Mittelstand: Fehlende Transparenz im Förderdschungel

Mittelstand: Fehlende Transparenz im Förderdschungel

, aktualisiert 10. Mai 2016, 13:37 Uhr
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Die Förderangebote für Unternehmen sollen besser werden. Die KfW-Förderbank arbeitet bei ihrer Neuausrichtung daran.

Quelle:Handelsblatt Online

Das Förderangebot für Unternehmen ist unübersichtlich. Doch bei der richtigen Kombination der Förderprogramme kommen Betriebe schneller an ihr Geld. Spezielle Berater weisen den Weg zum passenden Programm.

HamburgMustafa Azim hatte eine gute Geschäftsidee, aber kein Kapital. Als er vor 4,5 Jahren smartvie gründete, eine E-Commerce-Plattform als Konkurrenz zu Ebay, bemühte er sich, von der niedersächsischen Förderbank 18.000 Euro aus dem Zuschuss-Programm „Gründercampus“ zu erhalten. „Wir mussten einen Businessplan erstellen, zahlreiche Formulare ausfüllen und uns einer Jury vorstellen.“

Es dauerte zwei Monate, bis Azim das Okay bekam. Danach musste er für jede Mittelanforderung aus dem Programm des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung von seinem Steuerberater bestätigte Rechnungen vorlegen. 2014 entdeckte der 29-Jährige einen weiteren Fördertopf. Der stand bei der Kapitalbeteiligungsgesellschaft für die mittelständische Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen (KBG) zur Verfügung. Diese stärkt, wie ihre „Schwestern“ in anderen Bundesländern, Existenzgründer und wachstumsorientierte Unternehmen mit Mikromezzanine-Kapital.

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Ein Fördermittelberater half dem smartvie-Gründer, ein Darlehen über 50.000 Euro zu bekommen. Die Laufzeit: zehn Jahre. Der Clou: Mit der Tilgung muss die Company erst im achten Jahr beginnen. „Das hat uns finanziell Luft verschafft und unternehmerische Sicherheit gegeben“, sagt Azim. Wie Mustafa Azim erscheint vielen jungen, kleinen und mittelständischen Unternehmern (KMU) die deutsche Förderlandschaft wie ein Dschungel. Rund 2.000 Programme existieren, die aus Landes-, Bundes- oder Europa-Mitteln gespeist werden. Fördergelder gibt es für Gründer und strukturschwache Regionen, Forschungsprojekte und Innovationen.

„Die Anforderungskataloge und Regularien umfassen bei einigen Programmkombinationen Hunderte Seiten“, sagt Anne Alsfasser, auf KMU spezialisierte Unternehmensberaterin: Sie rät, sich frühzeitig um Fördergelder zu kümmern. Nicht selten ziehe sich das Antragsprozedere länger hin. Das bremse vor allem Gründer, die schnell starten möchten. Diese sollten, so die Expertin, genau die Angebote der KfW-Bankengruppe studieren.

Für Start-ups, Unternehmensnachfolger und junge Unternehmer gibt es hier beispielsweise Zuschüsse zu Beratungskosten von bis zu 4.500 Euro im Jahr. Die Gelder für das Programm „Gründercoaching Deutschland“ aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) werden von der KfW ausgezahlt. Über die Hausbank lassen sich bei der KfW außerdem ERP-Darlehen für junge Unternehmen bis zu 100.000 Euro beantragen. Jahreszins: ab ein Prozent.


„Programme lassen sich kombinieren“

Eines der größten Programme ist das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand. Gefördert werden einzelne Technologie-Projekte wie auch Kooperationen mit Forschungseinrichtungen. Laut Bundeswirtschaftsministerium wurden bis 2014 für 28.000 Projekte 3,8 Milliarden Euro bewilligt. EU-Gelder stecken in „Horizont 2020“, in dem alle forschungs- und innovationsrelevanten Förderprogramme der Europäischen Kommission zusammengeführt sind.

Personalthemen werden durch das Programm „unternehmensWert: Mensch“ gefördert. Ab August können beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales bis zu 80-prozentige Zuschüsse für maximal zehn Beratungstage beantragt werden. Eine Option sind regionale Töpfe zur Wirtschaftsförderung. Dafür stehen neben dem Europäischen Strukturfonds und der Bundeswirtschaftsministeriums-Initiative „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ die Förderinstitute der Bundesländer zur Verfügung.

Das Beratungscenter der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB) hat sich auf die Fahne geschrieben, „Unternehmen aus Hamburg durch den Förderdschungel zu lotsen“, so Sibyl Scharrer, IFB-Spezialistin für EU-Förderprogramme. „Je kleiner ein Betrieb ist, desto höher ist im Regelfall die Förderquote.“ Welches Zuschuss- oder Darlehensprogramm infrage kommt, hängt vom Vorhaben ab. Ein Beispiel: Das Start-up Productmate, das über ein Online-Portal, auf dem Kunden nach besonderen Produkten in ihrer Nähe stöbern können, das Geschäft von stationären Händlern ankurbeln will, hat über InnoRampUp eine Förderung erhalten. „Neben der Finanzspritze haben uns die kritischen Fragen der IFB sehr geholfen, unser Geschäftsmodell strategisch sinnvoll weiterzuentwickeln“, sagt Mitgründer Benedict Sebesta.

Viele Gründer wüssten nicht, welche Töpfe es gibt. „Schlau machen und die Fördermöglichkeiten wahrnehmen“, rät Sebesta. Unternehmensberaterin Anne Alsfasser fügt hinzu: „Einige Programme lassen sich kombinieren. Auf diese Weise kommen Betriebe oft schneller an Gelder - und auf höhere Fördersummen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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