Millionenraub: Niemand ist vor den Swift-Dieben sicher

Millionenraub: Niemand ist vor den Swift-Dieben sicher

, aktualisiert 27. April 2016, 16:35 Uhr
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Swift-Logo: Neue Merkmale.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Der Millionenraub von einem Konto der Zentralbank Bangladesch per Swift war kein Einzelfall. Die Digitalisierung gibt auch dem Verbrechen eine neue Dimension. Ein Kommentar.

Nun auch Swift. Das hochmoderne, mit großem Aufwand errichtete internationale Zahlungsverkehrs-System musste einräumen, dass der Millionenraub von einem Konto der Zentralbank Bangladesch per Swift kein Einzelfall war. Sondern ein Beispiel dafür, dass Cyberkriminelle überall zuschlagen können. Dass auch Zentralbanken ihnen zum Opfer fallen. Und dass selbst Geld auf einem Konto bei der US-Zentralbank – von dort wurden 81 Millionen Dollar abgezweigt – nicht sicher ist.

Der Fall zeigt: Die Digitalisierung gibt auch dem Verbrechen eine neue Dimension. Und neue Merkmale. Das Beispiel Swift führt damit die Kehrseite der weltweiten Vernetzung vor Augen. Jedes Netz ist nur so sicher wie sein schwächster Knoten. Es hilft nichts, dass die Kernprogramme von Swift sicher bleiben, wenn die Verbrecher die angeschlossenen Kunden anzapfen und sich mit gefälschten Daten einklinken.

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Es geht um riesige Summen: Eigentlich wollten Hacker fast eine Milliarde Dollar stehlen. Die neue Kriminalität ist zudem ortsungebunden. Sie kann von jedem Dorf, jedem Stadtteil der Welt mit Internetanschluss, jeden Brennpunkt der internationalen Finanzwelt erreichen. Gewalt kommt dabei eher versteckt daher. Es gibt keinen Krieg wie den unter Drogenbanden – dieses Geschäft mutet im Vergleich mittelalterlich an. Aber wenn Computer von Kliniken zu Erpressungszwecken gehackt werden, können dabei auch Menschenleben auf dem Spiel stehen. Neue Schwachstellen werden sich auftun, wenn das Internet der Dinge, die Vernetzung von Fabriken und technischer Infrastruktur, etwa im Energiesektor, fortschreitet. Oder wenn eines Tages selbst fahrende Autos per Fernbedienung entführt werden können.

Ist das alles ein Grund, den digitalen Fortschritt zu verdammen? Man könnte es tun, aber das würde nichts ändern. Es gibt in den USA Leute wie die Amish People, die ohne Strom und Auto leben und mit der Kutsche herumfahren. Aber die Mehrheit der Menschen wird den Fortschritt immer willkommen heißen. Die Eisenbahn brachte legendäre Überfälle auf Züge mit sich, auch damals erreichte das Verbrechen schon eine neue Dimension. Die moderne Bankenwelt brachte den Kapitalanlagebetrug mit sich. Das ist schon seit Jahrzehnten ein Vorbote des neuen Verbrechens, bei dem nicht Stärke Schwäche ausnützt, sondern Intelligenz Dummheit.

Die Strategie gegen das neue Verbrechen funktioniert vom Grundprinzip her so wie die gegen das alte Verbrechen. Es gilt, den Kriminellen auf der Spur zu bleiben. Ihnen mit ihren Methoden einen möglichst kleinen Vorsprung zu lassen oder, noch besser, sie zu überholen. Die Justiz braucht dazu die entsprechende Ausrüstung und Intelligenz. Der Super-Cop der neuen Welt hat den Finger am Keyboard, nicht am Abzug, auch wenn sich daraus nur mit Mühe spannende Filmszenen ableiten lassen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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