Mittelstand : Warren Buffett bandelt mit Sparkassen an

Mittelstand : Warren Buffett bandelt mit Sparkassen an

, aktualisiert 24. Juni 2016, 18:11 Uhr
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Die Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten führt sein Unternehmen nach Deutschland.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Der Starinvestor aus den USA hat ein Auge auf den deutschen Mittelstand geworfen. Bei möglichen Beteiligungen setzt Berkshire Hathaway auf die Hilfe der deutschen Sparkassen.

Frankfurt Die Chefs der 25 größten deutschen Sparkassen kommen regelmäßig zusammen – so auch diese Woche in Heidelberg. Mit von der Partie war dieses Mal ein besonderer Gast: Berkshire Hathaway, das Konglomerat des US-Starinvestors Warren Buffett.

Ted Weschler, Portfolioverwalter von Berkshire, traf die Sparkassenvorstände gleich zweimal. Er ist auf der Suche nach neuen Investitionen in Deutschland – sprich: Berkshire will deutsche Mittelständler kaufen. Die Sparkassen sollen ihm dabei helfen und wollen auch selbst profitieren.

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Ein US-Großinvestor, der weltweit anlegt, und die deutschen Sparkassen – zwei weit voneinander entfernte Welten? Nicht so für Weschler, ganz im Gegenteil. Berkshire will näher ran die Sparkassen – und sieht beide auf einer Linie: „Sparkassen und ihre Mittelstandskunden sind wertorientiert und denken in langfristigen Zeiträumen“, so Weschler. Das sei auch die grundlegende Philosophie von Warren Buffett, seit Berkshire Hathaway lenke.

Der Gedanke hinter dem Treffen: Die Sparkassen, die in Deutschland die meisten Mittelstandskunden haben, könnten Türöffner in die Mittelstandswelt für Berkshire werden. Wenn Firmeneigentümer ihr Unternehmen verkaufen wollen, könnten die Sparkassen Weschler ins Spiel bringen. Berkshire will sich auch von Finanzinvestoren abheben, in der Vergangenheit Firmen mitunter erst hoch verschuldet, dann aufgespalten und bald wieder verkauft haben.

Das Interesse der Sparkassen: Wenn Buffett die Firmen kauft, bleiben sie oft so bestehen wie bisher. „Berkshire Hathaway ist nicht auf der Suche nach kurzfristiger Rendite, sondern möchte das Lebenswerk der Eigentümer von Mittelstandsfirmen weiterführen und dies über einen langen Zeitraum“, so Weschler. Genau das schwebt den Eigentümerfamilien meist vor – wie auch den Sparkassen. Denn bleibt das Unternehmen unverändert bestehen, ist es wahrscheinlich auch weiterhin Kunde einer Sparkasse. Finanzinvestoren dagegen bringen oft ihre eigenen Kreditgeber mit. Die wollen dann auch Hausbank des Mittelständlers werden.

Und nicht nur das: Obendrein rechnen sich die Sparkassen Chancen aus, den bisherigen Unternehmenseigner, der mit dem Verkauf ein Vermögen macht, auch bei der Anlage zu beraten. Die öffentlich-rechtlichen Institute spüren, dass Eigentümer verstärkt ihre Unternehmen verkaufen. „Die seit langem prognostizierte Welle von Unternehmensnachfolgen ist bei den Sparkassen angekommen“, konstatiert Karl-Peter Schackmann-Fallis vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Berkshire könnte angesichts seiner nachhaltigen Anlagepolitik in bestimmten Fällen als Investor in Frage kommen, meint er.


Berkshire gibt Standortgarantie für Firmen

Dabei könnte es um hohe Millionensummen gehen. Anfang 2015 übernahm Berkshire den Hamburger Motorradfachhändler Louis – das erste Investment in einen deutschen Mittelständler. „Das Unternehmen ist im Vergleich zu anderen Investments vom Volumen her kleiner. Wir würden jedoch gern mehr solcher Deals machen - und wären auch an größeren Transaktionen interessiert", sagte Weschler jüngst.

50 Millionen Euro an Vorsteuergewinn gelten als Mindestgröße für ein Unternehmen, damit Berkshire Interesse bekundet. Vermittelt hatte den Kontakt zu Louis Zypora Kupferberg, Inhaberin des Beraters Kupferberg Transactions. Über sie kamen jetzt auch Sparkassen und Berkshire zusammen. Auch Kupferberg ist überzeugt, dass beide Seiten das gleiche Denken verbindet.

Den Fall Louis erwähnt Weschler, der früher seinen eigenen Hedgefonds managte, gerne: So gab Berkshire die Garantie, dass das Unternehmen für immer in Hamburg bleiben sollen. Eine solche Standortgarantie dürfte verkaufswilligen Firmeneignern in der Regel gut gefallen. Sie wollen schließlich wissen, was mit ihrem Unternehmen passiert, wie Weschler sagt.

Zwar ist Starinvestor Buffett vor allem deshalb bekannt, weil er an großen börsennotierten Konzernen Anteile hält – etwa an Apple und General Motors. Auch ein großes Aktienpaket am Rückversicherer Munich Re lag zeitweise bei Buffett. Doch Berkshire hat auch viele - wenngleich eben große - Mittelständler gekauft. Den Kleidungshersteller Fruit oft he Loom zum Beispiel sowie den Nahrungsmittelkonzern Heinz und den Möbelhändler Nebraska Furniture Mart.

Wann der nächste Deal in Deutschland folgt, kann Weschler noch nicht sagen. Er ist sich aber ziemlich sicher, dass Berkshire künftig zugreifen wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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