst waren?

Pikant an der Sache ist übrigens auch, dass die Berliner Niederlassung des verlagseigenen Callcenters DuMont Dialog zum Jahreswechsel von Walter Services übernommen wird. Auch das ist Teil der Umbaupläne von DuMont in der Hauptstadt. Nicht wenige Callcenter-Mitarbeiter befürchten, dass ihr neuer Arbeitgeber Berlin als Standort aufgeben wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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