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Messe-Chef Fritsch: „Gute Chancen für die deutsche Wirtschaft“

von Carina Groh-Kontio Quelle: Handelsblatt Online

Messe-Chef Wolfram von Fritsch will bei der bedeutendsten Industriemesse auf die enorme Bedeutung Chinas aufmerksam machen - nicht als einen messerscharfen Rivalen, sondern als gleichwertigen Partner für Deutschland.

Wolfram von Fritsch, der Chef der Deutschen Messe, will 2013 wieder Gewinn machen (Bild: Deutsche Messe).
Wolfram von Fritsch, der Chef der Deutschen Messe, will 2013 wieder Gewinn machen (Bild: Deutsche Messe).

DüsseldorfHandelsblatt: Herr von Fritsch, vor einem Jahr hat die Hannover Messe Ihre Erwartungen "mehr als übererfüllt." Was erwarten Sie für das Jahr 2012 von dem Ereignis?

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Wolfram von Fritsch: Vom Turnus her vergleichen wir die Hannover Messe 2012 mit der Veranstaltung aus dem Jahr 2010. Diese Vorveranstaltung werden wir in allen Kategorien, also bei der Zahl der Aussteller, der vermieteten Fläche und bei den Besuchern übertreffen.

Dennoch schreibt die Deutsche Messe rote Zahlen!

Wir haben 2011 mit einem Gewinn von mehr als 20 Millionen Euro abgeschlossen. Wir wachsen in allen Bereichen unseres Unternehmens, im Stamm- und im Neukundengeschäft und haben seit 2008 alle unsere finanziellen Pläne übererfüllt. Zwar ist in diesem Jahr das Ergebnis noch geplant negativ, aber 2013 erzielen wir einen Gewinn und auch 2014 ist mindestens eine schwarze Null geplant.

Wie wollen Sie das schaffen?

Beispielsweise sind wir mit 23 neuen Messen im Ausland binnen zwei Jahren die schnellste deutsche Messegesellschaft, mit der neuen Tochtergesellschaft Deutsche Messe Interactive der Markführer bei digitaler Geschäftsanbahnung im B2B-Bereich und wir haben das Unternehmen komplett entschuldet. Unser Ziel ist es, für den Zeitraum 2011 bis 2014 in Summe einen Gewinn auszuweisen – das schaffen wir.

Produktschau, Ideenwerkstatt, Konzeptionsschmiede: Die Messe in Hannover gilt als das Schaufenster der deutschen Wirtschaft und strahlt als größte Investitionsgütermesse der Welt. Mit Themen wie Energietechnik, Energieeffizienz und Urbanität besetzt die Branchenschau die wichtigen Themen des 21. Jahrhunderts.

Bild: dpa

Die Hannover Messe gilt als Gradmesser für die weltweite Konjunktur der Industrie. Vor einem Jahr sprachen Sie von einem "länderübergreifenden Optimismus", den Sie wahrgenommen haben. Wie schätzen Sie heute die Stimmung in der Branche ein?

Gerade hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft zum fünften Mal in Folge verbessert. Der ifo-Index ist im März zum fünften Mal in Folge gestiegen: von 109,7 auf 109,8 Punkte. Die Hannover Messe spiegelt auch das Herz der deutschen Industrie wieder – ein Herz, das gerade bestens schlägt. Der ifo-Index steht für eine stabile deutsche Konjunktur, die sich auch vom Auslandsgeschäft weitere Impulse erwartet.

Das Leitthema der diesjährigen Hannover Messe lautet „Greentelligence“. Welche Bedeutung haben industrielle Umwelttechnologien für die Branche, die sich gerade mit den Auswirkungen der Energiewende konfrontiert sieht?

Damit sind nicht nur industrielle Umwelttechnologien gemeint, sondern die intelligente Verbindung von effizienten Verfahren, umweltverträglichen Materialien und nachhaltigen Erzeugnissen in der industriellen Produktion. Die Hannover Messe entwickelt sich jedes Jahr weiter. Wir sind in Teilen mit den neuen Technologiefeldern eine grüne Messe geworden. Mit dem Vorteil, dass die Veranstaltung gleichzeitig die Erneuerbaren und die konventionellen Energieträger abbildet. Von der Erzeugung, über die Übertragung und Speicherung bis hin zur Verteilung sieht man in Hannover wie sonst nirgends auf der Welt Lösungen, die wir brauchen, wenn wir die Energiewende erfolgreich umsetzen wollen.

Neu in diesem Jahr ist die Leitmesse „IndustrialGreenTec“, auf der grüne Technologien aus der Industrie für die Industrie vorgestellt werden - was ist hier zu erwarten?

Wir zeigen, dass die Industrie für die Industrie selber viele Lösungen entwickelt hat, die es ihr ermöglichen, so nachhaltig zu wirtschaften, dass sie in allen Wertschöpfungsstufen einen Beitrag zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit leisten kann.

Sie haben als Gastland in diesem Jahr China eingeladen - ein Land, das sich von Anfang an für das Know-how aus Deutschland interessierte. Der VDMA hat kürzlich die Wettbewerbsstärke von Konkurrenten aus China untersucht und zu folgendem Ergebnis gekommen: Danach ist China nicht nur wichtigster Absatzmarkt für in Deutschland hergestellte Investitionsgüter. Das Land ist gleichzeitig auch zum weltgrößten Hersteller von Maschinen aufgestiegen und exportiert diese in wachsenden Mengen selber - deutsche Hersteller bekommen also plötzlich Konkurrenz von ihren eigenen Abnehmern. Spiegelt sich das auch auf der Hannover Messe wieder?

China als Partnerland ist 2012 ein Glücksgriff. Das Land ist nicht nur die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und damit ein wichtiger Handelspartner. Das Land verändert und entwickelt sich auch sehr stark – sehen Sie sich den neuesten 5-Jahres-Plan an, in dem sieben strategische Industriefelder aufgezeigt werden. Da merkt man, wo China hin möchte: In ein umwelttechnologisch modernes Land. Dort gibt es schon viele Weltmarktführer und deswegen wird China in diesem Jahr einhellig begrüßt. Sowohl von der Politik, die weiß, dass wir dort Partner haben, als auch von der Industrie, die weiß, dass sie dort einen großen Markt hat – wo sie auch schon sehr stark investiert ist. China selber plant auf der Hannover Messe den größten industriellen Einzelauftritt, den es jemals im Ausland organisierte.

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Dass man Chinas Innovationskraft nicht unterschätzen darf ist klar. Aber was bedeutet das für die deutschen Technologieführer und wie können diese darauf reagieren?

Ich habe bei meinen Besuchen in China festgestellt, das Deutschland der Anker in Europa ist. Vor allem wenn es um wirtschaftliche Entwicklung und technologische Führerschaft geht, schaut China zu allererst zu uns. Das Land sieht, dass es hier einen modernen und verlässlichen Partner hat – keinen Rivalen, denn es auszustechen gilt. China hat ein dauerhaftes Interesse an Deutschland und ich bin davon überzeugt, dass Deutschland sehr gut damit beraten war, intensive Beziehungen über die letzten Jahrzehnte zu pflegen.

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