Milliardendeal: Deutsche Börse verkauft amerikanische Optionsbörse ISE

Milliardendeal: Deutsche Börse verkauft amerikanische Optionsbörse ISE

, aktualisiert 10. März 2016, 01:32 Uhr
Bild vergrößern

Die US-Technologiebörse Nasdaq hat die US-Tochter International Securities Exchange Holdings (ISE) der Deutschen Börse gekauft.

von Michael Brächer und Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Börsenchef Kengeter weiß zu überraschen: Mitten im Fusionspoker um die Londoner LSE verkauft er die ISE. Der Deal bringt der Deutschen Börse frisches Geld. Insgesamt war der Kauf der Optionsbörse ein Verlustgeschäft.

Carsten Kengeter bleibt seinem Ruf als Dealmaker treu: Der Vorstandschef der Deutschen Börse verkauft die amerikanische Optionsbörse ISE für 1,1 Milliarden US-Dollar an den amerikanischen Wettbewerber Nasdaq. Der Börse winkt durch den Deal ein Gewinn im oberen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich – und Kengeter sorgt mitten im Fusionspoker mit der London Stock Exchange (LSE) für positive Schlagzeilen.

Die gescheiterten Fusionspläne der Deutsche Börse AG

  • iX international exchange

    17. Juli 2000

    Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

  • Euronext

    Sommer 2003

    Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

  • Euronext II

    Frühling 2004

    Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

  • Schweizer Börse SWX

    August 2004

    Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

  • London Stock Exchange

    13. Dezember 2004

    Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

  • Euronext III

    21. Februar 2006

    Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

    19. Mai 2006

    Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

    Juni 2006

    Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

  • NYSE Euronext

    19. Mai 2006

    Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

    Juni 2006

    Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

    Dezember 2008

    Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

  • NYSE Euronext II

    April 2011

    Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

    Februar 2012

    Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit den Amerikanern aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Für die Nasdaq bedeutet der Verkauf vor allem eine Verstärkung im Bereich der Aktien-Optionen, außerdem ist sie an der Technik der ISE interessiert. Der Wettbewerb ist hart: Es gibt insgesamt 14 Plattformen für den Handel mit Optionen in den USA, davon gehören je drei der ISE und der Nasdaq. Durch den Zusammenschluss kann die Nasdaq hier eine relativ starke Position aufbauen. Die ISE ist in New York in unmittelbarer Nachbarschaft der NYSE, der berühmten Aktienbörse, angesiedelt. Sie ist nicht zu verwechseln mit der ICE, der Muttergesellschaft der NYSE, die möglicherweise ein Gebot für die LSE abgeben will.

Anzeige

Größerer finanzieller Spielraum

Gemeinsam wollen Deutsche Börse und LSE eine europäische Superbörse bilden. Die Konkurrenz aus den USA hat aber bereits durchblicken lassen, dass sie sich ebenfalls für die LSE interessiert. Mit dem Verkauf der Optionsbörse ISE erhält die Deutsche Börse mehr finanziellen Spielraum. Bei der drohenden Übernahmeschlacht um die LSE dürfte ihr der Deal aber nur wenig helfen - dafür ist der Erlös schlicht zu gering.

Wenn die Aufseher dem Verkauf der ISE zustimmen, soll der Deal noch in der zweiten Jahreshälfte unter Dach und Fach gebracht werden. Das wäre für Deutsche Börse und ISE der Schlussstrich unter eine Liaison mit überzogenen Erwartungen: Kurz vor der Finanzkrise im Jahr 2007 hatte die Deutsche Börse die ISE für 2,8 Milliarden US-Dollar gekauft – nun erhält sie nur einen Bruchteil ihres Einsatzes zurück. Trotzdem entsteht beim Verkauf buchhalterisch ein Gewinn. Sie hatte einen Teil des Wertes schon abgeschrieben.

Weitere Artikel

Außerdem wird die ISE zusammen mit der Eurex, der Terminbörse des Konzerns, bilanziert. Der Wertverlust der Eurex durch den Abgang der ISE liegt nach Meinung der Wirtschaftsprüfer niedriger als der Verkaufswert.

Schon Kengeters Vorgänger Reto Francioni hatte erfolglos versucht, sich von der Optionsbörse zu trennen. Nun wurde sich Kengeter mit der Nasdaq einig. Die ISE sei ein „hochattraktives Asset, das sich im Besitz einer amerikanischen Börse ausgezeichnet weiterentwickeln kann“, sagte Kengeter. Der Börsenchef hat es sich zum Ziel gesetzt, in jedem Geschäftsbereich die Nummer eins oder zwei zu werden – beim Optionsgeschäft in den USA war dieses Ziel für die Börse nicht erreichbar. So versteht man den Verkauf in Eschborn denn auch als „aktive Steuerung des Portfolios“.

Quellle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%