Microsoft und der Angriff auf Oracle: Kampf um das Herz der Industrie 4.0

Microsoft und der Angriff auf Oracle: Kampf um das Herz der Industrie 4.0

, aktualisiert 14. März 2016, 13:27 Uhr
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Der Microsoft-CEO Satya Nadella will will Rivalen Oracle entthronen.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Es ist der Krieg, der im Stillen seit Jahren geführt wird. Doch jetzt ist Microsoft-Chef Satya Nadella persönlich gekommen, um ihn ins Rampenlicht zu zerren. Der Kampfplatz der Giganten: ein 50-Milliarden-Dollar-Markt.

New YorkDonnerstagmorgen in New York. Nadella stellt die 2016er Version von Microsofts Datenbank-Servers SQL (sprich „Sequal“) vor. Vor 20 Jahren hätte das niemanden außerhalb der IT-Industrie interessiert. Doch das ist im Internetzeitalter anders. Daten sind die „neue Elektrizität“ oder das „Rohöl der digitalen Welt“, wie Experten schwärmen. Und Datenbanken spielen im Hintergrund die Schlüsselrolle.
Sie speichern mittlerweile nicht nur gigantische Mengen von Daten. Sie sind zum Dreh- und Angelpunkt für „Big Data“ geworden, für Analyse und „Business-Intelligence“. Das ist die Wissenschaft, die aus Daten in Sekunde-Bruchteilen hilfreiche Informationen macht, mit denen Milliardenunternehmen gelenkt werden.

Vor dem Hintergrund des Industriellen Internets der Dinge, das Milliarden von Geräten, Menschen und Sensoren vernetzen wird, steigt der Bedarf an Hochleistungsdatenbanken tagtäglich. Der potenzielle Markt wird vom Analysehaus Gartner auf 50 Milliarden Dollar veranschlagt.

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Kein Wunder, dass vier der reichsten Männer der Welt aggressiv um diesen Markt streiten. Da ist Larry Ellison, Gründer und Präsident von Oracle mit einem Jahresumsatz von 38 Milliarden Dollar, aber ohne Wachstum im Stammgeschäft. Dagegen die Microsoft-Großaktionäre Bill Gates und Steve Ballmer, vertreten durch Vorstandschef Satya Nadella. Microsoft kam 2015 auf 51 Milliarden Dollar Business-Umsatz, wobei Datenbanken laut Barb Edson, General Manager Datenplattformen, „bereits der größte Einzelbereich darstellt“. Und dann ist da Jeff Bezos, Gründer von Amazon.com. Sein Cloud-Anbieter AWS setzt schon acht Milliarden Dollar um und bietet jetzt eigene Datenbanken an.

Der Angriff, den Satya Nadella an diesem klaren Wintermorgen im 43. Stock des „Time Inc“-Hochhauses reitet, hat es in sich. Eine komplette Datenbank-Installation für ein kleineres Unternehmen mit allen Optionen bis zur Business-Intelligence kostet bei Oracle laut Listenpreis 3,74 Millionen Dollar - pro Jahr. Nadella verspricht eine vergleichbare Installation schon für 320.000 Dollar. Und wer einen bestehenden Oracle-Vertrag nachweisen kann, der bekommt die SQL-Server-Lizenz sogar kostenfrei.


Systemwechsel als OP am offenen Datenherzen

Ein Raunen geht durch die Reihen der rund 200 geladenen Kunden aus Industrie, Handel und Banken. Smartphones werden gezückt und die Folie an der Wand abfotografiert und ans Büro geschickt. „Break free from Oracle“ ist die Webseite für das Angebot unmissverständlich betitelt. „Da werden einige Leute ins Grübeln kommen“, schmunzelt Merv Adrian von Gartner nach den Keynotes im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die eingeladenen Kunden sitzen da bereits längst in improvisierten gläsernen Konferenzräumen und büffeln Details.

Denn eine Datenbank mit Petabyte (1000 PC-Festplatten mit einem Terabyte) von Daten und unzähligen Apps wechselt man nicht mal so eben. Das ist wie eine Operation am offenen Datenherzen. Wenn das schief geht, kann es existenzgefährdend sein.

Und ganz „kostenlos“ wäre ein Wechsel auch nicht. Einige zusätzliche Microsoft-Dienste müssen abonniert werden, um in den Genuss des Angebots zu kommen, enthüllt das Kleingedruckte. Trotzdem: Der Druck auf Unternehmensmanager ist hoch. Ohne entsprechende Datenbanken und Analyse-Apps ist das Internet der Dinge, oder Industrie 4.0 nur leere Versprechungen.
Nadella verspricht deshalb noch mehr. Spätestens 2017 wird es SQL-Server auch für das offene Betriebssystem Linux geben. Ein Tabubruch sondergleichen. Bislang ist Windows ein Muss, wenn man SQL einsetzen will. Aber Nadella weiß: Die Zeiten des Windows -Monopols sind vorbei. Er will Microsoft nun überall zum Marktführer machen. Schon jetzt ist SQL-Server der größte Anteil an Microsofts gewaltigen Business-Segment. SQL-Server für Linux, schätzt Gartner-Analyst Adrian, ist in den kommenden Jahren für „einige Milliarden Dollar zusätzlicher Umsatz gut“. Bislang sei der Windows-Zwang der „ultimative Killer“ für viele Unternehmen, die sich nun überlegen würden, von Oracle zu wechseln. Und auf der anderen Seite lauert Amazon, die mit ihrer Datenbank „Aurora“ angreifen und „sehr erfolgreich“ auftreten.
So oder so, feixt so der Analyst, wird das „richtig spannend zu beobachten“. Am 15. März legt Oracle Quartalszahlen vor. Und der einzige Wert, der Analysten wie Adrian dieses Mal interessiert, dass ist das Wachstum im Cloud-Geschäft mit Datenbanken.

Quelle:  Handelsblatt Online
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