Mini-Zinsen: US-Banken kämpfen mit Gegenwind

Mini-Zinsen: US-Banken kämpfen mit Gegenwind

, aktualisiert 15. Juli 2016, 15:14 Uhr
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Die Fotomontage zeigt die Logos von vier verschiedenen US-Banken. Wells Fargo und Citibank haben heute Geschäftszahlen vorgelegt.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Wells Fargo hält das Ergebnis stabil, Citigroup verzeichnet Einbußen im zweiten Quartal. Die US-Banken können die niedrigen Zinsen durch ein anderes Geschäft fast ausgleichen. Doch die Analysten überzeugen die Zahlen nicht.

Nachdem JP Morgan am Donnerstag einen gelungen Auftakt zur Berichtssaison hingelegt hat, gibt der große Konkurrent Wells Fargo ein ähnliches Bild ab. Der Gewinn nach Steuern sank im zweiten Quartal verglichen zum Vorjahreszeitraum nur geringfügig von 5,7 auf 5,6 Milliarden Dollar. Die Erlöse stiegen um vier Prozent, was aber leicht unter den Erwartungen blieb.

Der Druck auf die Gewinnmarge wurde zum großen Teil wettgemacht durch ein deutliches Wachstum der Darlehen und Kundeneinlagen. Der Aufwand für faule Kredit wuchs dagegen etwas – hier zeigt sich, dass der Kreditzyklus seinen besten Punkt überschritten hat.

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Wie zu erwarten spielte hier auch die angeschlagene Öl- und Gasbranche eine Rolle mit einer Belastung von knapp 300 Millionen. Die Bank spricht aber nach wie vor von einer „insgesamt soliden Kreditqualität“. Die Bank hat die Kosten gesenkt, zum Teil auch durch niedrigere Boni für die Mitarbeiter. In diesen Punkten ähnelt das Zahlenwerk dem von JP Morgan. Bei JP Morgan kam noch ein gutes Ergebnis im Kapitalmarktgeschäft hinzu. Dieser Bereich spielt bei Wells Fargo nur eine untergeordnete Rolle, die Bank mit Sitz in San Francisco ist vom Geschäftsmodell her eher eine Art eine Riesensparkasse.

Citigroup hingegen zeigt deutlicher den Gegenwind, den die Branche durch sehr niedrige Zinsen und eine Menge Unsicherheit in allen Märkten erfährt. Das Ergebnis nach Steuern im zweiten Quartal lag mit 4,0 Milliarden Dollar deutlich unter den 4,8 Milliarden des Vorjahreszeitraums, aber immer noch über den Erwartungen der Analysten.

Bei Citigroup gingen aber auch die Erlöse zurück – um zehn Prozent auf 17,5 Milliarden. Dabei spielte der starke Dollar eine Rolle. Ohne Wechselkursverschiebungen hätte der Rückgang nur sechs Prozent bei gelegen. Und diese Prozente lagen allein an dem Sonderbereich Citi Holding, in dem der Konzern schwache Kredite gebündelt hat, die als Altlasten der Vergangenheit gelten.

Klammert man das auch aus, blieben die Erlöse wenigstens stabil. Etwas überraschend ist, dass die Vorsorge für faule Kredite insgesamt entgegen dem Branchentrend leicht zurückging. Dieser Trend wurde vom Geschäft mit Privatkunden bestimmt, wo das Volumen der faulen Kredite deutlich sank, während es im Firmenkundengeschäft, vor allem in der Energiebranche, anstieg.

JP Morgan hatte am ein Donnerstag ein Quartalsergebnis von 6,2 Milliarden Dollar veröffentlicht, was zu einer freundlichen Börsenreaktion führte. Die Bank erweist sich damit erneut als ertragsstärker im Vergleich zu Wells Fargo. Sie wird trotzdem an der Börse traditionell niedriger bewertet, weil ihr Ergebnis stärker vom Kapitalmarkt abhängig ist und damit als anfälliger für Schwankungen gilt.

David George vom Analysehaus Baird kommentierte gab am Freitag zu JP Morgan den Rat: „bei starken Kursen verkaufen.“ Seiner Meinung nach sind die Aussichten der Branche für das kommende Jahr durch die voraussichtlich langfristig sehr niedrigen Zinsen getrübt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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