Melania Trump im US-Wahlkampf: Mrs. Trump soll's richten

Melania Trump im US-Wahlkampf: Mrs. Trump soll's richten

, aktualisiert 04. November 2016, 03:44 Uhr
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„Ich werde eine Anwältin für Frauen und Kinder sein“.

von Nils RüdelQuelle:Handelsblatt Online

Lange hatte sich Melania Trump aus dem Wahlkampf herausgehalten. Doch jetzt trat sie in Pennsylvania auf. Ihr Ehemann Donald braucht sie – Melania soll dabei helfen, sein Image bei einer Gruppe zu verbessern.

Washington„Aquarius“ – schon das Lied, das Melania Trump auf dem Weg zum Rednerpult begleitet, soll auf den neuen Sound der Wahlkampagne ihres Mannes einstimmen: „Harmonie und Verständnis“, trällert die Musik aus den Boxen, „Sympathie, Mitgefühl und reichlich Vertrauen, keine Falschheiten oder Verhöhnungen mehr“. Melania lächelt etwas unsicher, winkt, und zeigt: Seht her, wie nett wir sind. „Wir lieben Dich“, ruft ein Fan aus dem Publikum. „Und ich liebe euch“, ruft Melania zurück.

Nun hat der harmonische Ohrwurm aus dem Hippie-Musical „Hair“ mit dem US-Wahlkampf eher gar nichts gemein: Dieser ist laut, vulgär, voller Beleidigungen und Scheußlichkeiten. Was vor allem an Donald Trump liegt, der Frauen schon mal als „Schweine“ bezeichnete, über sexuelle Übergriffe prahlte und Behinderte nachäffte. Da das aber Wähler abschreckt, vor allem Wählerinnen, soll nun Ehefrau Melania ran. „Ich werde eine Anwältin für Frauen und Kinder sein“, ruft sie von der Bühne.

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Der Ort ihres Auftritts – Berwyn, ein wohlhabender Vorort von Philadelphia, Pennsylvania – ist mit Bedacht gewählt. Hier wollen die Republikaner Vorstadtfrauen aus der Mittelschicht ansprechen, in einem Bundesstaat, um den Trump und Rivalin Hillary Clinton in den letzten Tagen vor der Wahl hart kämpfen. In Umfragen schneidet Trump bei Frauen dramatisch schlecht ab, er braucht sie dringend für einen Sieg. Doch Clinton hat zuletzt ebenfalls gezielt Wählerinnen angesprochen. „Er sieht uns nicht als vollwertige Menschen an“, sagte sie am Donnerstag bei einem Auftritt über Trump.

Es steht viel auf dem Spiel für den 70-Jährigen, und der Melania-Auftritt war für die Republikaner durchaus riskant. Das 46-jährige Ex-Model, die einst aus Slowenien einwanderte, hat nicht die Ausstrahlung und rhetorische Gabe einer Michelle Obama. Sie wirkt unsicher auf der Bühne, hält sich strikt an den Teleprompter und spricht mit starker osteuropäischer Färbung – einem „breiten Vampir-Akzent“, wie der „Rolling Stone“ einmal lästerte. Der letzte und bislang einzige Auftritt Melanias auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner im Sommer endete mit einer großen Peinlichkeit: Melanias Redenschreiber hatten Teile einer Ansprache Michelle Obamas abgekupfert.

An diesem Donnerstag nun steht Melania auf der Bühne in Berwyn, und es ist ihre Aufgabe, das Sexisten-Image ihres Mannes zurechtzurücken. Und den Wählern zu zeigen, mit welchen Themen sie sich als First Lady beschäftigen will. So will sie sich für Frauen einsetzen, die im Leben zu kämpfen hätten, sagt Melania, „viele wurden zurückgelassen“. Außerdem will sie sich gegen Hass im Internet einsetzen, dem vor allem Kinder oft schutzlos ausgeliefert sind. Die Kultur im Netz sei „zu gemein, zu rau“ geworden. „Wir müssen einen besseren Weg finden, miteinander zu reden“.

Zur Erinnerung: Ihr Mann hat einen Gutteil seines Wahlkampfes mit Beleidigungen und Obszönitäten bestritten. Sein Twitter-Account, den er auch gerne mal nachts um halb drei vollschrieb, kann nicht als jugendfrei durchgehen.


„Donald konnte nicht mehr dasitzen und zusehen“

Doch jetzt, während Melanias knapp 20-minütiger Rede, soll das vergessen werden. Sie zeichnet lieber das Bild eines Mannes mit Hingabe für sein Land. Der leide, wenn wieder irgendwo eine Fabrik schließt, in Ohio, North Carolina „oder hier in Pennsylvania“. Schließlich habe er sich entschlossen, Präsident zu werden, weil er „nicht mehr dasitzen und zusehen konnte“. Mit ihm als Chef würden die USA wieder gerecht, sicher, stolz und natürlich – großartig. „Make America great again“, wiederholt sie seinen Wahlkampf-Slogan.

Persönliches über „The Donald“ erzählt Melania hingegen nicht; auch keine Anekdoten, wie sie üblicherweise bei Wahlkampfreden den Kandidaten menschlicher machen sollen. Ein „Kämpfer“ sei Donald, sagt Melania, und fügt lächelnd hinzu: „Er weiß sicherlich, wie man die Dinge aufmischt, oder?“

Vor allem stellt sich Melania in ihrer Rede selbst vor. Sie schlägt einen großen Bogen, von ihrer Kindheit im von Kommunisten regierten Slowenien (damals eine Teilrepublik Jugoslawiens), ihrem Traum von den Freiheits-Verheißungen Amerikas und Ronald Reagans, ihrer Modelkarriere in Paris, Mailand und New York mit allen Höhen und Tiefen, ihrer ersehnten US-Staatsbürgerschaft („Das größte Privileg der Welt“) bis zur Hochzeit mit dem Milliardär Donald Trump. Seit der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes Barron kümmert sie sich um den inzwischen Zehnjährigen, während ihr Mann seinen Geschäften und der Politik nachgeht. „Wir wissen, wie privilegiert wird sind“, sagt Melania, „trotzdem führe ich dieselben Gespräche mit meinem Sohn wie ihr“.

Die Rede in Pennsylvania ist Teil eines Strategieschwenk der Trump-Kampagne wenige Tage vor der Wahl. Während Clinton seit dem Wiederaufflammen der E-Mail-Affäre in der Defensive ist und in Umfragen Stimmen verliert, gibt sich Trump zahmer und sachlicher als zuvor. Am Mittwoch hatte er beteuert, er wolle sich bis zur Wahl auf seine Botschaft konzentrieren. „Bleib ruhig, Donald! Bleib fokussiert!“, sagte er auf einer Wahlkundgebung.

Mit dem Auftritt Melanias in Pennsylvania zeigt sich Trump zufrieden. Noch am Donnerstag twittert er ein Foto von sich, wie er die Rede im Privatjet verfolgt. „Ich sehe dabei, wie meine schöne Frau Melania über die Liebe zum Land zur Familie spricht. Wir werden euch alle sehr stolz machen“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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