Millennials in der Arbeitswelt: Haben wir der Generation Y zu viel zugemutet?

Millennials in der Arbeitswelt: Haben wir der Generation Y zu viel zugemutet?

, aktualisiert 14. Januar 2016, 12:18 Uhr
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Die Generation Y, so eine aktuelle Studie, fühlt sich überfordert – die Folgen für die Wirtschaft sind fatal.

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Wir sind überfordert! So lautet der Tenor einer aktuellen Deloitte-Studie zur Generation Y. Die Folgen sind fatal: Die jungen Fachkräfte wollen spätestens innerhalb der nächsten zwei Jahre ihren Job an den Nagel hängen.

DüsseldorfUnzufriedenheit, Überforderung wegen zu hoher Zielvorgaben und das Gefühl, auf dem Karriereweg nach oben nicht gut und richtig gefördert zu werden: die Generation Y fackelt nicht lange und plant einer aktuellen Umfrage von Deloitte zufolge, sich so schnell wie möglich einen neuen Job zu suchen. Konkret heißt das, dass 34 Prozent der Befragten – Berufseinsteiger aus verschiedenen Bereichen und zu 25 Prozent auch Mitarbeiter in Senior-Rollen – spätestens in zwei Jahren den Arbeitgeber wechseln wollen. Damit, so heisst es im Deloitte Millennial Survey 2016, verschärft sich der Kampf um gut ausgebildete Fachkräfte zukünftig weiter.

Die Unternehmen müssen sich also in Zukunft noch mehr anstrengen, um auf dem Radarschirm der jungen Leute zu kommen – und zu bleiben. Zu der Generation Y (Englisch: Why?) zählen in der Regel die Jahrgänge 1980-1995, die bekannt dafür sind, Althergebrachtes in Frage und die Arbeitswelt auf den Kopf zu stellen.

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Die attraktiven Fachkräfte einfach mit mehr Geld ködern zu wollen, wird nicht funktionieren, denn das Gehalt ist schon lange nicht mehr der Aspekt, der die Generation Y am Arbeitsplatz hält. So fühlen sich 90 Prozent der Befragten in Deutschland am stärksten von der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit motiviert und wenn die stimmt, bleiben sie auch gerne bei ihrem Unternehmen. Heißt: Sie wollen eine Arbeit machen, die ihnen wirklich am Herzen liegt – und nicht mehr nur den Lebensunterhalt verdienen. Das Gehalt sei dazu lediglich für 76 Prozent ausschlaggebend.

„Die Generation Y ist nicht mehr bereit, sich lange an ein Unternehmen zu binden“, kommentiert Nicolai Andersen von Deloitte. Das fordere Firmen heraus: „Investitionen in Recruiting und Ausbildung der Nachwuchskräfte rechnen sich bei einer hohen Fluktuation nicht. Unternehmen sollten daher hinterfragen, welche Instrumente und Maßnahmen für welche Mitarbeiter zielführend sind.“


Ausstieg oder Abstieg?

Für viele stelle sich die Frage: Ausstieg oder Abstieg? Da wollen einige Mitarbeiter wohl nicht mehr lange warten... So geben 18 Prozent der Befragten an, den Ausstieg schon wesentlich früher als erst in zwei Jahren zu planen.

Dabei sind die Deutschen im globalen Vergleich noch um einiges loyaler als der Durchschnitt: So wollen 44 Prozent der jungen Fachkräfte bis 2018 den Arbeitgeber wechseln. Auch hier werden Überforderung und keine Weiterbildungsmöglichkeiten als die Top-Gründe für einen Ausstieg aufgezählt.

Schmerzhaft auch für die globale Wirtschaft: Wer der Gen Y keine Aufstiegschancen bieten kann, wird seine Mitarbeiter nicht halten können. 90 Prozent der Befragten, die länger als fünf Jahre beim Unternehmen bleiben möchten, gaben sinnvolle Aufgaben als Hauptgrund für ihre Zufriedenheit an.

Schauen wir uns die Kündigungsgründe genauer an. Die Mehrheit derjenigen, die ihr Unternehmen in den nächsten zwei Jahren verlassen wollen, fühlt sich nicht auf Führungspositionen vorbereitet (Deutschland 64 Prozent/weltweit 71Prozent). Als Konsequenz daraus beklagen 52 Prozent, bei der Vergabe von Führungspositionen übersehen zu werden. Bei so viel Unsicherheit und fehlender Förderung eigentlich kein Wunder, dass die Generation Y keine Zukunftschancen bei ihren Arbeitgebern sieht. Global gaben 57 Prozent in der Studie an, bei Beförderungen übersehen worden zu sein – wer es nicht kennt: kein schönes Gefühl.


Wurde die Generation Y überfordert

Hinzu kommt, dass ein Drittel der jungen Generation die eigenen Moralvorstellungen als ausschlaggebend für Entscheidungen am Arbeitsplatz betrachtet. Das Einhalten der Unternehmensrichtlinien spielt immerhin bei 25 Prozent eine Rolle. Im Gegensatz dazu sank das Vertrauen in den positiven Beitrag von Unternehmen auf die Gesellschaft um 4 Prozent auf 57 Prozent. Das Misstrauen in Deutschland bleibt damit überdurchschnittlich hoch – global sind 73 Prozent vom positiven Beitrag der Unternehmen überzeugt.

Befragt zur Risikobereitschaft am Arbeitsplatz, gaben nur 39 Prozent der befragten Deutschen in Senior-Rollen das Vermeiden von Risiken als ausschlaggebend bei wichtigen Entscheidungen an, wohingegen mehr als die Hälfte der weltweit Befragten möglichen Risiken aus dem Weg gehen. Bei Berufseinsteigern spielen Konsequenzen für die Karriere eine noch unbedeutendere Rolle: Lediglich 23 Prozent der deutschen Berufseinsteiger machen demnach ihre Entscheidungen von Risiken abhängig.

„Es sollte uns zu denken geben, dass 64 Prozent nicht in ihre Führungsqualitäten vertrauen“, mahnt Andersen. „Überforderte Nachwuchskräfte können langfristig keinen Mehrwert für Unternehmen schaffen – vielleicht haben wir der Generation Y bislang zu viel zugemutet. Um die richtigen Talente zu identifizieren, auszubilden und zu binden, sind heute ganz andere Ansätze notwendig als noch vor 10 Jahren“, schließt Nicolai Andersen.

Quellle:  Handelsblatt Online
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