Milliarden-Geschäfte: So wirbt Iran um deutsche Unternehmen

Milliarden-Geschäfte: So wirbt Iran um deutsche Unternehmen

, aktualisiert 07. April 2016, 09:48 Uhr
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Der Iran hofft auf massive Investitionen deutscher Unternehmen.

von Mathias BrüggmannQuelle:Handelsblatt Online

Die Regierung in Teheran will ihre petrochemische Industrie für 55 Milliarden Dollar ausbauen und wirbt verstärkt um deutsche Unternehmen. Doch es gibt noch einige Hürden bei der geplanten Rückkehr nach Persien.

BerlinGerade deutsche Firmen könnten vom Investitionsstau profitieren, der durch die jahrelangen Sanktionen gegen den Iran entstanden ist. Die zweitgrößte Volkswirtschaft am Persischen Golf plant ein milliardenschweres Investitionsprogramm. „Wir hoffen sehr, dass die sehr lange und sehr gute Kooperation mit deutschen Unternehmen so schnell wie möglich wieder beginnt“, sagte die neue Präsidentin der National Petrochemical Company des Irans (NPC), Marzieh Shahdaee, am Rande der Iran-Konferenz des Nah- und Mittelost-Vereins (Numov) in Berlin.

Besonders die chemische Industrie könnte davon profitieren: Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll den Worten Shahdaees zufolge die Kapazität von Irans petrochemischen Anlagen von derzeit 60 auf 100 Millionen Tonnen jährlich ausgebaut werden, in zehn Jahren solle die Kapazität dann sogar 160 Millionen Tonnen betragen. Das Land brauche dafür 55 Milliarden Dollar an Investitionen, sagte die NPC-Präsidentin Shahdaee, die auch Vize-Ölministerin ist.

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Um diese gewaltige Summe aufzubringen, will Teheran nicht nur die Milliardenguthaben auf ausländischen Konten entsperrt bekommen, die bislang wegen der Sanktionen eingefroren waren, sondern setzt auch auf Kooperation mit ausländischen Chemiekonzernen. Branchenkreisen zufolge gelten BASF und Linde sowie einige deutsche Anlagenbauer als potenzielle Partner. Laut Shahdaee seien sowohl technologische Kooperation als auch Investitionen gefragt.

Neben der iranischen Staatsgesellschaft NPC expandieren derzeit auch die arabischen Golfanrainer mit ihren petrochemischen Anlagen: So erweitert der saudische Branchenriese Sabic seine Produktion, und auch die Vereinigten Arabischen Emirate schmieden große Pläne. Shahdaee ficht das nicht an. "Iran hat im Vergleich zu seinen Nachbarn große Vorteile": Öl und Gas in großen, freien Mengen sowie zahlreiche eigene Firmen in dem Sektor, die bereitstünden für Industriekooperationen.

Deutsche Firmen haben großes Interesse an einer breit angelegten Rückkehr nach Persien. Der Elektrokonzern Siemens schloss bereits mit dem iranischen Mapna-Konzern ein Gasturbinen-Liefer- und -Produktionsabkommen.

Daimler, VW, Lufthansa, Airbus, Allianz, Herrenknecht, SAP und andere deutsche Firmen begleiteten Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (beide SPD) bei ihrem Besuch in Iran. Gabriel leitet Anfang Mai die deutsch-iranische Wirtschaftskommission in Teheran, die erstmals nach 15 Jahren wieder zusammenkommt.

Eine heikle Mission: Denn es geht auch um 500 Millionen Euro, die Iran dem deutschen Kreditversicherer Euler-Hermes noch aus Sanktionszeiten schuldet. Teheran sagt, es konnte wegen der sanktionsbedingten Abkopplung vom internationalen Zahlungssystem Swift nicht zahlen. Solange aber die Altschulden-Frage ungeklärt sei, gebe es keine neuen Hermes-Deckungen für Iran-Exporte, heißt es beim Versicherer und der Bundesregierung.

Dieses Problem - gepaart mit der Tatsache, dass kein deutsches Kreditinstitut bis auf die Europäisch-Iranische Handelsbank in Hamburg bisher Irangeschäft abwickelt - ist nach Angaben vieler Unternehmen die größte Hürde bei der geplanten Rückkehr nach Persien.

Quelle:  Handelsblatt Online
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