Meeresschutz: Umweltschützer wollen Geisternetze bergen

Meeresschutz: Umweltschützer wollen Geisternetze bergen

, aktualisiert 22. Juni 2016, 11:57 Uhr
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Die herrenlos im Meer treibenden Netze sind eine potenzielle Todesfalle für Meeresbewohner.

Quelle:Handelsblatt Online

Jährlich gehen in der Ostsee Tausende Fischernetze verloren. Diese sogenannten Geisternetze treiben als tödliche Fallen für Meerestiere durchs Wasser. Nun sollen sie mit einer neuen Methode eingefangen werden.

StralsundGeisternetze sollen künftig effektiver und in internationaler Zusammenarbeit aus der Ostsee geborgen werden. Umweltverbände aus Deutschland, Schweden, Estland, Finnland und Polen haben zusammen mit Fischern ein Projekt zur Beseitigung der verloren gegangenen Netze gestartet. Es sieht vor, eine neue Bergungsmethode zu testen und eine Hotspot-Karte mit Feldern der Netze zu erarbeiten, wie Projektleiterin Gabriele Dederer von der Umweltorganisation WWF bei der Borstellung der Initiative sagte.

Schätzungen zufolge gehen in der Ostsee jährlich bis zu 10.000 Kunststoffnetze oder Teile davon verloren. Sie treiben als Plastikmüll umher, landen auf dem Meeresboden und können zur tödlichen Falle für Meeresbewohner werden.

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Bislang hatten Taucher vor der deutschen Ostseeküste die nicht verrottbaren Kunststoffnetze aus dem Wasser geholt – insgesamt zwei Tonnen. In diesem Jahr soll nun testweise eine 200 Kilogramm schwere Egge eingesetzt werden, die über den Meeresboden gezogen wird.

Das Nachbarland Polen habe mit dem Einsatz dieses einen Meter breiten Gerätes gute Erfahrungen gemacht, sagte Dederer. So seien dort im Jahr 2015 rund 270 Tonnen Netze geborgen worden.

Der Einsatz von Tauchern sei zwar sehr gezielt, aber auch kosten- und zeitintensiv. Mit der Egge könnten größere Areale abgesucht werden, sagte Dederer zum testweisen Einsatz vor Rügen und Usedom. Dort wird ab Juli ein Fischer auf Suche nach den Geisternetzen gehen.


Suche nach besseren Materialien

Das Projekt namens „MareLitt Baltic“ wird auch untersuchen, wie umweltverträglich der Einsatz der Egge ist und ob Habitate geschädigt werden. Ergebnisse sollen im Frühjahr 2017 vorliegen.

Die schwedischen Projektpartner untersuchen derweil, wie Netze möglicherweise durch Signalgeber markiert werden können, um sie bei Verlust schneller zu finden. Zudem soll an Materialien geforscht werden, die sich früher als das bislang bei Netzen genutzte Nylon oder PET im Wasser abbauen und die Umwelt nicht so stark belasten. Polen arbeitet zudem an der Erstellung einer Karte mit Hotspots – Meeresgebieten, in denen sich besonders viele Geisternetze befinden.

Plastik zersetzt sich sehr langsam über Hunderte von Jahren. Zudem belasten winzige Stücke weiter das Meer als Mikroplastik. Die Teile gelangen über Tiere in die Nahrungskette.

Nach Angaben von Greenpeace landen in den europäischen Meeren bis zu 25.000 Fischernetze jährlich. Die Umweltorganisation hatte im Frühjahr rund eine Tonne Netze in der Nordsee bei Sylt geborgen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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