Milliardenauftrag für DB Arriva: Deutsche Bahn kommt in London zum Zug

Milliardenauftrag für DB Arriva: Deutsche Bahn kommt in London zum Zug

, aktualisiert 18. März 2016, 14:21 Uhr
von Carsten Herz und Dieter FockenbrockQuelle:Handelsblatt Online

Bahn-Chef Rüdiger Grube kann einen neuen Milliardenauftrag für die britische Tochter Arriva verkünden. Es ist ein wichtiger Erfolg, der dabei helfen könnte, neue Investoren bei der Teilprivatisierung anzulocken.

Bild vergrößern

Die Bahn-Tochter Arriva hat sich einen Großauftrag in der britischen Hauptstadt gesichert.

London/DüsseldorfEs ist eine beeindruckende Zahl: 1,5 Milliarden Pfund, umgerechnet fast zwei Milliarden Euro, ist der Auftrag wert, der die Deutsche Bahntochter DB Arriva am Freitag in London eingeheimst hat. Mit dem neuen Auftrag für den Betrieb eines Teils der Londoner Nahverkehrsbahn Overground baut die Tochtergesellschaft, in die der deutsche Staatskonzern sein Auslandsgeschäft gebündelt hat, ihre Position in der britischen Hauptstadt weiter aus. Arriva werde die Betriebszeiten ausweiten, die Frequenzen erhöhen und neue Züge einsetzen, begründete die Londoner Verkehrsgesellschaft Transport for London die Entscheidung für die Deutschen.

Bisher hatte Arriva die Strecken, zu denen unter anderem die Verbindung zwischen West Croydon und Highbury & Islington in einem Joint Venture mit MTR, dem Betreiber der Metro in Hongkong, betrieben. Doch der Kontrakt lief aus und MTR hatte sich entschieden, nicht noch einmal mit Arriva anzutreten, weshalb der Erfolg der Deutschen nun umso wichtiger ist – und das gleich aus mehreren Gründen.

Anzeige

Denn für Bahn-Chef Rüdiger Grube ist der Abschluss ein Prestigeerfolg genau zur rechten Zeit. Nicht nur finanziell ist der Kontrakt, der eine Laufzeit von 7,5 Jahren plus eine Option für weitere zwei Jahre hat, ein Meilenstein. Auch strategisch kommt die Vereinbarung, mit der die Bahn Rivalen wie Metroline Rail, die Go Ahead Group sowie die französische Keolis aussticht, für den unter Druck stehenden Bahn-Vorstandsboss günstig. Denn der Großauftrag in Großbritannien könnte der Bahn, die im vergangenen Jahr trotz eines Rekordumsatzes einen hohen Verlust gemacht hat, auch noch in einer ganz anderen Frage helfen.

So will die hochverschuldete Bahn sowohl für ihre internationale Logistik (DB Schenker) als auch für den Personenverkehr im europäischen Ausland künftig private Investoren finden. Erst vor wenigen Tagen hatten sich die Bahn und der Bund nach Informationen des Handelsblatts darauf verständigt, dass der Staatskonzern die Erlöse aus den geplanten Privatisierungen behalten darf.

Geplant ist ein Verkauf von maximal 40 Prozent der Auslandstochter Arriva und des Logistikkonzerns Schenker. Arriva soll im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker ein Jahr darauf in Frankfurt. Umso mehr dürfte Grube der jüngste Prestigeerfolg der britischen Tochter freuen. Denn in London befördert Arriva mit 1600 Bussen bereits jetzt jährlich rund 330 Millionen Fahrgäste, das entspricht rund einem Fünftel des Busmarktes in der Hauptstadt. Viele der markanten roten Doppeldecker ziert das Arriva-Logo („a DB company“), und Teile der Nahverkehrsbahn London Overground betreibt der DB-Ableger seit 2007 – bisher jedoch mit dem Partner MTR.


Arriva will in die arabischen Metropolen

Arriva hatte bereits Ende vergangenen Jahres einen Großauftrag auf der Insel an Land gezogen. Die DB-Tochter gewann die „Northern Rail“-Ausschreibung. Der Verkehrsvertrag umfasst Schienenverkehre in Nordengland mit einer jährlichen Betriebsleistung von rund 50 Millionen Zugkilometern. Dieser Auftrag ist dreimal so groß wie die bisher größten deutschen Ausschreibungen. Der Vertrag mit einem Umsatzvolumen von über zehn Milliarden Euro hat eine Laufzeit von neun Jahren mit der Option einer einjährigen Verlängerung und beginnt am 1. April.

Arriva-Chef David Martin lobt in seiner Firmenzentrale nahe des großen Londoner Bahnhofs King’s Cross sein Unternehmen darum gerne als „Wachstumsmaschine in der regionalen Passagierbeförderung außerhalb Deutschlands“. Denn während daheim billige Fernbusse der Bahn Kunden im IC- und ICE-Verkehr abjagen, schlägt sich Arriva im Ausland wacker – und das trotz eines harten Wettbewerbs auf der Insel. Allein die roten Doppeldecker Londons werden von vier verschiedenen Unternehmen betrieben, Töchtern von Konzernen aus Deutschland, Singapur, Frankreich und den Niederlanden.

Auch in anderen größeren Städten des Vereinigten Königreichs treten mehrere Busgesellschaften gegeneinander an, und im Schienenverkehr auf der Insel ist die Rivalität ebenso scharf. Eine nur schwer überschaubare Zahl von Bahngesellschaften kämpft um Kunden. Allein in King's Cross, einem der Londoner Hauptbahnhöfe, pendeln Züge von vier verschiedenen Fernbahn-Gesellschaften ein und aus, die alle in scharfem Wettbewerb zueinander stehen. Da sehen neben den orange-schwarzen Zügen von Grand Central die Waggons von Great Northern, die vom Konkurrenten Virgin in Weiß und Rot und die weiß-violetten von East Midlands.

Doch perspektivisch will Arriva, das neben Bus- und Bahnverkehr vor allem in England mittlerweile auch Nahverkehr in vierzehn weiteren europäischen Städten anbietet, seinen Blick noch deutlich weiten – und erstmals ihre bisherigen regionalen Grenzen sprengen. „Die arabischen Metropolen investieren Milliarden in den Nahverkehr, daran wollen wir teilhaben“, kündigte Martin im letzten Sommer an. Grube wird das gerne hören.

Das Auslandsgeschäft jenseits der deutschen Grenzen soll zu einem der wichtigsten Wachstumstreiber der Bahn werden – und zum Beweis, dass Bahn-Chef mit seinem bisher größtem Deal richtig gelegen hat. Mit knapp drei Milliarden Euro war das britische Unternehmen Arriva 2010 der teuerste Zukauf des staatseigenen Konzerns und Grubes bisher größte Wette. Der neue Milliarden-Deal dürfte Grube nun gerne als Beweis aufrufen, dass dieser Einsatz sich allmählich auszuzahlen scheint.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%