Mitsubishi und der Betrug: Die nächste Aktie im freien Fall

Mitsubishi und der Betrug: Die nächste Aktie im freien Fall

, aktualisiert 21. April 2016, 12:07 Uhr
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Die Mitsubishi-Aktie hat innerhalb von zwei Handelstagen ein Drittel ihres Wertes verloren.

von Martin KöllingQuelle:Handelsblatt Online

Die Abgas-Manipulation sorgt für einen Crash der Mitsubishi-Aktien. Auch heute wollen Anleger ihre Papiere verkaufen. Doch niemand nimmt ihnen ihre Aktien ab. Der Überblick über die möglichen Konsequenzen für Anleger.

TokioEine solche Panik wie bei Mitsubishi-Aktien hat Tokios Börse schon lange nicht mehr erlebt. Nachdem das Unternehmen am Mittwoch gestanden hatte, im großen Maßstab bei Verbrauchstests geschummelt zu haben, wollten die Anleger ihre Aktien abstoßen - und konnten es nicht. Niemand griff zu. An der Börse wurde der Handel mit der Mitsubishi-Aktie ausgesetzt. Am Ende des Handelstages trug die Börse daher das maximale Tagesminus von 20 Prozent in ihre Listen ein.

Damit hat die Mitsubishi-Aktie innerhalb von zwei Handelstagen ein Drittel ihres Wertes verloren. Denn schon am Vortag rauschte der Wert um 15 Prozent nach unten, nachdem Mitsubishi eine Pressekonferenz zu Unregelmäßigkeiten bei der Verbrauchsmessung angekündigte hatte. Durch die Manipulation erhielten die betroffenen Modelle eine bessere Sprit-Kategorisierung als ihnen eigentlich zugekommen wäre. So wurden schmalere Reifen als in der Serienausstattung aufgezogen und auch nicht regelkonforme Verbesserungen an der Aerodynamik vorgenommen.

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Und das ist womöglich noch nicht das Ende in der neuesten Krise des krisenerfahrenen Autobauers.

Arifumi Yoshida, Analyst der Citi Research, riet seinen Kunden zum Verkauf und halbierte sein Kursziel für Mitsubishi fast auf 430 Yen. Ein Online-Aktienportal warnte in seinen Marktnews, dass die finanziellen Folgen sich auf mehrere Milliarden Euro belaufen könnten.

Noch ist das Ausmaß des Schadens allerdings Spekulation. Doch selbst, wenn das Schummeln nur auf Japan begrenzt war, ist eines klar: Dem sechstgrößten und kapitalärmsten japanischen Autobauer droht just in dem Moment ein harter Schlag, als das Unternehmen nach Jahren der Krise endlich wieder Gas geben wollte.

Derzeit geht es Mitsubishi so gut wie schon lange nicht mehr: Für das Ende März abgelaufene Bilanzjahr hoffte das Unternehmen bisher auf eine operative Gewinnmarge von 5,5 Prozent. Der Reingewinn sollte mit 800 Millionen Euro zum dritten Mal in Folge dreistellig ausfallen. Das Unternehmen sitzt auf hohen Cashreserven: Ende Dezember standen 3,9 Milliarden Euro an Bargeld und anderen flüssigen Werten in der Bilanz. Zudem verkauft das Unternehmen nur 20 Prozent seiner Autos daheim in Japan und ist damit nicht von seinem Heimatmarkt abhängig.

Dennoch warnte Kreditanalyst Hideki Matsumoto in einem Kommentar, dass die Ertragskraft des Unternehmens rapide schwinden könnte und dem Unternehmen Abwertungen seiner Kreditwürdigkeit drohen. Denn schon die absehbaren Konsequenzen der ersten Reaktionen sind alarmierend für ein Unternehmen, das nur 1,2 Millionen Autos pro Jahr absetzt. Zum Vergleich: Toyota, der weltgrößte Autobauer, verkauft pro Jahr mehr als zehn Millionen Autos.


Milliardenschaden für den Autobauer

Der Anlass der Krise wirkt auf den ersten Blick klein: Bisher ging es nur um in Japan verkaufte Miniautos mit 660-Kubikzentimetermotörchen, die gerade wegen ihres niedrigen Benzinverbrauchs bei Autofahrern hoch im Kurs stehen. Mitsubishi-Präsident Tetsuro Aikawa hatte am Mittwoch gestanden, dass sein Unternehmen bei zwei Modellen, dem eK Wagon und dem eK Space, bei den Luft- und Rollwiderstandswerten getrickst und damit die Verbrauchswerte um fünf bis zehn Prozent geschönt hatte. Ermittler des Verkehrsministeriums betraten am Donnerstag Büros im Montagewerk des Konzerns in der zentraljapanischen Stadt Nagoya, wie örtliche Medien berichteten.

Aber schon der finanzielle Schaden dieses Befunds ist groß: Das Unternehmen stellt die Produktion und den Verkauf der betroffenen Modelle sofort ein, die erst 2013 in den Markt eingeführt worden waren. Damit bricht Mitsubishi und seinen Händlern von einem auf den anderen Tag das Geschäft in diesem wichtigen Segment weg, ohne das Ersatz absehbar wäre.

Darüber hinaus drohen Mitsubishi auch noch Schadensersatzzahlungen in unbekannter Höhe an Mitsubishis Miniauto-Partner Nissan. Der Grund: Mitsubishi hat in großem Maßstab bauähnliche Modelle an Renaults Allianzpartner verkauft, der sie unter dem Namen Dayz und Dayz Roox verkauft. Insgesamt gingen von den 625 000 seit 2013 produzierten Minis 458 000 als Nissans auf die Straße. Auch Abschreibungen und Gewinneinbußen drohen in der Produktion. Denn ohne dieses Miniautos fällt die Auslastung des Stammwerks in Mizushima auf 50 Prozent, warnt Citi-Analyst Yoshida.

Und schlimmer noch: Mitsubishi-Autos könnten ihre Steuervorteile für benzinsparende Autos verlieren. In dem Fall drohen weitere Zahlungen an Mitsubishis und Nissans Kunden. Strafzahlungen der Behörden könnten folgen. Das Verkehrsministerium hat am Donnerstag die Untersuchungen begonnen.

Zu allem Überfluss drohen teure Gerichtsverfahren mit Investoren. Die New Yorker Anwaltskanzlei Faruqi&Faruqi wirbt bereits um Anleger, die sich von Mitsubishi geprellt fühlen. Die Kanzlei untersuche bereits „möglichen Aktienbetrug“. Wer mehr als 100 000 US-Dollar in Mitsubishi-Aktien investiert habe, könne sich gerne an die Kanzlei wenden.

Doch damit nicht genug: Der finanzielle Schaden könnte sich noch weiter ausdehnen. Die fehlerhaften Praktiken seien auch bei anderen Modellen gefunden worden, hatte Firmenpräsident Aikawa erklärt.

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass Mitsubishi in einen Skandal verwickelt ist: In den 1990er Jahren geriet das Unternehmen durch systematische vertuschte Mängel an den Rand des Zusammenbruchs und wurde schließlich von Daimler gerettet.

Ob auch Autos im Ausland betroffen sind, ist noch unklar. Doch solange diese Fragen ungeklärt sind, werden große Fragezeichen über Mitsubishis Zukunft schweben. Fondsmanager unken bereits, dass Mitsubishi für institutionelle Investoren vorerst nicht mehr als Anlageobjekt in Frage käme.

Quelle:  Handelsblatt Online
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